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Wenn Jung und Alt zusammentreffen

Ausbildung : Wenn Jung und Alt zusammentreffen

Eine Kooperation zwischen der Theobald-Simon-Schule in Bitburg und dem Seniorenheim Casa Reha in Bitburg: Wie diese Zusammenarbeit läuft und was Schüler und Senioren davon haben, haben sie dem TV erzählt.

Fünf Schüler, die sich als Altenpfleger oder Altenpflegehelfer-Assistent bewerben wollen: Das ist das bisherige Resultat des seit Dezember 2018 laufenden Kooperationsprojektes zwischen der Bitburger Theobald-Simon-Schule und dem Seniorenheim Casa Reha Birkenhof in Bitburg.

Das Projekt steht unter dem Motto „Begegnungen für Jung und Alt“ und bietet einen Rahmen für Aktivitäten von Schülern und Senioren. Während die Schüler im Unterricht der Berufsvorbereitung mit dem Schwerpunkt Ernährung und Gesundheit/Pflege für die Arbeit im Seniorenpflege-Bereich sensibilisiert werden, arbeiten sie einmal im Monat direkt mit den Bewohnern des Heimes. Seit Schuljahresbeginn bietet der fachpraktische Pflegeunterricht Grundlagen der Altenpflegehilfe an der Theobald-Simon-Schule an. In diesem Unterricht lernen die Schüler Grundlagen der Altenpflegehilfe. Dabei werden unter anderem Kenntnisse in der Grundpflege an Puppen oder gegenseitige Handmassagen geschult und Betreuungsangebote für die Bewohner des benachbarten Seniorenheims Casa Reha Birkenhof erarbeitet.

Bisherige Projekte waren zum Beispiel die Herstellung von Weihnachtskarten und Weihnachtsplätzchen und die Herstellung sowie das Spielen eines Bingo-Spiels. Es sei geplant, mindestens einmal im Monat eine Aktivität zwischen „Jung und Alt“ im Seniorenheim anzubieten, sagt Birgit Mullemann, Lehrerin für Fachpraxis. Und sie ist sich sicher: Beide Seiten profitieren von der Kooperation. Denn viele Bewohner erfahren die Abwechslung als Bereicherung ihres Heimalltags. Und die Jugendlichen bekommen so einen Einblick in die Seniorenpflege und haben daher die Möglichkeit, sich beruflich zu orientieren.

Klassenleiter Jens Ferring ist froh über die Zusammenarbeit. „Ich finde es wichtig, dass die Schüler Kontakt mit dem wahren Berufsleben haben“, sagt er. Durch den regelmäßigen Austausch und Kontakt mit den Bewohnern werden seine Schüler sensibilisiert.

Diese Meinung vertritt auch Schulleiter Ralf Loskill. Die Kooperation sei eine Möglichkeit, die Arbeits- und Lebenswelt zu öffnen. Denn gerade der Beruf des Altenpflegers oder Altenpflegehelfers sein ein sehr komplexer. „Die Arbeit kann man sich nur schwer vorstellen. Und durch die Kooperation können sich die Schüler die Frage stellen: Gibt mir der Beruf etwas? Kann ich mir das für mich vorstellen?“

Und einige können sich den Beruf gut vorstellen. Zum Beispiel Malak aus Syrien. Sie ist Kurdin und lebt seit zwei Jahren in Deutschland. „Mit meiner Oma habe ich manchmal Kontakt per Whatsapp, sonst sehe ich sie aber nicht. Hier im Praktikum hatte ich die Möglichkeit, mit älteren Menschen zu arbeiten.“ Und so entstand ihr Wunsch, eine Ausbildung im Bereich der Altenpflege zu machen.  Genauso geht es auch Daliyah aus Syrien. Seit vier Jahren habe sie ihre Oma nicht mehr gesehen und vermisse sie sehr, sagt sie. „Ich freue mich, hier mit alten Menschen Kontakt zu knüpfen und zu arbeiten. Das erinnert mich auch an meine Oma.“ Yasin aus Marokko würde gerne als Koch arbeiten und erzählt, er sei dabei, sich zu informieren, auch als Koch im Altersheim arbeiten zu können.

 Kooperationsprojekt Bitburg, Foto: Patricia Prechtel
Kooperationsprojekt Bitburg, Foto: Patricia Prechtel Foto: TV/Patricia Prechtel

Seniorenheimleiter Dominik Cartus sieht das Projekt durch zwei Brillen, wie er sagt. Zum einen durch die der Pädagogik, zum anderen durch die betriebswirtschaftliche. Denn im Pflegebereich herrsche Fachkräftemangel, und durch die Kooperation könnten sich so manche Schüler für den Beruf begeistern. „Noten spielen für mich keine große Rolle“, sagt Cartus. „Das Gefühl und Einfühlungsvermögen stehen hier im Vordergrund.“ Und er sagt:“ Diese Kooperation ist Gold wert!“ Auch die Bewohner des Seniorenpflegeheimes Casa Reha zeigen sich von dem Projekt begeistert. „Es ist schön, Kontakt mit den jungen Menschen zu haben. Das kommt bei den Bewohnern hier sehr gut an“, sagt eine Bewohnerin. Weitere Aktionen sind bereits in Planung.