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Wenn die Familie ruft: Patrick Bormann legt sein Amt als Ortsbürgermeister von Lützkampen nieder

Wenn die Familie ruft: Patrick Bormann legt sein Amt als Ortsbürgermeister von Lützkampen nieder

Fast zwölf Jahre hat er als Ortsbürgermeister von Lützkampen hinter sich - und ist immer noch jung: Patrick Bormann legt zum Jahresende sein Amt nieder - eine Entscheidung, die vor allem damit zu tun hat, dass er in den Familienbetrieb in Prüm eingestiegen ist.

Lützkampen/Prüm. "Bisschen schwätzen kann ich ja", sagt Patrick, sprich Pätrick, Bormann irgendwann beim Gespräch in der Prümer TV-Redaktion. Wer den 39-Jährigen kennt, weiß, dass das eine sehr gute Selbsteinschätzung ist - spätestens im Karneval kommt die "Schnüss" so richtig durch, wenn Bormann in seiner Landarzt-Rolle über die Bühnen und die Kommunalpolitik durch den Kakao zieht. Da wird dann auch schon mal der eine oder andere Schlips betreten.
Das kommunikative Talent setzt er jetzt an anderer Stelle ein, und das ist der Grund, warum CDU-Mitglied Bormann den kommunalen Hut nimmt und auch seinen Job bei der Raiffeisenbank Westeifel bereits drangab (er bleibt aber im Aufsichtsrat): Er ist ins Familien-Unternehmen Thome-Bormann (Standorte: Prüm und Lützkampen) eingestiegen und leitet es nun gemeinsam mit Schwester Stefanie und Bruder Dirk. Die beiden kümmern sich um Buchhaltung, Verkauf und Technisches, "den kaufmännischen Teil, Werbung und Kommunikation mach dann jetzt ich".
Und zwar auf Wunsch der Eltern Annelie und Wolfgang: Die beiden ziehen sich nach und nach aus der Geschäftsführung zurück.
28 Jahre alt war er, als man ihn 2004 in seinem Heimatdorf zum Bürgermeister machte: In Lützkampen gab es keine Parteien- oder andere Listen, auch keine Urwahl. Die bis dahin amtierende Vorgängerin Leonie Simons kandidierte nicht mehr für den Posten - die Bürger des 400-Einwohnerdorfs schrieben deshalb bis zu acht Namen auf einen Zettel, und wer die meisten Stimmen erhielt, kam in den Rat, der dann den Gemeindechef bestimmte.
"Wir waren alles Frischlinge", sagt Bormann. Denn unter den acht Gewählten waren zwar vier, die dem Rat bereits vorher angehört hatten - die aber nahmen das Mandat nicht an. Und so ging man alle Namen der Reihe nach durch, bis man endlich vier weitere Lützkämper gefunden hatte, die "Ja" sagten.
Blieb die Frage nach dem Bürgermeister. Alle sagten "Nein", einer sagte: "Ich bin zu jung." Und den wählte der neue Rat dann eben doch. Mit gehörig Muffensausen übernahm Bormann die Aufgabe. Es legte sich schnell: "Ich habe nie mehr gelernt als in den ersten zwei Jahren", sagt er, "das war eine sehr spannende Zeit und eine sehr schöne Zeit, denn wir hatten einen sehr gut funktionierenden Gemeinderat."Immer große Einigkeit


Alle hätten zusammengehalten und seien bereit gewesen, den jungen Gemeindechef zu unterstützen. "In den zwölf Jahren hat es nie eine Kampfabstimmung gegeben, da war immer eine große Einigkeit."
Was war das Schönste? "Das ist schnell gesagt: Die Kindergartenrenovierung und der Ausbau, die Spielwiese, das Nachmittagsangebot, dicht gefolgt von der Erweiterung des Dorfgemeinschaftshauses." Viele packten mit an - "da hat Lützkampen gezeigt, dass es ein liebens- und lebenswertes Dorf ist", sagt Bormann.
Derzeit läuft noch die Bodenordnung, im Ortsteil Stupbach ist der Kanal gemacht, Welchenhausen folgt in absehbarer Zeit. Probleme? "Ganz schwierig ist die Finanzsituation. Das kriegt kein Bürgermeister hin, da muss die große Politik ran."
Und, ach ja, die Windkraft: Lützkampen ist im Flächennutzungsplan der Verbandsgemeinde Arzfeld nicht als Standort vorgesehen, dennoch wolle eine Gruppe von Bürgern Anlagen auf ihren Grundstücken aufstellen, das wird noch Diskussionen geben, an denen aber Bormann dann wohl nicht mehr beteiligt sein wird - zumindest nicht als Gemeindevertreter.
Alles in allem aber bleibt es für ihn dabei: "Der Zusammenhalt war schon das Schönste. Man hat sich immer an der Sache orientiert." Das bestätigen dem TV auch VG-Chef Andreas Kruppert - "völlig problemlos" sei die Arbeit mit Bormann gewesen - und der Beigeordnete Herbert Gierenz, der bis zur Wahl eines Nachfolgers (eventuell am Termin der Landtagswahl, dem 13. März 2016) die Gemeindegeschäfte führen wird: "Wir waren nicht immer einer Meinung, aber es hat immer alles geklappt. Das war echt in Ordnung", sagt er. "Und wir haben viel umgesetzt in der Zeit."
Umsetzen, genau: Bormann, Vater von zwei Kindern, kümmert sich jetzt um die Umsätze der Firma, die Reinigungsgeräte, Schneepflüge und Landmaschinen an private und öffentliche Kunden verkauft. Unter anderem beliefert man die großen Flughäfen. Scheint ganz gut zu laufen - Patrick Bormann: "Die Berliner haben zwar noch keinen funktionierenden Flughafen, aber schon die Geräte aus Prüm."Meinung

Das schafft man nicht alleine
Als Jungspund ist er gestartet, fast zwölf Jahre war er Gemeindechef - Patrick Bormann hat das sehr gut hinbekommen in Lützkampen und steht heute ziemlich souverän da, mit gerade mal 39 Jahren. Das muss aber niemanden entmutigen, ihm in die Verantwortung zu folgen: Denn er hat das alles ja nicht alleine geschafft. Es ehrt ihn, dass er das auch so deutlich sagt. Und auf diesen Rückhalt sollte jeder zählen können, der die Nachfolge antritt. f.linden@volksfreund.de