Wenn Mama und Papa sich nicht mehr lieben
Bitburg · Die Psychologin und Stellenleiterin der Lebensberatung Bitburg, Angela Dieterich, hilft bei vielen Konflikten. Immer häufiger kümmert sie sich um Trennungskinder und streitende Eltern. Im TV-Interview spricht sie über Freud und Leid ihrer Arbeit.
Bitburg. Nach einer Trennung geht der Streit manchmal erst richtig los. Und am meisten leiden darunter die Kinder. Eine Zahl, die für sich spricht: 55 Prozent der Kinder und Jugendlichen unter 18 Jahren, die im vergangenen Jahr bei der Lebensberatung Bitburg waren, leben nicht in ihrer Ursprungsfamilie, sondern bei einem alleinerziehenden Elternteil mit oder ohne Partner, bei Großeltern oder in Pflegefamilien (siehe Extra). Nicht nur bei Scheidungen und Sorgerechtsstreitigkeiten, sondern auch bei anderen Konflikten hilft die Lebensberatung in Bitburg. Dort hat auch seit 24 Jahren die Psychologin und Stellenleiterin Angela Dieterich (49 Jahre) ein offenes Ohr für alle Belange - im TV spricht sie über ihre Arbeit.Was geht Ihnen besonders nahe?Angela Dieterich: Das sind oftmals die Fälle, wo besonders viel Leid und mehrere Schicksalsschläge zusammenkommen. Der Tod eines Kindes zum Beispiel geht einem immer sehr nach. Aber auch, wenn wir sehr schnell wirklich viel erreichen, freut uns das und bleibt in Erinnerung.Mit welchen Problemen kommen derzeit die Menschen vermehrt zu Ihnen?Dieterich: Zum einen wenden sich immer mehr junge Mütter oder auch Eltern an uns. Das erste Jahr mit Baby, unabhängig davon, ob es ein Wunschkind ist oder nicht, ist schwierig: Für ein Paar verändert sich alles, es ist sehr viel Stress, wir helfen dabei, damit klarzukommen. Zum anderen schicken die Familiengerichte häufiger Eltern zu uns, die sich wegen der Kinder streiten, damit dann versucht werden kann, im Gespräch eine gemeinsame Lösung zu finden. Das sind mitunter schwierige Fälle, die auch für uns sehr anstrengend sind - wir gehen da fast immer mit zwei Beratern rein. Worauf kommt es dann an?Dieterich: Wir müssen uns auf die unterschiedlichen Menschen einstellen und sehen, was für jeden Einzelnen wichtig ist. Bei all den Problemen, mit denen man zu tun hat, muss man auch sehen, dass man selbst arbeitsfähig bleibt. Da hilft der Austausch im Team, mit den Kolleginnen und Kollegen. Was nehmen Sie von der Arbeit auch mal mit nach Hause?Dieterich: Immer, wenn Kinder betroffen sind, und ich habe selbst zwei, dann geht einem das nahe. Wenn streitende Eltern das Leid ihrer Kinder so gar nicht mehr im Blick haben - dann macht einen das schon mal ärgerlich und traurig.Und was spornt Sie an?Dieterich: Wenn Menschen aus ihren alten Mustern herauskommen und es ihnen besser geht - das ist die Motivation. Wir haben viele gelingende Beratungen. Und dann sieht man auch den Sinn in der Arbeit.Was raten Sie Menschen, die in einer Problemsituation sind?Dieterich: Es ist ganz normal, dass man erst selber mit einem Problem zurechtzukommen versucht. Wenn das nicht reicht, sollte man sich Hilfe holen. Je früher man das tut, desto eher ist eine Veränderung möglich. Wenn Paare erst kommen, wenn einer der beiden sich schon innerlich getrennt hat, ist es meist zu spät. Ein halbes Jahr früher hätten wir vielleicht noch helfen können. Niemand muss sich schämen. Wir sind an die Schweigepflicht gebunden, und es ist auch nicht so, dass man nur mit Riesenproblemen bei uns ankommen darf. Wir helfen auch bei kleinen. Extra
Bei der Lebensberatung Bitburg haben im vergangenen Jahr 703 Kinder, Jugendliche und Erwachsene Rat und Unterstützung gesucht. 147 Menschen nahmen darüber hinaus an weiteren Angeboten wie Kursen oder Sprechstunden teil. Das geht aus dem jetzt vorliegenden Bericht der Beratungsstelle hervor. Die Themen waren: Trennung und Scheidung der Eltern, mangelndes Selbstwertgefühl und schulische Probleme. Frauen und Männer wandten sich bei Kommunikationsproblemen in der Partnerschaft, Verlusterfahrungen oder kritischen Lebensereignissen an die Lebensberatung. Das Team der Lebensberatung Bitburg besteht aus vier Psychologinnen, zwei Sozialpädagogen, einem Theologen und zwei Verwaltungsangestellten. Träger der Lebensberatung ist das Bistum Trier, das mit 238 230,28 Euro 61,6 Prozent der Gesamtkosten (386 828,31 Euro) abdeckt. Dazu kommen Zuschüsse vom Land Rheinland-Pfalz in Höhe von 80 295 Euro (20,8 Prozent) und vom Landkreis Bitburg-Prüm in Höhe von 68 303,03 Euro (17,7 Prozent). Für Ratsuchende ist die Hilfe kostenlos. Die Lebensberatung Bitburg bietet auch eine Babysprechstunde und eine Trennungs- und Scheidungskindergruppe an. Im November beginnt der Elterngesprächskreis "Wozu der ganze Zoff - Herausforderung Pubertät". eib Weitere Informationen gibt es bei der Lebensberatung Bitburg unter Telefon 06561/8987 oder im Internet unter <%LINK auto="true" href="http://www.lebensberatung.info" class="more" text="www.lebensberatung.info"%>