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Wenn Hirsche flirten, wird's auf der Straße gefährlich

Wenn Hirsche flirten, wird's auf der Straße gefährlich

Fast jeder dritte Unfall im Altkreis Bitburg ist ein Wildunfall. Mit der Gefahr aus dem Wald müssen die Autofahrer jetzt wieder verstärkt rechnen. Die Tiere verlagern in der dunkler werdenden Jahreszeit ihre Aktivität in die Morgen- und Abenddämmerung - und damit auch mehr in die Zeit, in der Autofahrer unterwegs sind.

Bitburg. Mitten auf der B 51 bei Helenenberg liegt der Kopf eines Wildschweins. Ein wenig weiter ein abgerissenes Bein, das dorthin geschleudert wurde. Am Straßenrand dann die Überreste der toten Tiere. Hinter Helenenberg in Richtung Bitburg hat gestern gegen 4.22 Uhr ein Lastwagenfahrer vier Wildschweine überfahren. "Der Lastwagen wurde zwar beschädigt, war aber weiter fahrtüchtig und musste nicht abgeschleppt werden", sagt Wolfgang Zenner von der Polizei Bitburg. Einer von vier Wildunfällen, die sich an einem einzigen Morgen ereignet haben.
Kaum verfärbt sich das Laub an den Bäumen, kommt es auf den Straßen wieder vermehrt zu Zusammenstößen mit Wildtieren. "Es gibt in unserer ländlichen Region zwar das ganze Jahr über Wildunfälle, aber im Frühjahr und Herbst häufen sie sich", sagt Zenner. 2012 registriert die Polizei bereits 627 Wildunfälle im Altkreis Bitburg - 48 mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahrs.
Dass sich die Wildunfälle nun wieder häufen, hat vor allem drei Ursachen: "Im Spätsommer haben die Rehe Brunftzeit, ab September folgt die Brunft des Rotwilds", sagt Gerd Grebener, Pressesprecher von der Kreisgruppe Bitburg-Prüm des Landesjagdverbands. Wildtiere auf Partnersuche springen auch schon mal triebgesteuert auf die Straße. Hinzu kommt: "In der dunkler werdenden Jahreszeit verlagern die Tiere ihre Aktivitätszeiten in die Morgen- und Abenddämmerung und damit auch mehr in den Berufsverkehr", sagt Grebener. Zudem werden die Felder, die den Wildtieren Nahrung geboten haben, abgeerntet, und die Tiere verlagern auf Nahrungssuche ihre Quartiere. Hinzu kommt: Es ist Jagdsaison. Grebener rät: "Wer ein ,Achtung Treibjagd-Schild\' sieht, sollte sein Tempo sofort drosseln. Wer Jäger am Straßenrand erblickt, möge auf Schrittgeschwindigkeit zurückschalten. Es könnte sein, dass ein Tier über die Straße springt."
Verletzte gab es - von den Tieren abgesehen - bei Wildunfällen dieses Jahr noch nicht. "Meistens bleibt es beim Blechschaden", sagt Zenner. Aber auch den sollten Autofahrer im eigenen Interesse vermeiden (siehe Extra). Zu unterschätzen ist die Gefahr aus dem Wald in der Eifel allemal nicht: Jeder dritte Unfall ist ein Wildunfall. Insgesamt registriert die Polizei Jahr für Jahr mehr als 700 Zusammenstöße mit Wildtieren im Altkreis Bitburg. Der Sachschaden summiert sich auf mehr als eine Million Euro. Folgende Strecken sind laut Polizei besonders gefährlich:
L 39 zwischen Speicher und Röhl;
L 2 zwischen Auw an der Kyll und Idenheim;
L 9 bei Altscheid;
L 1 zwischen Biesdorf und Bollendorf und
L 12 im Bereich Plütscheid, Oberweiler und Biersdorf.
"Aber auch in anderen waldreichen Gebieten und besonders auf den Strecken, die mit ,Vorsicht-Wildwechsel\'-Schildern gekennzeichnet sind, sollten Autofahrer ihre Fahrweise anpassen", sagt Zenner, der allein gestern Vormittag vier Fälle ins Protokoll aufnehmen musste: einen Marder auf der Bundesstraße 257 bei Irrel, einen Greifvogel auf der L 5 zwischen Lasel und Seffern, ein Rehkitz bei Obergeckler sowie die vier Wildschweine auf der B 51. scho
Extra

Runter vom Gas: Ein verhaltenes Tempo von 70 bis 80 Stundenkilometern sollte im Herbst auf der freien Strecke das Limit sein. Das empfiehlt sich auch wegen der Witterungsverhältnisse mit Nässe und Nebel. Augen auf: Straßenränder, angrenzende Felder und Wälder sollten Fahrer wegen möglicher Wildwechsel im Blick behalten. Quert ein Tier die Straße, folgen meist weitere. Wenn\\'s kracht: Autofahrer sollten nach einem Wildunfall sofort die Gefahrenstelle absichern und umgehend die Polizei rufen. Für die Versicherung wird eine sogenannte "Wildunfall-Bescheinigung" gebraucht, die die Polizei nach Prüfung des Fahrzeugs ausstellt. Schnell reagieren: Fahrer, die Wild entdecken, sollten bremsen, abblenden und hupen. Ist ein Zusammenstoß nicht mehr zu vermeiden, empfiehlt die Polizei: Vollbremsung und Lenkrad festhalten, keine Ausweich-manöver riskieren. scho