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Wenn der Kran die Kunst abholt

Wenn der Kran die Kunst abholt

BITBURG. Im Juni fliegen in Bitburg die Hämmer. Die Stadt Bitburg hat zwar nicht den Zuschlag für die Hammerwurf-Weltmeisterschaften bekommen. Dafür schaffen beim Symposium vom 9. Juni bis 13. Juli acht Bildhauer Skulpturen, die entlang des Nimstalradwegs aufgestellt werden.

Fu Zhongwang kommt nach Bitburg. Nein, der Mann eröffnet kein chinesisches Restaurant am Bedaplatz. Auch wird er nicht die Bediensteten der Stadtverwaltung in asiatische Entspannungstechniken einweisen. Der Mann ist Künstler. Genauer gesagt: Bildhauer. Und nicht der einzige, der im Hotel Louis Müller sein Lager aufschlägt. Dort trifft der Director der "Hubei Fine Arts Academy" in Wuhan am 9. Juni auf sieben Kollegen aus Deutschland, Belgien, Japan und Polen. Anlass für die internationale Zusammenkunft ist das Bildhauer-Symposium, das die Stadt Bitburg in Zusammenarbeit mit den Verbandsgemeinden Bitburg-Land und Irrel sowie dem Land zum ersten Mal ausrichtet. Fünf Wochen lang werden die Bildhauer ihre Ideen neben der Eissporthalle in Eifeler Stein hauen. Die zentnerschweren Ergebnisse nehmen die Bildhauer nicht mit nach Hause - das wäre auch logistisch ein Problem - sie sollen den Nimstalradweg schmücken. Wer das bezahlt? Hauptsächlich Sponsoren. Denn von den 118 000 Euro kalkulierten Kosten übernimmt "nur" etwa 18 000 Euro die Stiftung für Kultur. Doch die Sponsoren, darunter die RWE oder die Bitburger Brauerei, sollen auch etwas von ihrer Spendierfreude haben. Sie übernehmen Patenschaften für die Kunstwerke. Dafür werden ihre Namen auf den Werken verewigt. Der Skulpturenweg am Radweg, der Teil des rheinland-pfälzischen Skulpturenweges wird, geht auf eine Idee des Bitburger Bürgermeisters Joachim Streit sowie der Künstler Christoph Mancke aus Lünebach und Albert Hettinger aus Bitburg zurück. Beide sind auch am Symposium beteiligt. Mancke hat darüber hinaus die künstlerische Leitung des Ereignisses übernommen, während sich der Zweckverband Feriengebiet Bitburger Land um das Organisatorische kümmert. Zum Beispiel ums Rahmenprogramm, das spärlicher ausfällt als ursprünglich vorgesehen. "Die Künstler möchten in Ruhe arbeiten", sagt Frank Schaal, Leiter des Zweckverbands. Also: keine Musik und keine Pommes-Bude neben der Eissporthalle. Was nicht heißt, das keine Gäste willkommen sind. Im Gegenteil: Zuschauer sind ausdrücklich erwünscht. Das Symposium solle ein Ereignis für alle sein, sagt Schaal. Deshalb können die Besucher den Kunstschaffenden bei gutem Wetter von montags bis freitags jeweils von 9 bis 17 Uhr über die Schultern schauen. Und so werden die Künstler in ihrem Freiluft-Atelier Tag für Tag unter den Augen der Öffentlichkeit arbeiten. Was dabei herauskommt, ist freilich offen. Schließlich produzieren die acht kreativen Köpfe keine Auftragskunst. "Das Thema lautet ,Stationen‘. Da bleibt genug Raum, für die künstlerische Freiheit", sagt Schaal. Übrigens eine Idee von Bürgermeister Streit, der mit dem Begriff "Stationen" an die alte Bahnstrecke erinnern will, an deren Verlauf sich der Radweg orientiert. Dieser wird gleich im Anschluss an das Symposium mit den neuen Werken bestückt. Jeweils drei bekommen die Verbandsgemeinden Irrel und Bitburg-Land, jeweils eines die Stadt Bitburg und der luxemburgische Grenzort Steinheim. Mit einem großen Kran wird die Zentner schwere Kunst gleich nach der Finissage am 8. Juli an ihre Standorte verfrachtet. Sponsoren dürfen sich Standorte aussuchen

Wo welche Skulptur hinkommt, steht übrigens noch nicht fest. Das werden die Künstler nach einer Fahrt über den Radweg entscheiden. Fest steht allerdings schon, welcher Sponsor sich wo verewigt. So hat sich die RWE einen besonderen Standort ausgesucht: Auf dem Parkplatz an der B 257, direkt unter den Drähten des Umspannwerkes, soll das RWE-gesponserte Werk stehen. Vielleicht ist sogar Fu Zhongwang ihr Schöpfer. Zumindest wissen mehr Eifeler nach dem Symposium, dass er keine asiatischen Gerichte kreiert. Der TV wird das Bildhauer-Symposium begleiten und alle beteiligten Künstler vorstellen.