Wenn der Tod zu teuer wird

Kostenpflichtiger Inhalt: Soziales : Wo das Sterben im Eifelkreis am teuersten ist

Sterben ist eine teure Angelegenheit. Das liegt auch daran, dass viele Kommunen in den vergangenen Jahren ihre Friedhofsgebühren erhöht haben. Doch was passiert eigentlich im Eifelkreis, wenn Hinterbliebene sich die Beerdigung nicht leisten können?

Rund 6000 bis 7000 Euro geben Rheinland-Pfälzer im Schnitt für eine Bestattung aus. Teurer geht immer, günstiger kaum: 3500 Euro ist die Mindestsumme für ein Begräbnis. Das geht aus einer Studie hervor, die der Steuerzahlerbund und die Verbraucherinitiative Aeternitas Ende des vergangenen Jahres veröffentlicht haben. 3500 Euro sind für Angehörige eines Verstorbenen viel Geld. Auch in der Eifel gibt es Hinterbliebene, die die Kosten für die Ausstellung des Totenscheins, die Dienste des Bestatters, die Gestaltung des Grabsteins und die Friedhofsgebühren nicht stemmen können.

In solchen Fällen springt das Sozialamt des Eifelkreises Bitburg-Prüm ein. 2018 hat die Kommune nach Angaben der Verwaltung Geld für 24 Bestattungen ausgegeben. Die Aufwendungen hierfür beliefen sich auf 31 140 Euro. Durchschnittlich kostete jeder Sterbefall die Kommune also zirka 1300 Euro.

Das Sozialamt ist allerdings nur zuständig, wenn es Hinterbliebene gibt, die unterstützt werden können. Es kommt aber auch vor, dass Menschen ohne Vermögen sterben und niemanden zurücklassen, der verpflichtet ist, zu zahlen. Manchmal sind die Nachkommen innerhalb der gesetzlichen Frist aber auch nicht auffindbar.

Dann müssen die Ordnungsämter der Verbandsgemeinden (VG) und verbandsfreien Städte eine Bestattung veranlassen. Insgesamt, das melden die Verwaltungen, gab es im vergangenen Jahr 36 solcher Fälle  – die meisten in der Stadt Bitburg (14) und in der VG Bitburger Land (12). Dabei entstanden den Kommunen jeweils Kosten zwischen 1500 und 4000 Euro. Einzige Ausnahme: die Kreisstadt. Die hat 2018 fast 20 000 Euro für diesen Zweck ausgegeben. Nicht immer bleiben die Gemeinden aber auf diesen Beträgen sitzen. Nach dem Tod eines Menschen müssen Behörden natürlich schnell handeln. Ein Leichnam lässt sich ja nicht ewig aufbewahren. Erst nach der Bestattung beginnt für die Ordnungsämter die Recherche nach Hinterbliebenen. Wenn es welche gibt, die ihrer Pflicht nicht nachgekommen sind, werden ihnen die Bestattungskosten nachträglich in Rechnung gestellt, Findet sich niemand, zahlt die Allgemeinheit.

Häufig sind die Ämter bei der Suche nach Angehörigen aber  erfolgreich. So erklärt etwa der Südeifeler Bürgermeister Moritz Petry auf TV-Anfrage: „In den meisten Fällen konnte ein Teil der entstandenen Aufwendungen aus dem Nachlass oder durch nachträglich ermittelte Erben ausgeglichen werden.“ Ähnliches weiß eine Sprecherin in der VG Bitburger Land zu berichten: Überwiegend hätten „Rückforderungen geltend gemacht“ werden können.

Doch woran liegt es, dass sich jährlich rund 60 Eifeler keine Bestattung leisten können? Ist das Sterben in der Region etwa teurer geworden? Zumindest haben viele Ortsgemeinden  in den vergangenen Jahren ihre Friedhofsgebühren erhöht. Einige, die dies noch nicht getan haben, denken darüber nach. So auch ein Sprecher der VG Speicher, wo die Abgaben seit Jahren gleichblieben: „Es kann sein, dass sie dieses Jahr oder nächstes Jahr erhöht werden.“

Begründet wurde und wird  dieser Schritt mit der Inflation, der teils desolaten Haushaltslage vieler Kommunen, aber auch mit einer gesetzlichen Pflicht zur Wirtschaftlichkeit. Demnach müssen Gemeinden ihre kommunalen Gottesacker kostendeckend betreiben. Das heißt: Was eine Stadt etwa in den Friedhofswärter investiert, der Gräber und Grünanlagen pflegt, muss sie durch Gebühren wieder einnehmen.

Am Teuersten ist das Sterben in der Bierstadt. Für eine Begräbnisstätte zahlen Bürger in Bitburg nach einer Erhöhung im Mai jetzt im Schnitt zehn bis zwanzig Euro mehr. Ein Reihengrab für einen Erwachsenen auf Kolmeshöh oder in der Erdorfer Straße ist, seitdem die neue Satzung gilt, ab 830 statt 820 Euro, ein Urnengrab für 240 statt 230 Euro, zu haben.

So viel müssen die Angehörigen Verstorbener in den meisten anderen Eifelgemeinden nicht aufbringen. Die Prümer zum Beispiel geben im Schnitt nicht mal halb so viel aus wie die Bitburger. Speicher sehen und sterben? Könnte sich lohnen: Denn hier kostet das Reihengrab derzeit noch 160 Euro – auch wenn sich das wohl in den nächsten Jahren ändern wird.

Wegziehen muss wegen hoher Friedhofsgebühren aber niemand. Denn das lohnt sich nicht. Anderswo in Rheinland-Pfalz werden teils noch höhere Abgaben verlangt. Der Rekordhalter laut der eingangs erwähnten Studie: die Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler. Hier kostet das Reihengrab stolze 1817 Euro. Aber auch in Trier kostet der Tod deutlich mehr als das Leben. Wer hier stirbt, hinterlässt eine Gebührenlast von 1100 Euro.

Angesichts solcher Preise gehen manche Menschen einen ungewohnten Weg. Sie lassen sich in einem namenlosen Grab beerdigen. Denn diese Art der Bestattung belastet den Geldbeutel der Angehörigen meist am wenigsten.

Auch in der Eifel gab es 2018 solche Fälle, wenn auch nicht viele: In Bitburg wurden nach Angaben der Verwaltung, neun Menschen anonym beerdigt, im Bitburger Land und in der Südeifel jeweils einer, in der VG Arzfeld zwei Personen, rund um Prüm und Speicher niemand. Insgesamt, sagt eine Sprecherin der VG Prüm, sei die Zahl namenloser Begräbnisse rückläufig.

Der Grund sei, dass die Gemeinden heute neue, günstigere Angebote für Ruhestätten machen: etwa in einer Urnenreihe, einem Rasengrab oder in einem Friedwald.

Es geht aber auch protzig: Wer das nötige Kleingeld hat, kann sich auch eine Gruft bauen lassen. Schließlich kann selbst die letzte Ruhestätte ein Statussymbol sein. Laut der Studie liegt die „übliche Höchstsumme“ für eine Bestattung in Rheinland-Pfalz bei 35 900 Euro. Sie ist also mehr als 10 Mal so hoch wie ein Mindestwert, den sich nicht jeder leisten kann.

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