Wenn starker Wille Wetten gewinnt

Im Rahmen des rheinland-pfälzischen Aktionstages zur Suchtvorbeugung wurde auf etwa zweihundert Veranstaltungen über suchtpräventive Maßnahmen und entsprechendes Verhalten informiert. Etwas Besonderes hatte sich der Regionale Arbeitskreis Sucht- und Gewaltprävention Bitburg-Prüm ausgedacht: "Wetten dass, einmal anders". 141 machten mit.

Haben über Drogen diskutiert: (von oben links) Silke Halfen, Monika Gerigk, Josef Fuchs. Alaudin Rraini, Kirsten Jaeschke. Untere Reihe: Laura Drees, Melissa Gilbert, Melanie Fischer, Thomas Link, Athanasios Loukas, Vanessa Schmitt. TV-Foto: Elmar Kanz

Prüm. 141 Schüler, das bedeutete 141 mal wetten, dass man im Kampf gegen Drogen der Stärkere sein würde. Sich selbst verordnete mittlere bis schwere Enthaltsamkeiten galt es zu ertragen. Vom Verzicht auf Süßigkeiten, Sport, Computer und Fernsehen, Verrichtung von ungeliebten Arbeiten, tägliches Brötchenholen für die Oma, bis hin zu "nicht mehr an den Fingernägeln kauen" reichte die Palette der Selbstkasteiungen. Drei Wochen währte die Leidenszeit bei freiwilliger Selbstkontrolle. Wandalbertschule Prüm: Im kleinen Kreis diskutieren zwölf- bis vierzehnjährige Schüler der Klassen 7a und b über Sinn und Zweck der Aktion und beantworten Interview-Fragen. Warum sind Drogen gefährlich? "Weil man davon süchtig werden und sterben kann". Kürzer und präziser als Athanasios Loukas aus Prüm hätte die Kernfrage kaum beantwortet werden können. Wie kommt es, dass Jugendliche zu Drogen greifen? Probiert haben alle schon mal

"Zigaretten und Alkohol bedeuten für viele, cool zu sein", sagt Alaudin Rranai, auch aus Prüm. Dem stimmen Melanie Fischer, Fleringen, und Thomas Link, Üdesheim, zu. "Wenn Freunde rauchen und trinken, will man kein Außenseiter sein", meint Melissa Gilbert aus Hermespand. Laura Drees, Prüm, und Vanessa Schmitt, Pronsfeld, können an Zigaretten und Alkohol - in welcher Form auch immer - nichts Cooles finden. Probiert haben sie die so genannten legalen Drogen freilich alle schon. "Schmeckt nicht", sind sie sich einig. Berührung mit den harten, illegalen Drogen hatte indes noch niemand. Sie sind in ihrem Umfeld offenbar kein Thema. Umso ernster nehmen sie es mit den legalen. "Warum überhaupt legal, kommt es aus der Runde, "seltsame Bezeichnung".Die recht unterschiedlichen Wetten der sechs Schüler sprechen für sich. Laura will ihren Platz richtig ordentlich sauber halten. Melissa hat sich eine strikte Döner-Pause verordnet. Melanie rührt ihren Computer nicht an. Gleiches beabsichtigt Thomas mit seiner Play-Station. Für Alaudin ist konsequenter Kaugummi-Entzug angesagt. Athanasios will nicht fernsehen. Tut er es doch, sollen die Eltern abschalten. Geradezu Schreckliches hat sich Vanessa auferlegt: nicht schminken, keine langen Ohrringe und Fernseh-Verzicht. Unterdessen sind drei harte Wochen vergangen. Der Aktionstag ist Tag der Wahrheit. Josef Fuchs gibt das Schlussergebnis bekannt. Anonym. Alle "Wetten dass"- Teilnehmer haben durchgehalten. Bis auf zwei. Derweil steht für alle fest: "Auch wenn vieles vermutlich wieder so sein wird wie zuvor. Wir haben uns selbst bewiesen, dass wir es können. Dass wir hinreichend Kraft und Selbstdisziplin haben, der Suchtgefahr die Stirn zu bieten. Getreu dem Motto des Aktionstages "Unsere Verantwortung". Nicht ganz so positiv klingt der aktuelle Lagebericht von Erwin Schwarz, Sachbereich Drogenprävention bei der Polizeiinspektion Prüm, Markus Zilles und Elmar Zenner, aufsuchende Jugendsozialarbeit, Caritasverband Westeifel, und Silke Halfen, Schulsozialarbeit. Ihnen zufolge ist der frühe Beginn der Jugendlichen mit dem Drogenkonsum nach wie vor ein Riesenproblem. Ob Junge oder Mädchen - mit 13 die erste Zigarette, mit 15 der erste Vollrausch und mit 16 wird erstmals Cannabis probiert. Tendenz fallend. "Eine beängstigende Entwicklung", konstatieren die Experten, es gibt noch viel zu tun".