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Wenn die roten Fahnen wehen

Wenn die roten Fahnen wehen

Die Beschäftigten in der Metall- und Elektroindustrie wollen mehr Geld: Die Wirtschaftslage im Land sei stabil, die Renditen gut, davon sollen nicht nur die Bosse profitieren. Bei den Verhandlungen mit den Arbeitgebern ist aber noch keine Einigung erzielt worden - deshalb gingen die Warnstreiks gestern weiter. Auch bei Stihl in Weinsheim.

Weinsheim. Vorgestern Ergocast in Jünkerath, gestern Stihl in Weinsheim: Auch in der Eifel gehen die Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie auf die Straße, um für bessere Löhne zu demonstrieren. In ganz Deutschland waren es seit Monatsbeginn nach Angaben der Gewerkschaften bisher rund eine halbe Million Menschen.
In der seit Frühjahr laufenden Tarifrunde (der TV berichtete) fordern die Gewerkschaften fünf Prozent mehr Lohn. Die Vertreter der Arbeitgeberschaft boten zunächst 0,9 Prozent. Zwar haben sie mittlerweile auf 2,1 Prozent (plus eine einmalige Zahlung von 0,3 Prozent eines Monatslohns) erhöht. Allerdings ist das auf zwei Jahre bezogen - das käme, sagt der Stihl-Betriebsratsvorsitzende Günter Meyer, einer tatsächlichen Erhöhung von nur 1,05 Prozent gleich.
Den Arbeitern ist das zu wenig: Das aktuelle Angebot, sagt Meyer in seiner Rede vor den Weinsheimer Kollegen am Mittag, sei eine Provokation: "Wer Streiks verhindern will, der muss ernsthafte Angebote machen und keine solche Witzveranstaltungen."
Der Industrie gehe es gut - auch der Firma Stihl, sagt Meyer. Die Ertragslage sei "seit Jahren sehr erfolgreich. Der Umsatz stieg 2015 weltweit um 8,9 Prozent auf 3,25 Milliarden Euro - Rekordergebnis".
Kurz: "Die müssen noch deutlich drauflegen." Bei Stihl waren gestern Nacht-, Früh- und Normalschicht im Warnstreik, etwa 150 Kollegen waren mittags auf der Straße - moralisch unterstützt von Nico Steinbach. Der frischgewählte Eifeler SPD-Landtagsabgeordnete kam ebenfalls vorbei und hörte sich an, was die Arbeiter zu sagen hatten.
Hoffnungen setzen beide Seiten auf die neue Verhandlungsrunde, die gestern Nachmittag in Köln begann. Die Arbeitgeber setzen dem Vernehmen nach auf einen Pilotabschluss noch vor dem Pfingstwochenende. Falls dieser nicht erzielt werden kann, wollen die Gewerkschaften die Streiks in der kommenden Woche ausweiten. fpl