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Wenn die Milch auf Felder fließt…

Wenn die Milch auf Felder fließt…

In ganz Europa demonstrieren derzeit Milchbauern gegen die EU-Agrarpolitik. Auch die Eifel ist mit von der Partie. Etwa 300 Menschen sind gestern zu einer Protestkundgebung zusammengekommen.

Pronsfeld. (kah) Etwa 300 Milchbauern stehen bei Pronsfeld am Rand eines Feldes und sehen mit ernsten Mienen dabei zu, wie das Erzeugnis ihrer täglichen Arbeit auf dem Acker landet: Aus einem Dutzend Güllepumpen regnet es Milch. Der Höhepunkt einer Protestkundgebung des Bundesverbands Deutscher Milchviehhalter (BDM). Vorausgegangen sind kämpferische Reden vor den Toren der Milch-Union Hocheifel. Die Muh bekundet Verständnis für die Bauern. Von einem Lieferstreik hält sie allerdings nichts. "Wenn sich nichts ändert, werden viele in den nächsten Monaten gezwungen sein, ihre Betriebe aufzugeben", sagt BDM-Landesvorsitzender Kurt Kootz. Die Schuld sieht er bei der EU-Agrarpolitik. Sie verfolgt das Ziel, die Milchquote bis 2015 zunächst anzuheben und dann abzuschaffen. Ein Szenario, das die Bauern gerne abwenden würden. Der Verband fordert unter anderem eine Monitoringstelle auf EU-Ebene, die Angebot und Nachfrage analysiert und Milchmengen festlegt. Der Milchpreis soll kostendeckend sein. Zudem fordert der BDM, die als Milchpulver oder Butter gelagerten Bestände abzubauen und kurzfristig fünf Prozent der produzierten Milchmenge "stillzulegen", um den Markt zu entlasten.

Heute sollen in Belgien drei Millionen Liter - die gesamte Tagesproduktion der Wallonie - auf die Felder fließen.

Meinung

Schuld tragen viele

Wer hat Schuld an der Misere der Milchbauern? Viele. Die geizigen Verbraucher ebenso wie die Molkereien, die sich gegenseitig im Preis unterbieten, und der Einzelhandel, der das schamlos ausnutzt, indem er die Milch so billig macht, dass es beim Kaufen wehtut. Und die Politik: Was für ein Wahnsinn, subventionierte Milchprodukte nach Afrika zu schicken, wo sie noch anderen die Lebensgrundlage rauben! Schuld hat aber auch so mancher Bauer, der zu Zeiten, als der Milchpreis hoch war, auf Teufel komm raus produziert hat k.hammermann@volksfreund.de