Wer erntet, schläft nicht: Hopfenernte in Holsthum läuft auf Hochtouren

Wer erntet, schläft nicht: Hopfenernte in Holsthum läuft auf Hochtouren

Auf Hochtouren in Holsthum: Andreas Dick und sein Team sind fast rund um die Uhr im Einsatz, um den Hopfen zu ernten. Bei heißen Temperaturen wird unermüdlich gearbeitet. An viel Schlaf ist nicht zu denken.

Holsthum. Es ist warm. Ziemlich warm. Doch für Andreas Dick gelten keine Ausreden. Die Hopfenernte steht an. Eine Woche harter Arbeit hat er schon hinter sich. Und ungefähr drei noch vor sich. "Wir erwarten eine richtig gute Durchschnittsernte", erklärt der Hopfenbauer. Bevor er mit 22 Jahren in die Landwirtschaft eingestiegen ist, hat er Bierbrauer gelernt und eine Ausbildung zum Sommelier mit der Fachrichtung Bier oben draufgesetzt.

Er kennt sich aus. All das Wissen hilft aber manchmal nichts: "2015 war der Sommer zu lang und zu warm. Wir können das Wetter leider nicht machen", sagt der 42-Jährige. "Hopfen mag einen nassen Fuß und einen warmen Kopf!"
Dieses Jahr scheint es gut zu laufen. Überall liegt ein aromatischer Duft in der Luft. Hopfen. Er wird an Drahtseilen in die Pflückmaschine befördert - und die sieht retromäßig aus. Aber: "Die Maschine aus den 80er Jahren, aber das System ist das neueste, was es gibt", sagt Dick.

Eine Ranke nach der anderen fährt ein. "Einereicht für 400 Liter Bier", erklärt er. Wow, nicht schlecht. Für wie viel Liter Bier gerade Hopfen maschinell gereinigt wird? 400, 800, 1200 - eine Ranke nach der anderen wird über die Fließbänder gejagt, der Zapfen vom Rest der Ranke getrennt. Plopp! Die Zapfen fallen auf die Fließbänder und werden hoch hinaus in einen Turm zum Trocknen befördert. Alles, was nicht verwertet wird, trägt die Maschine auf einem großen, nein riesigen Haufen zusammen.

Andreas Dick winkt. Über Treppen geht es hoch in den Turm. Die Luftfeuchtigkeit dort ist hoch. Sehr hoch. "Der Wassergehalt im Hopfen liegt bei 80 Prozent, um ihn haltbar zu machen, wird er auf neun bis elf Prozent getrocknet. Wir haben hier 60 bis 62 Grad", sagt der Landwirt. Alle zwei Stunden muss der Hopfen gewendet und vier Tage liegen gelassen werden, um Feuchtigkeit und damit einen Qualitätsverlust zu vermeiden.

Es geht hinaus aus dem Turm, weiter zu den großen Säcken - einer davon ist ungefähr fünfzehn Kilo schwer. Da ist also der fertige Hopfen drin. Hier würden eine Zollbanderole und ein Siegel angebracht und der Hopfen vom Siegelmeister abgenommen, sagt Andreas Dick. "Die Produktion ist gläsern und für die Brauereien nachvollziehbar."
Beim fertigen Hopfen ist noch nicht Endstation. Jetzt geht es aufs Feld. Eine Fläche mit riesigen Reihen von Hopfenreben. "Hundert Tage braucht der Hopfen, bis er geerntet werden kann, dann ist der optimale Erntezeitpunkt erreicht. Bei jeder Sorte beträgt der fünf Tage", sagt Dick. Warum dann vier Wochen Erntezeit? "Wir bauen Früh-, Mittelfrüh- und Späthopfen an, den ernten wir nach und nach."

Was er weiß, wollen zwei junge Männer noch lernen: Thies Jagdmann (18) und Michael Düll (19). Sie machen eine Ausbildung bei der Bitburger Brauerei und sind eine Woche in Holsthum, um sich den Hof und die Ernte anzuschauen. "Und natürlich zu helfen", sagt Jagdmann, der wie Michael Düll ein duales Studium Brau- und Getränketechnologie macht. Ihre Aufgabe: Sie heben liegen gebliebene Hopfenreben auf. "Es ist ziemlich warm und anstrengend, aber man lernt so das Produkt kennen", sagt Düll. Der Hopfen von Hof Dick wandert neben den Erzeugnissen anderer Betriebe in den Bitburger Siegelhopfen.400 Stunden pro Hektar


"Die Brauerei hat das Glück, dass wir direkt in der Nähe sind, sie können die Auszubildenden einfach vorbeischicken", sagt Dick. Ist er froh mit seinem Beruf? "Auf jeden Fall. Landwirtschaft ist eine Leidenschaft, die auch zeitintensiv ist. Pro Hektar rechnen wir mit 400 Arbeitsstunden, auf das Jahr verteilt kommt da einiges zusammen." Hat man da keine Angst, dass etwas dazwischenkommt? "Umweltkatastrophen beziehungsweise Hagel oder Starkregen können wir nicht gebrauchen. Keine Versicherung kann das auffangen, was man an Zeit und Arbeit reingesteckt hat. Aber toi, toi, toi: Dieses Jahr sieht die Prognose gut aus", sagt Dick und lacht. Also wird jetzt richtig Gas gegeben? "Viel Schlaf gibt es die nächsten drei Wochen nicht, vier bis fünf Stunden am Tag - mehr ist nicht drin", sagt er. Und steigt wieder auf seinen Traktor.Extra

