Wenn die Bühne Menschen Mut macht

Wenn die Bühne Menschen Mut macht

Seit eineinhalb Jahren gibt es das Integrationsprojekt "Wir sind bunt - Wir sind Eifel" unter Federführung des DRK-Kreisverbandes Bitburg-Prüm. Bei einem Treffen mit seinen Kooperationspartnern will das DRK heute Abend Zwischenbilanz ziehen und neue Ziele präsentieren. Premiere feiert dabei auch das multikulturelle Theaterprojekt.

Bitburg. "Ich war auf dem Amt. Die Frau auf dem Amt macht mir Angst." Wenn Eric aus Nigeria auf der Bühne steht und mit weit aufgerissenen Augen diesen Satz spricht, so glaubt man ihm aufs Wort. Und tatsächlich: Genau so so hat er es empfunden, als er vor über fünf Jahren aus Afrika nach Deutschland einreiste. Heute ist Eric "mit dem Herzen angekommen", wie er dem TV beim Besuch einer Theaterprobe erzählt. Dazu beigetragen hat auch das Theaterprojekt, das das DRK gemeinsam mit dem Prümer Theaterverein vor knapp einem Jahr ins Leben gerufen hat. Etwa zehn Menschen aus aller Welt und einige Kinder proben einmal pro Woche gemeinsam im Bürgerhaus Dausfeld.

Ihre Themen sind Flucht, Heimat und Deutschland; die Texte haben sie gemeinsam mit Theaterpädagogin Mechthild Homberg weitestgehend selbst entwickelt. Entstanden sind auf diese Weise drei beeindruckende Szenen, die beim Netzwerktreffen heute Abend erstmals aufgeführt werden: In der Fluchtszene sitzen die Darsteller in aufgeklappten Koffern, reden in verzweifeltem Tonfall in verschiedenen Sprachen, auch auf Platt: "Mir wollten doch nur, dat et oose Kannern mol besser jeht", klagt Christa aus Prüm, die sich aufgrund privater Kontakte zu Asylsuchenden in diese Situation hineinversetzen kann. Ähnlich geht es der 13-jährigen Jasmin mit tunesischen Wurzeln. Sie hat solche Bilder schon oft im Fernsehen gesehen.Nächstenliebe als Hoffnung


Die zweite Szene überspitzt in ihrer Darstellung des Deutschen Sinn nach Ordnung, die dritte Szene greift in puristischer Form deutsche Reaktionen auf Ausländer auf. "Wenn wir gesehen werden wollen mit dem, was wir zu sagen haben, müssen wir auf die Bühne", beschreibt Elisabeth aus Belgien den Grund für ihr Engagement. "Das braucht Mut. Aber Mut macht Mut!" Genau das ist das Ziel der Integrationsarbeit: ausländische Menschen ermutigen und stärken. "Um Hilfe zu fragen, ist für viele nicht selbstverständlich", weiß Verena Becker, die das DRK-Projekt seit kurzem koordiniert. "Viele von ihnen müssen diese Hemmschwelle erst überwinden."

Becker hat das Projekt von Ulrike Meul übernommen, die in der ersten Hälfte der auf drei Jahre angelegten und vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge finanzierten Maßnahme den Bedarf im Kreis Bitburg-Prüm und im Vulkaneifelkreis analysiert, Kontakte aufgebaut und erste Projekte ins Leben gerufen hat: unter anderem eine internationale Männersportgruppe, regelmäßige Begegnungen mit Kochen oder den Bollendorfer Nachbarschaftstreff. Becker will stärker die älteren Migranten in den Blickpunkt rücken. Handlungsbedarf sieht sie beim Thema Trauerarbeit im interkulturellen Kontext: "Flüchtlinge und Asylsuchende können nicht zur Beerdigung von Angehörigen in die Heimat reisen oder müssen ihre Lieben in fremder Erde bestatten." Auch im Pflegebereich gebe es noch Versorgungslücken, meint Becker: "Es geht nicht darum, ein Sonderangebot für Migranten zu schaffen, sondern den Menschen biografiebezogen zu betrachten. Wenn eine Frau immer ein Kopftuch getragen hat, sollte sie dies auch tun können, auch wenn sie es sich aufgrund von Demenz nicht mehr selbst anlegen kann."

Die Fachwelt spricht von kultursensibler Pflege. Herbert Hermes vom Prümer Theaterverein, der selbst schon syrische Flüchtlinge betreut hat, braucht für sein Tun keine Fachbegriffe. Sein Ansatz ist seine christliche Überzeugung: "Es gibt Hoffnung: Das ist die Nächstenliebe unter den Menschen."

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