Wenn der Traum vom Fliegen in Bitburg wahr wird

Nun dürfen auch große Flugzeuge in Bitburg starten und landen. Für Stadt und Kreis ist das die wichtigste Nachricht des Jahres. Der TV hat beim Stadt-Chef und den Fraktionssprechern des Kreistags nachgehört, wie sie dazu stehen. Die einen sprechen von einer "großen Chance", die anderen von einem "Millionen-Grab" - die große Fliegerei in Bitburg wird Wahlkampf-Thema und auch die Fraktionen des Stadtrats beziehen deutlich Position.

Bitburg. "Ich sehe das Ganze gelassen", sagt Bürgermeister Joachim Streit in Anbetracht der Tatsache, dass die seit Jahren erwartete Instrumentenflug-Genehmigung für den Flugplatz Bitburg nun tatsächlich vorliegt (der TV berichtete). "Ich glaube nicht an den großen Personen- oder Frachtflug in Bitburg", sagt Streit. Er sehe auf der ehemaligen Airbase eher eine Werft, in der Flugzeuge gebaut oder repariert werden. "Im Januar kommt der Flieger, wird repariert, und zu Ostern fliegt er wieder weg" - so Streits Vision. Das führe zu minimalen Flugbewegungen bei besten Arbeitsplätzen im technischen und Ingenieursbereich. Fünf Jahre wolle er der GmbH eine Chance geben. Dann müsse sich zeigen, ob das Ganze einen echten Mehrwert biete. Eines jedoch steht jetzt schon fest: Bitburgs Bürgermeister ist gegen Nachtflug. "Wir müssen hier nicht der Fußabtreter für andere sein", sagt er.

Rudolf Rinnen, Sprecher der Freien Wählergemeinschaft im Kreistag, ist derweil extrem gespannt, was nun passiert. "Jetzt ist der Tag X da, und ich würde mir wünschen, dass es in der Schublade der Verantwortlichen einen Plan gibt." Er stelle sich zudem die Frage, ob die richtigen Leute an der richtigen Stelle sitzen. "Michael Billen ist nach den gescheiterten Sparkassen-Fusionen nicht die Figur, die die Region eint." Alle Anstrengungen müssten nun dahin gehen, ein "anständiges Vermarktungskonzept" vorzulegen.

Von "Wir freuen uns" bis "Fass ohne Boden"

"Es geht jetzt um die Akquise", sagt auch CDU-Fraktionsvorsitzender Patrick Schnieder. "Wir freuen uns, dass jetzt Klarheit herrscht." Die CDU habe seit jeher Wert darauf gelegt, die vorhandene Infrastruktur zu nutzen. Nun gelte es, die Ziele umzusetzen.

Ganz anders reagieren SPD und Grüne: "Das ist ein Fass ohne Boden", sagt Rosi Biwer (Bündnis 90/Die Grünen). "Wir werden in Zukunft kein Geld mehr für etwas anderes haben." Schon die Diskussion um den Fluglärm zeige, dass viele Menschen das nicht wollten. "Ich denke, dass es einiges an Einwänden geben wird."

Auch die SPD ist gegen die fliegerische Nutzung. "Wir sind gespannt zu erfahren, wer als großer Ansiedler darauf wartet, sich auf dem Flugplatz niederzulassen", sagt SPD-Fraktions-Chef Bernd Spindler.

Kreis und GmbH müssten endlich erklären, wie sie die Millionen finanzieren wollen, die nun investiert werden müssten. Zudem habe auch noch niemand erklärt, wie man mit der Konkurrenz zum Hahn umgehen wolle. Viele offene Fragen also. Die Spannung bleibt.

Riesen-Chance oder Millionen-Grab

Bitburg. (scho) "Wir sind uneingeschränkt dafür, den Versuch zu unternehmen, den Bitburger Flugplatz fliegerisch zu nutzen und freuen uns deshalb, dass die Genehmigung endlich da ist. Das ist eine große Chance, qualifizierte Arbeitsplätze zu schaffen", sagt Peter Wagner (CDU). Er fordert eine professionelle Vermarktung, um entsprechende Unternehmen anzusiedeln: "Jetzt gehört schnell Sach- und Fachverstand an Bord. In vier Jahren wollen wir zähl- und messbare Erfolge sehen, sonst müssen wir die Lage neu überdenken. Es ist Eile geboten." Auf qualifizierte Arbeitsplätze hofft auch die Freie Bürgerliste (FBL), für die Manfred Böttel sagt: "Diese Chance sollten wir nutzen. Aber nach vier Jahren muss man dann auch ehrlich Bilanz ziehen." Marie-Lusie Niewodniczanska (FDP): "Ich sorge mich, dass die Furcht vor Lärm nun aufgebauscht wird. Das verdirbt ein bisschen die Freude, nachdem das Land uns ja lange auf die Genehmigung warten ließ, was einige Gesellschafter ohnehin ermüdet hat. Ich hoffe auf qualifizierte Arbeitsplätze. Der Lärm wird sich in Grenzen halten." Für die Liste Streit ging es mit ihrer Zustimmung zur Übernahme der Trierer GmbH-Anteile im Herbst 2007 vor allem darum, sich ein Mitsprache- und Mitgestaltungs-Recht bei der weiteren Entwicklung des Flugplatzes zu sichern. "Ich habe ohnehin nie verstanden, warum Bitburg da außen vor war. Einig sind wir uns darin, dass wir jeglichen Nachtflug-Betrieb ablehnen", sagt Rudolf Rinnen, stellvertretender Sprecher der Liste Streit.

