Wenn Eltern sich trennen

Referent des 58. Prümer Bertrada-Grundschulforums war Gunther Klosinski, Professor für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie an der Universität Tübingen. Er berichtete über Brennpunkte in Trennungs- und Scheidungssituationen, Kinder im Spannungsfeld gescheiterter Ehen und Beziehungen.

Prüm. (ka) "Eltern bleiben auch nach Scheidung und Trennung die Eltern", sagt Gunther Klosinski. Jährlich gebe es bundesweit mehr als 150 000 sogenannte Trennungswaisen. Akribisch beschreibt Klosinski beim 58. Prümer Grundschulforum die Phasen im Scheidungszyklus, die Ausgangskonstellationen und Entwicklungsprozesse.

Wer bleibt in der Familienwohnung, bei wem werden die Kinder leben, wie ist die finanzielle Regelung -so lauten die Fragen, denen sich die Beteiligten stellen müssen. Für den Professor nicht empfehlenswert: die "Trennung unter einem Dach". Weitere Konflikt-Faktoren seien das Schüren von Loyalitätskonflikten und "negative Indoktrination" gegenüber den Kindern, den Ex-Partner also schlechtmachen: Sie führt zur Ablehnung des anderen Elternteils, zur "Elternentfremdung".

Als "Besuchsrechtssyndrom" bezeichnet Klosinski das auffällige, bisweilen opportunistische Verhalten von Kindern nach Besuchen beim anderen Elternteil. Falsch verstanden könne es zu Irritationen führen. Eltern wiederum falle es oft schwer, sich in die Lage der Kinder zu versetzen, um ihnen bei der Bewältigung psychischer Probleme zu helfen. Gutes elterliches Einvernehmen sei Voraussetzung für eine relativ flexible und bestmögliche Handhabung des Besuchsrechts.

Fazit des 58. Prümer Grundschulforums: Klosinski erweist sich als hilfreicher und praxisnaher Ratgeber für Eltern und Kinder. Seine zahlreichen, interessanten Fallbeispiele und Problemdarstellungen - "ich habe unglaubliche Dinge erlebt" - zeugen von außerordentlicher Fachkompetenz und Berufserfahrung des Arztes, Wissenschaftlers, Publizisten und Familienvaters. Dem Referat folgte eine lebhafte Frage- und Diskussionsrunde.