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"Wenn die Sache nicht stinkt, ist sie gut"

"Wenn die Sache nicht stinkt, ist sie gut"

Auch in der Eifel scheint die Sonne, manchmal sogar richtig intensiv. Und daraus kann man viel Geld machen: Das Zauberwort heißt Photovoltaik. In Blankenheim-Ripsdorf scheint das Thema derzeit Wellen zu schlagen. Möglicherweise wird dort in absehbarer Zeit so viel Strom erzeugt, dass der Ort in Sachen elektrischer Energie autark ist.

Blankenheim-Ripsdorf. Angefangen hatte alles damit, dass Landwirt Rolf Neumann, der 80 Milchkühe auf seinem Hof stehen hat, immer unzufriedener mit den Erträgen der Milchproduktion wurde. Es werde immer schwieriger, damit zu überleben, sagt er und fragte sich, wie er seinen Betrieb auf Dauer auf sichere Füße stellen könnte.
Neumann recherchierte im Internet und blieb bei der Plattform "Xing" fasziniert hängen. Walter Morsch, Geschäftsführer der Firma EWP (siehe Extra) aus Neustadt hatte dort die heutige Massentierhaltung kritisiert und Möglichkeiten skizziert, wie Landwirte ein Auskommen haben könnten, wenn sie auf erneuerbare Energie setzten. Neumann rief bei Morsch an, der zuerst skeptisch war, dann aber merkte, dass man eine gemeinsame Linie hatte. Und Morsch sah großes Potenzial in dem kleinen Ripsdorf. Für das landwirtschaftliche Anwesen Neumanns "strickte" er ein Projekt, von dem sich beide langfristig eine solide Einnahmequelle erwarten. Beide, denn auch Morsch beteiligt sich mit einem sechsstelligen Betrag am geplanten Energiezentrum. Und für Bruder Reimund Neumann soll ein Arbeitsplatz entstehen.
Das Agrar-Kraftwerk soll sich aus einer Photovoltaik-Anlage mit 700 Kilowatt-Peak (kWp), was für die (elektrische) Spitzenleistung steht, auf den Wirtschaftsgebäuden, einer Biogasanlage (100 kWp) und einem Kompostierreaktor zusammensetzen. Letzterer könnte Bürgern die Möglichkeit bieten, Grünschnitt anzuliefern. Es handelt sich um eine kleine Biogas-Anlage nach dem sogenannten Rosenheimer Modell, die nicht nach den Bestimmungen des Bundes-Immissionsschutzgesetzes, sondern nach denen der Bauordnung NRW zu genehmigen ist. Solche Klein-Anlagen laufen überwiegend mit Gülle und Futterresten oder als Alternative mit mindestens 50 Prozent Landschaftspflege-Material.
Streichelzoo für Wanderer


Genehmigt wird die Anlage vom Kreis Euskirchen. Die Gemeinde kann lediglich Einvernehmen erteilen. Antragsteller und Eigentümer sind allerdings privilegiert im Sinne des Baugesetzbuchs. Wenn die Genehmigung erteilt ist, werden zunächst Dächer saniert und Photovoltaik-Anlagen angebracht. Nach dem Einebnen des Geländes wird ein überdachter Mistplatz mit Güllefangstation gebaut, anschließend Biogas-Anlage, Bioreaktor und Nahwärmenetz.
In unmittelbarer Nähe des Neumann-Hofs verläuft der Eifelsteig. Deshalb soll nicht nur der Hof ein Lifting erhalten. Neumann plant auch, einen Streichelzoo einzurichten, an dem Wanderer verweilen können. Und Projektentwickler Morsch, der gerne mit der Motorsäge Holzskulpturen fertigt, könnte sich vorstellen, den Weg zum Hof mit seinen Kunstwerken zu verschönern, die durch Strom beleuchtet werden könnten, der durch Sonnenenergie entsteht.
Die Löcher für die Fundamente auf dem Neumann-Hof werden gerade gegraben und die Struktur des Bodens ergründet. Ortsvorsteher Hans-Peter Wasems (CDU) brachte seine Haltung auf den Punkt: "Wenn die Sache nicht stinkt, ist sie gut." In Blankenheim hatte man in der Vergangenheit etwas Ärger mit Gerüchen; das Problem ist mittlerweile behoben. Wasems gibt zu bedenken, dass in Ripsdorf lediglich eigener Kuhmist verarbeitet werde, so dass es keine Geruchsprobleme geben dürfte. Hühnermist werde ja gar nicht verarbeitet.Es könne sogar sein, dass die Belastung für den Ort geringer werde. Derzeit werde eine Flurbereinigung durchgeführt. Danach habe Neumann seine Flächen am Hof. "Der Landwirt muss nicht mit dem Zeug durch den Ort rollen."
In Ripsdorf scheint das Projekt bereits großen Anklang gefunden zu haben. Dem Vernehmen nach gibt es weitere Interessenten, die sich ein Investment in Photovoltaik vorstellen können, auch eine weitere Biogasanlage wäre möglich. pe
Extra

Das Unternehmen: Gegründet wurde die Firma Energy World Photovoltaics (EWP) nach Aussage ihres Geschäftsführers Walter Morsch im Januar vergangenen Jahres gemeinsam mit seiner Partnerin Ellen Oberste-Berghaus. Projektiert würden derzeit Anlagen mit einer Leistung von 80 MW in Rumänien, 180 MW in Polen, 250 MW in Russland sowie ein Projekt in den USA. Seine Partnerin Oberste-Berghaus war an der FH Osnabrück Dozentin, wo sie unter anderem Crashkurse in Englisch gab. Zuvor sei er im Projektgeschäft bei einer Investmentbank tätig gewesen. pe