Wenn die Maisernte das Wild vertreibt

Wenn die Maisernte das Wild vertreibt

Fast jeder dritte Unfall im Altkreis Bitburg ist ein Wildunfall. Mit der Gefahr aus dem Wald müssen die Autofahrer jetzt wieder verstärkt rechnen. Die Tiere verlagern in der dunkler werdenden Jahreszeit ihre Aktivität in die Morgen- und Abenddämmerung - und damit in die Zeit des Berufsverkehrs.

Bitburg. Freie Sicht, freie Fahrt. Doch dann taucht plötzlich, wie aus dem Nichts, ein Wildschwein auf. Mitten auf der Kreisstraße zwischen Herbstmühle und Karlshausen um 5.30 Uhr. Eine Autofahrerin bemerkt das Tier zu spät. Es kommt zum Zusammenstoß. Die Fahrerin verliert die Kontrolle über ihren Wagen, kommt von der Straße ab. Das Auto überschlägt sich mehrfach. Die Frau wird leicht verletzt ins Krankenhaus eingeliefert. Die meisten Wildunfälle gehen glimpflicher aus als dieser, den die Polizei Bitburg Ende vergangener Woche registriert hat.
Kaum verfärbt sich das Laub an den Bäumen, kommt es auf den Straßen wieder vermehrt zu Zusammenstößen mit Wildtieren. "Es gibt in unserer ländlichen Region zwar das ganze Jahr über Wildunfälle, aber im Frühjahr und Herbst häufen sie sich", sagt Wolfgang Zenner von der Polizei Bitburg, die allein in diesem Jahr bereits 611 Wildunfälle im Altkreis Bitburg verbucht hat - 28 mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres.
Dass sich die Wildunfälle nun wieder häufen, hat vor allem zwei Ursachen: "Überall waren riesige Maisflächen. Darin hat sich das Wild aufgehalten, weil es für die Tiere in den hoch stehenden Feldern Deckung gab. Und Wildschweine haben darin auch Nahrung gesucht. Nun, wo der Mais geerntet wird, verschwinden diese Flächen und damit der Wohnraum des Wilds. Der Ort, wo sie sich Monate lang sicher gefühlt haben, ist innerhalb weniger Stunden abgeerntet und die Tiere müssen sich neue Einstände suchen", sagt Kreisjagdmeister Gerd Grebener. Hinzu kommt: "In der dunkleren Jahreszeit verlagern die Tiere ihre Aktivitätszeiten in die Morgen- und Abenddämmerung und damit auch mehr in den Berufsverkehr", sagt Grebener. Vorsicht ist für Autofahrer zudem wegen der beginnenden Jagdsaison geboten. Grebener rät: "Wer ein Achtung Treibjagd-Schild sieht, sollte sein Tempo sofort drosseln. Wer Jäger am Straßenrand erblickt, möge auf Schrittgeschwindigkeit zurückschalten. Es könnte sein, dass ein Tier über die Straße springt." Menschen wurden bei den Wildunfällen bisher - außer der eingangs erwähnten Autofahrerin - nicht verletzt. Meist bleibt es beim Blechschaden. Aber auch den sollten Autofahrer vermeiden (siehe Extra). Jahr für Jahr gibt es auf den Straßen im Altkreis Bitburg mehr als 700 Zusammenstöße mit Wildtieren - 2013 waren es 789.

Folgende Strecken sind laut Polizei besonders gefährlich:
L 39 zwischen Speicher und Röhl; L 2 zwischen Auw an der Kyll und Idenheim; B 50 zwischen Bitburg und Oberweis; B 257 zwischen Bitburg und Messerich; L 12 im Bereich Plütscheid, Oberweiler und Biersdorf. schoExtra

Runter vom Gas: Ein verhaltenes Tempo von 70 bis 80 Stundenkilometern sollte im Herbst auf der freien Strecke das Limit sein. Das empfiehlt sich auch wegen der Witterungsverhältnisse mit Nässe und Nebel. Augen auf: Straßenränder, angrenzende Felder und Wälder sollten Fahrer wegen möglicher Wildwechsel im Blick behalten. Quert ein Tier die Straße, folgen meist weitere. Wenn\\'s kracht: Autofahrer sollten nach einem Wildunfall sofort die Gefahrenstelle absichern und umgehend die Polizei rufen. Für die Versicherung wird eine sogenannte "Wildunfall-Bescheinigung" gebraucht, die die Polizei nach Prüfung des Fahrzeugs ausstellt. Schnell reagieren: Fahrer, die Wild entdecken, sollten bremsen, abblenden und hupen. Ist ein Zusammenstoß nicht mehr zu vermeiden, empfiehlt die Polizei: Vollbremsung und Lenkrad festhalten, keine Ausweichmanöver riskieren. scho