Was macht der Hopfen ... im Bier? Der Hopfen ist für das Bier wie das Salz in der Suppe; er sorgt für einen würzigen Geschmack und das typische Bier-Aroma. Die im Hopfen enthaltenen Gerbstoffe und Säuren begünstigen zudem die Schaumbildung und sorgen für eine längere Haltbarkeit. Die ätherischen Öle und Harze im Hopfen bringen viele Geschmacksnoten mit: ob erdig, grasig, buttrig oder aber fruchtig mit Apfel- oder Zitrusgeschmack, das Gewächs liefert den Bierbrauern viele Varianten. Zum Brauen werden ausschließlich die Dolden der weiblichen Hopfenpflanzen verwendet. ... sonst wo? Der Echte Hopfen kann zu medizinischen Zwecken eingesetzt werden, zum Beispiel in Beruhigungsmitteln. Als Geschmacksbereicherung in Likör oder Schnaps ist er auch schon zu finden, sogar Hopfentee gibt es. Wilder Hopfen kann als Speisepflanze genutzt werden, die jungen Hopfensprosse können gekocht und zu Salat verarbeitet werden. sastExtra

Dann wandern die Hopfenreben in die Pflückmaschine, in der die Zapfen separiert und gereinigt werden. Foto: Sarah Stieren (sast) ("TV-Upload Stieren"
Die Hopfenreben werden samt Draht eingeklemmt und abgerissen, bis der Hänger voll beladen ist. Foto: Sarah Stieren (sast) ("TV-Upload Stieren"
Mit voller Ladung fährt Andreas Dick anschließend auf seinen Holsthumer Hof. Foto: Sarah Stieren (sast) ("TV-Upload Stieren"
Zum Schluss wird der fertige Hopfen in Säcke verpackt und später versiegelt. TV-Fotos (8): Sarah Stieren. Foto: Sarah Stieren (sast) ("TV-Upload Stieren"
Die gereinigten Hopfenzapfen fallen schließlich auf das Fließband. Foto: Sarah Stieren (sast) ("TV-Upload Stieren"
Die Ausbeute aus der Pflückmaschine kommt auf das Dach, wo sie trocknet. Foto: Sarah Stieren (sast) ("TV-Upload Stieren"
Wissen jetzt, wie's geht: Thies Jagdmann (links) und Michael Düll: Für ihre Ausbildung bei der Bitburger Brauerei haben die Studenten eine Woche lang Wissen für ihren dualen Studiengang Brau- und Getränketechnologie gesammelt. Und ganz nebenbei noch bei der Ernte geholfen. Foto: Sarah Stieren (sast) ("TV-Upload Stieren"

Wie wird Hopfen angebaut? Hopfen braucht den Boden für die Wurzeln und Triebe und die Höhe, um ordentlich zu reifen. Beim Wachsen windet er sich rechts herum um den Draht und wächst so bis zu zehn Meter in die Höhe. Als Auengewächs erfordert sein Anbau tiefgründige und zugleich fruchtbare Böden. Die Tal-Lage in Holsthum bietet beste Voraussetzungen für den Anbau, auch das Klima ist mit warmen Temperaturen und niederschlagsreichem Wetter ideal für den Hopfenanbau. Lässt er sich zum Reifen noch Zeit - von Ende Mai bis September - muss es beim Ernten schnell gehen: Fünf Tage bleiben, dann hat der Hopfen den höchsten Brauwert, bevor er abreift. Deshalb wird vom Hof Dick Früh-, Mittelfrüh- und Späthopfen angebaut, so bleibt mehr Zeit für die Ernte. Wie läuft die Hopfenproduktion ab? Die Hopfenstöcke werden maschinell zurückgeschnitten. Die Aufleitdrähte für die Hopfenpflanzen sind auf sieben Meter gespannt, damit der Hopfen ordentlich in die Höhe wachsen kann. Die drei bis vier kräftigsten Triebe werden in Handarbeit um den Draht gewunden, die übrigen Triebe entfernt und der Boden gelockert. Es muss gepflegt und gedüngt werden. Wenn der Hopfen reif für die Ernte ist, werden die Reben samt Drähten heruntergerissen, gesammelt und zum Hof gefahren. Hier werden die Hopfenzapfen maschinell gepflückt und gereinigt. Danach geht es zur Trocknung - hier wird der Wassergehalt in den Zapfen erheblich runtergefahren. Nach einer Lagerung wird der Hopfen in Säcke verpackt: Auf geht es in Richtung Brauerei. So findet der Hopfen seinen Weg vom Feld ins Bier. sast