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Wenn halb Europa in Bitburg tanzt: Beim Folklore-Festival sind 35 Gruppen aus 16 Ländern zu Gast

Wenn halb Europa in Bitburg tanzt: Beim Folklore-Festival sind 35 Gruppen aus 16 Ländern zu Gast

Keine Frage, dass der Bürgermeister Fan ist – vom Folklore-Festival als auch von der deutschen Elf. Sie wird, so lautet der Tipp von Joachim Kandels, Donnerstagabend Frankreich mit 2:1 schlagen. Das Spiel wird im Anschluss an die offizielle Eröffnung des Festivals im Haus Beda mit dem europäischen Abend gezeigt.

"So genau kann man das im Vorfeld nicht absehen", sagt Joachim Kandels. Dass der Eröffnungsabend des Europäischen Folklore-Festivals ausgerechnet auf den Tag fällt, an dem Deutschland bei der Europa-Meisterschaft im Viertelfinale gegen Frankreich steht, ist aber jetzt so. Bitburgs Bürgermeister, der selbst auch die Spiele der deutschen Elf mit Leidenschaft verfolgt, nimmt es sportlich: "Bei uns geht es ja auch um Europa." Und das sei, nicht zuletzt auch wegen der Fragen, die der EU-Austritt der Briten aufwirft, ein Thema von hoher Aktualität.

Über "Zusammenspiel der Kulturen im Zeichen der Integration" wird Donnerstagabend Abend Guy Arendt, Staatssekretär für Kultur in Luxemburg, sprechen. Das Programm wird von dem European Union Baroque Orchestra aus Echternach musikalisch begleitet. Fortan werden mehr als 35 Ensembles aus 16 verschiedenen Ländern über vier Tage für Tanz und Musik an allen Ecken und Enden der Stadt sorgen. Bulgaren, die mit Letten tanzen, ebenso wie Bitburger, die mit Franzosen feiern - ganz egal, wie die Partie heute Abend endet, die natürlich im Anschluss an den offiziellen Festakt auch in Haus Beda auf Großbildschirm gezeigt wird. Ob Kandels mit seinem 2:1-Tipp für Deutschland recht behält, wird sich zeigen.

64 Länder in 52 Jahren

Ganz unabhängig vom Ausgang des Viertelfinales freut sich Kandels auf die Festtage, die die Stadt bis einschließlich Montag in Atem halten werden. Mehr als 60.000 Besucher werden erwartet. Was für ihn das Fest ausmacht? "Gerade in der heutigen Zeit ist es wichtiger denn je, dass man friedlich ein Fest der Völkerverständigung feiert und Verständnis füreinander entwickelt und den Austausch untereinander lebendig hält", sagt Kandels. Diese Chance, so viele Menschen unterschiedlicher Nationen - ob Letten, Italiener, Ungarn oder Tataren - als tanzende und musizierende Botschafter ihrer Länder zu erleben, ist für ihn Herzstück des Folklore-Festivals.

Einen Brexit gibt es beim Folklore-Festival nicht. Im Gegenteil: Die Band Coronation Brass aus Wales kommt seit Jahrzehnten nach Bitburg, wo es schon eine richtige kleine Fangemeinde für den flotten Swingsound der Herren und Damen in Schwarz gibt. Und diese Formation, die wohl die Einzige im Ausland sein dürfte, die die lokale Hymne "Hei lustisch Bebergiger Jungen, dat sein mir" im Repertoire hat, ist natürlich auch dieses Mal wieder mit von der Partie. So klappt Völkerverständigung über die Festtage.

Die Gastgeschenke der vielen Gruppen, die schon über die Jahrzehnte in Bitburg waren, werden im Rathaus in Vitrinen aufbewahrt: Teller, Vasen, Musikinstrumente, Medaillen. Was mit den ganzen alkoholischen Getränken passiert, die so überreicht werden, kann Kandels nicht genau sagen: "Die werden verteilt und sind dann irgendwie immer schnell weg."

Über die 52 Jahre seit dem ersten Grenzlandtreffen 1965 haben Tänzer und Musiker aus 64 Ländern die Kultur ihrer Heimat auf Bitburgs Bühne gebracht. Zu Gast waren Ensembles von Kanada wie auch Venezuela, von Uganda ebenso wie aus Kasachstan. Diesmal haben die Tataren die weiteste Anreise - Tatarstan ist eine autonome Republik in Russland, die westlich des Uralgebirges liegt. "Die sollen sehr, sehr gut sein", sagt Kandels, der auf diese Gruppe besonders gespannt ist.

Zum Auftakt des Folkore-Festivals gibt es am Freitag, 8. Juli, eine Rocknacht mit der U2-Tribute-Band "Achtung Baby", die ab 20.30 Uhr spielt. Zuvor ist um 20 Uhr der offizielle Fassanstich im Festzelt.

Kurzinterview: Drei Fragen an Joachim Kandels, Bürgermeister der Stadt Bitburg:

Wenn halb Europa in Bitburg tanzt: Beim Folklore-Festival sind 35 Gruppen aus 16 Ländern zu Gast
Foto: Dagmar Schommer
 Impressionen vom Treff der Kulturen Am Spittel in Bitburg. TV-Klaus Kimmling
Impressionen vom Treff der Kulturen Am Spittel in Bitburg. TV-Klaus Kimmling Foto: Klaus Kimmling
 Impressionen vom Treff der Kulturen Am Spittel in Bitburg. TV-Klaus Kimmling
Impressionen vom Treff der Kulturen Am Spittel in Bitburg. TV-Klaus Kimmling Foto: Klaus Kimmling
 Impressionen vom Treff der Kulturen Am Spittel in Bitburg. TV-Klaus Kimmling
Impressionen vom Treff der Kulturen Am Spittel in Bitburg. TV-Klaus Kimmling Foto: Klaus Kimmling


Ein Festerlebnis, das Sie nie vergessen werden?
Kandels: Das ist sicher der Einzug der Nationen 1990, als wir mit dem Musikverein noch die DDR-Hymne geprobt haben, die Gruppe dann aber erstmals zusammen mit Vertretern von westdeutschen Ensembles gemeinsam zur deutschen Nationalhymne einmarschiert ist. Das war beeindruckend. Und natürlich die Geburt meiner Tochter Mattea, die genau am Eröffnungsabend 2015 zur Welt kam.

Ihr erstes Festbier 2016?
Kandels: Heute Abend im Haus Beda - und dann natürlich offiziell beim Fassanstich am Freitag.

Ihr Wunsch fürs Fest?
Kandels: Dass, das Wetter hält und wir beim Public Viewing am Sonntag im Festzelt die deutsche Mannschaft im EM-Finale sehen.