Vollkommen gegen die große Fliegerei nach Instrumentenflug-Regeln sind Grüne und SPD. "Wir sehen keine Nische, eine Flugplatz-Werft in Bitburg wirtschaftlich zu betreiben. Das gibt es schon in Bremen und Hamburg. Außerdem erwarten wir Widerstände aus der Bevölkerung", sagt Johannes Roß-Klein (Grüne). "Die anvisierten vier Millionen Euro werden nicht reichen, um die nötige Infrastruktur herzustellen. Das ist ein Millionen-Grab", sagt Stephan Garçon (SPD), der es für nicht zumutbar hält, dass die Stadt Bitburg die Steuerzahler einem solchen Risiko aussetzt. Deshalb macht er klar: "Wir werden keinen Landrats-, Landtags- oder Bundestagskandidaten unterstützen, der diesen Irrsinn mitmacht."

"Die werden mit uns noch Spaß bekommen"


Bitburg. (scho) "Dass es die Instrumentenflug-Genehmigung gibt, ist eine Entscheidung der SPD-Landesregierung zum Wohl der Bürger, die noch mehr Lärm und Umweltbelastungen ertragen müssen", spottet Ludwig Kewes, Vorsitzender des Vereins "Bürger gegen Nachtflug". Es hätte genug gute Gründe - etwa die Lärm- und Umweltbelastung, die fehlende Wirtschaftlichkeit und damit steuerliche Belastung der Bürger - gegeben, die Genehmigung nicht zu erteilen. Er kündigt an: "Die GmbH wird noch viel Spaß mit uns haben." Aber zunächst müsse er die Genehmigung gründlich lesen.

Contra

Von Katharina Hammermann

Ausgaben ohne Perspektive

In Bitburg dürften in Zukunft richtig schwere Flieger starten und landen. Auch wenn noch überhaupt nicht klar ist, warum sie das jemals tun sollten - es gibt viele gute Gründe, es gar nicht erst so weit kommen zu lassen. Erstens: Die Menschen in der Region haben schon genug Fluglärm zu ertragen. Die aktuelle öffentliche Diskussion zeigt, wie sehr dieser Lärm ihre Lebensqualität einschränkt. Es werden sich daher viele gegen einen weiteren Flugplatz zur Wehr setzen. Zweitens: Eine Investition in "flugaffines Gewerbe" ist nicht gerade zukunftsweisend. Denn auch Kerosin wird aus Rohöl hergestellt und das wird täglich rarer und teurer. Von Umweltaspekten ganz zu schweigen. Drittens: Wer soll das bezahlen? Hier geht es um Millionen, die investiert werden müssen, um die ehemalige Airbase zu einem "echten" Flugplatz zu machen. Auch die Aussicht auf Arbeitsplätze rechtfertigt das nicht. Denn mit nur wenig Fantasie ließen sie sich an der gleichen Stelle auch anders schaffen in einem der erfolgreichsten Gewerbegebiete des Landes.
k.hammermann@volksfreund.de

Pro

Von Lars Oliver Ross

Dem Fliegen eine Chance

Über den Wolken ist die Freiheit angeblich grenzenlos. Auch wenn das nicht hundertprozentig zutrifft, so ist nicht abzustreiten, dass über den Wolken oder besser in der fliegerischen Nutzung der Flugplatz-Infrastruktur in Bitburg durchaus eine Chance auf zusätzlichen wirtschaftlichen Schwung liegt. Das, was Bitburg hat und nun auch konsequent nutzen darf, ist immer noch ein Alleinstellungsmerkmal. Zudem ist die Erweiterung des benachbarten Gewerbegebiets als Alternative zum Fliegen nicht ganz so schön, wie sie klingt. Denn die Zahl der potenziellen Nutzer ist begrenzt, das Potenzial weitgehend ausgeschöpft. Es sei denn, man wünscht, dass alle Handwerker aus umliegenden Dörfern auf den Flugplatz gezogen sind. Daher tut Diversifikation gut. Grenzenlos darf die Freiheit der Flugplatzbetreiber aber nicht sein. Die Gesellschafter müssen festlegen, wie viel Geld sie wie lange in das Projekt stecken und dann gegebenenfalls einen Schlussstrich ziehen. Eine Chance sollte man dem Fliegen aber geben.
l.ross@volksfreund.de