Wenn die Schnellstraße zur Müllkippe wird

Umwelt : Wenn die Schnellstraße zur Müllkippe wird

Rund 200 Tonnen Abfall landen jährlich an Eifeler Straßenrändern. Tausende Euro geben der LBM und der Zweckverband Abfallwirtschaft jährlich aus, um das Weggeworfene einzusammeln und zu entsorgen. Das wirkt sich auch auf die Müllgebühren aus.

Fenster auf und raus damit – das scheint das Motto vieler Autofahrer zu sein. Die Folgen des sorglosen Umgangs mit Müll lassen sich an den Eifeler Straßenrändern besichtigen. Vor allem an den Anschlussstellen und auf den Rastplätzen sammelt sich der Abfall.

Für Pfandsammler könnte sich etwa ein Ausflug an die Autobahnabfahrt nach Badem lohnen. Dort liegt das Geld sprichwörtlich auf beziehungsweise an der Straße. Dutzende leere Dosen und Flaschen haben sich an der Böschung angehäuft, Papiertücher und Verpackungen. Plastiktüten werden vom Wind durch die Gegend gewirbelt. Essensreste vom Asia-Imbiss vergammeln neben Pommes vom Fastfood-Restaurant.

Auf Behördendeutsch heißt das, was an Straßen weggeworfen wird, „Wilder Müll“. Einmal jährlich picken Angestellte der Straßenmeistereien und beauftragter Firmen den Abfall aus den Büschen, kratzen festgefahrene Papiertücher vom Asphalt, säubern Fahrbahnränder. Dabei gibt es kaum etwas, was sie noch nicht gefunden hätten: Autoschrott, Bauschutt, ja sogar Schlachtabfälle haben die Mitarbeiter bereits aufsammeln müssen. „Die Problematik ist seit Jahren konstant hoch“, sagt Bruno von Landenberg, stellvertretender Chef des Landesbetriebes Mobilität (LBM) in Gerolstein. Die Behörde ist für die Instandhaltung des rund 2400 Kilometer umfassenden Streckennnetzes in der Eifel zuständig – von Prüm bis Speicher, von Daun bis Irrel.

Besonders betroffen sind laut von Landenberg die Park- und Rastplätze an Bundes-, Landes- und Kreisstraßen. Auch an den Anschlussstellen werde mehr Müll weggeworfen als auf dem Rest der Strecke. Das lässt sich an fast allen Autobahnabfahrten zwischen Bitburg und Prüm, Wittlich und Kelberg beobachten:

Verdreckt sind etwa die Abbiegespuren Bitburg/Staffelstein und Badem. Aber auch Bundesstraßen werden als Müllkippe missbraucht – allen voran die B 51 und das fast auf der ganzen Eifelstrecke. An der Ausfahrt nach Dausfeld bei Prüm etwa und nahe Orlenbach, wo sich die Bundesstraße und die A 60 kreuzen. Mitfahrerparkplätze, zum Beispiel nahe des Bitburger Stadtteils Masholder, gleichen den Großteil des Jahres Deponien. Das sieht nicht nur unschön aus, sondern gefährdet auch Tiere. Plastikteile und Schnüre können für verschiedenste Lebewesen zur Falle werden. Gefressener Abfall sorgt für Vergiftungen, und durch entsorgte Kanister, Farbeimer oder Kühlschränke können  Schadstoffe in die Umwelt gelangen.

Aber der LBM hat laut Landenberg nicht nur Probleme mit den Hinterlassenschaften am Straßenrand. Sondern auch mit dem, was in den Tonnen auf den Rastplätzen landet. Die sind eigentlich nur für unterwegs anfallenden Müll wie etwa Papiertaschentücher, Pappbecher oder Plastikverpackungen gedacht.

Viele Durchfahrende entsorgten aber auch ihren Hausmüll in den Eimern des Landesbetriebes. Dabei ist dies ausdrücklich verboten und wird mit Bußgeldern von zehn bis 100 Euro geahndet. Wer größere Gegenstände wie etwa Elektrogeräte, Möbel oder Reifen in die öffentlichen Tonnen wirft, muss mit Strafen von mehreren 100 Euro rechnen.

Die Täter werden allerdings nur selten gefasst. „Sofern wir konkrete Hinweise erhalten, bringen wir die Vorfälle bei der Polizei zur Anzeige“, sagt von Landenberg. Häufig gibt es aber keine Spuren und der Zweckverband für Abfallwirtschaft in der Region Trier (A.R.T.) bleibt auf den Kosten für die Entsorgung sitzen.

Jährlich fallen so an den Eifeler Straßen laut LBM rund 200 Tonnen an. Das sind monatlich etwa 17 Tonnen, etwa zwei pro Straßenmeisterei, die die Behälter zweimal wöchentlich leeren. Für das Personal, das diese Aufgabe übernimmt und einmal jährlich die Straßen reinigt, zahlen die Baulastträger der jeweiligen Strecken jährlich ungefähr 130 000 Euro. Hinzu kommen die Kosten für die Entsorgung des Abfalls.

Nach Angaben des A.R.T. liegen die im Eifelkreis Bitburg-Prüm bei rund 15 600 Euro im Jahr, im Vulkaneifelkreis bei 31 200 Euro. Darunter waren 2017 allein 770 Autoreifen, die wohl besonders gerne liegengelassen werden.

Warum rund um Daun und Gerolstein viel mehr Müll anfällt, kann sich die Sprecherin des Zweckverbandes nicht erklären: „Es werden weniger Abfälle aus der Südeifel bei uns angeliefert.“ Die größeren Mengen könnten mit der Autobahn 1 zusammenhängen. Jede Menge Menschen, die Richtung Köln oder Koblenz wollen, fahren durch die Vulkaneifel und lassen vielleicht mehr Weggeworfenes zurück. Bedeuten mehr Kilometer Autobahn also auch mehr Müll?

Dazu passt, dass auch im Kreis Bernkastel-Wittlich wesentlich mehr Müll anfällt als im Eifelkreis und sogar mehr als in der Vulkaneifel.    34 200 Euro wendet der A.R.T. dafür auf, ihn zu entsorgen. Und an der Säubrennerstadt führen ja auch die A 1 und die A 60 vorbei.

Farbreste, Fernseher, Altpapier: Der LBM wird’s schon entsorgen, denken sich Müllsünder. Foto: TV/Stephan Sartoris
Im Winter liegt besonders viel Müll an den Eifeler Straßen, wie hier am Pronsfelder Kreisel. Denn gesäubert werden die Bankette erst im Frühjahr.  . Foto: TV/Christian Altmayer

Entsorgt wird er auf Kosten der Bürger. Denn die sind als Gebührenschuldner ja auch für den Müll verantwortlich. Wie hoch der Anteil an den Gebühren ist, kann beim A.R.T. niemand sagen. „Jeder, der Abfall an der Straße wegwirft, sollte aber daran denken, dass er dadurch nicht nur der Umwelt schadet, sondern auch die Kosten für die Müllentsorgung erhöht“, sagt von Landenberg.