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"Wer essen will, muss dreschen"

"Wer essen will, muss dreschen"

Es ist knochenharte Arbeit für die ganze Familie gewesen: das Dreschen. Bis zu viermal mussten die Garben gewendet und gedroschen werden, bevor das Korn gewonnen war. Sprüche halfen den Bauern dabei, im Takt zu bleiben.

Daun. Eine große graue Wolke lag über dem Feld. Man hätte meinen können, ein Feuer brenne. Aber beim Näherkommen war da nur ein riesiger Mähdrescher zu sehen. Schnell zog er seine Bahnen durchs Feld. Vorne schnitt er meterbreite Schneisen in das dicht stehende Getreide, blies hinten eine dichte Wolke gemischt mit Staub und Spelz aufs Feld, und an der Seite füllte sich sein Tank mit Tonnen wertvoller Getreidekörner.

Leo Kordel erntet ein Feld am Weinfelder Maar ab. Schließlich steigt der Fahrer der riesigen Dreschmaschine aus seinem Führerhaus, und wischt sich den Schweiß von der staubigen Stirne. Kordel erinnert sich, wie seine Vorfahren einst die Ernte einbrachten:

"Für dieses Feld von einem Hektar, das ich in zwei Stunden abgeerntet habe, hätte mein Vater mit seiner Mähmaschine drei Tage und mein Urgroßvater in reiner Handarbeit rund 30 Tage benötigt. Mit der Sense und dem Reff - einer Rücken-trage - wurde damals das Getreide gemäht und fortgeschafft. Die ganze Familie mit all unseren Kindern half dann mit, die Halme von Hand zu sammeln, mit selbst gedrehten Strohseilen zu Garben zu binden, diese auf dem Feld zusammenzustellen, dann nach Hause zu fahren und in der Scheune zu lagern.

Doch damit war die Arbeit noch lange nicht fertig. Von November an wurden in den kommenden Wintermonaten die Garben in der Scheunentenne ausgelegt. Die Ähren lagen stets nach innen, die Enden der Halme zeigten nach außen. Und dann griff man nach dem Dreschflegel und begann mit dem Dreschen.

Und das war eine knochenharte und schwere Arbeit für die drei bis vier Männer, die bei uns droschen. Die Nachbarschaftshilfe war sehr gefragt. Da durfte sich keiner vor der Arbeit drücken. Mein Opa sagte oft: ‚Wer mit will essen, muss auch mit dreschen.'

Mit dem schweren Dreschflegel hieß es hübsch im Takte bleiben, um keinen zu verletzen. Aufschlagen musstest du mit der ganzen Länge des Klöppels, bloß nicht mit der Spitze. Und wenn man den langen Stiel nicht locker in der Hand hielt, dann bekam man schnell Blasen und blutige Hände. Um im Takt zu bleiben, half man sich mit lautem Zählen: eins zwei drei - eins zwei drei. Beliebt waren auch verschiedene Dreschtaktsprüche, wie ‚Jo-han-nes' oder ‚Korn-Brot-Schrot' oder ‚Wann-gibt's-Kaf-fee' bis hin bei fünf Männern ‚Broat-Fleesch-un-Koch-Klöß'. Und das harte Knallen und das rhythmische Klipp-Klapp der Dreschflegel konnte man dann wochenlang in den Dörfern hören.

Mehrmals wurden die Garben gewendet, ausgeschüttelt und bis zu viermal gedroschen. Das ging oft bis tief in die Nacht hinein. Und wenn wir fleißig waren, konnten wir bis zu drei Zentner Körner an einem Tag dreschen. Ach, was war das eine staubige Arbeit. Literweise mussten wir Wasser trinken, damit der Staub die Kehle nicht ganz verklumpte. Bier gab es selten, vielleicht am Ende des Dreschtages, wenn es schon fast dunkel war.

Die Bibel hat schon recht. Die Spreu vom Weizen zu trennen, war mit viel Aufwand verbunden. Wir hatten damals eine ‚Foach', eine Windmühle zum Trennen von Korn und Spreu. Oben in den Trichter wurde das Gedroschene hineingeschüttet. Stundenlang drehten wir Kinder eine dicke Kurbel. Dadurch entstand starker Wind. Es fauchte. In der Maschine waren verschiedene Siebe, die dann die Körner von der Spreu, den leeren Ähren und dem Häcksel trennten. Vater füllte dann die gereinigten Körner in Säcke zu 100 Kilogramm und trug sie mit Mühe die Treppe hoch auf den Speicher. Und wo früher bei uns viele Menschen Wochen und Monate für die Getreideernte brauchten, mache ich das heute mit dieser Maschine in kurzer Zeit alleine."

Seine Zigarette war zu Ende geraucht, als er wieder hoch auf das Ungetüm seiner Dreschmaschine stieg, um rasch auf das nächste Feld zu fahren, wo goldgelbe Ähren ihrer Ernte harrten.