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Kommunalwahl
Kein Kandidat hier, zwei Bewerber dort

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Logo_Kommunalwahl_2019 FOTO: TV / Lambrecht, Jana
Bitburg-Prüm . Keine Bürgermeisterwahl in Irrel. In Arzfeld, Bleialf, Bollendorf, Schönecken und Rittersdorf gehen neue Anwärter ins Rennen. Von Maria Adrian
Maria Adrian

„Ein Ortsbürgermeister schwingt nicht nur große Reden bei Goldenen Hochzeiten, er ist Ansprechpartner für alle – vom Asylbewerber bis zum Investor – hat eine Menge Aufgaben, zumal in einem so großen Ort wie Irrel“, sagt Ortsbürgermeister Heinz Haas, der seit zwölf Jahren Ortschef in der 1700-Einwohner-Gemeinde ist. Er sieht das Amt schon als Herausforderung: „Wir haben alle 14 Tage Besprechung wegen des neues Kindergartens, alle vier Wochen ist eine Ratssitzung, die vor- und nachbereitet werden muss. Man steht in der Verantwortung – auch bei unvorhersehbaren Dingen. Dazu braucht man Zeit, Kraft und Energie“, sagt der 75-Jährige.

Amtsinhaber Heinz Haas wollte den Weg frei machen für einen neuen Kandidaten. Es hat sich aber niemand für eine Kandidatur gefunden.

Laut Verbandsgemeindeverwaltung Südeifel greift bei fehlendem Wahlvorschlag der Paragraph 53, Absatz 2 der Gemeindeordnung. Das heißt: Die Ortsbürgermeisterwahl findet in Irrel nicht statt. Acht Wochen nach dem 26. Mai soll der Gemeinderat  einen Ortsbürgermeister wählen.

In Bollendorf mit seinen 1691 Einwohnern hingegen gibt es zwei Kandidaten. Amtsinhaber Rolf Stump tritt allerdings nicht mehr an. Stattdessen geht für die CDU Silvia Hauer ins Rennen. Und Paul Meyers ist der Kandidat der SPD.

Der Ortsbürgermeister von Rittersdorf, Walter Heyen, stellt sich auch nicht mehr zur Wahl. „Ich bin nun 25 Jahre im Rat, davon fünf Jahre als erster Beigeordneter und zehn Jahre als Ortsbürgermeister. Jetzt wird es Zeit für den Wechsel“, sagt Heyen. In Rittersdorf (1407 Einwohner) hätten sich gegen den allgemeinen Trend sogar zwei Bewerber gefunden, so der Amtsinhaber. Für die CDU tritt Dr. Holger Klein an und für die „Liste Lichter“ Dieter Lichter, Ratsmitglied und auch Beigeordneter der Verbandsgemeinde Bitburger Land.

In Neuerburg gibt es nur einen Kandidaten und zwar den Amtsinhaber Lothar Fallis, der seit  einem Jahr Stadtbürgermeister der 1523 Neuerburger ist.

Ein deutliches Jawohl ist die Antwort von Wolfgang Krämer auf die Frage, ob er sich wieder zur Wahl stellt für das Amt des Stadtbürgermeisters von Kyllburg. Der 63-Jährige findet das Amt spannend und lehrreich. „Die ersten fünf Jahre sind Lehrjahre“, sagt der ehemalige Berufssoldat, der seit seinem Ruhestand Bürgermeister ist und seine Stadt mit den 890 Einwohner zusammen mit dem Stadtrat wirtschaftlich und touristisch voranbringen möchte.

Wieder zur Wahl steht auch Stefan Lonien, Ortsbürgermeister von Dudeldorf. Der 44-Jährige hat eine Amtsperiode hinter sich und möchte die Arbeit für die Dudeldorfer fortsetzen. Er nennt drei Schwerpunkte, die in naher Zukunft in dem 1219-Einwohner-Ort anzugehen sind wie die Sanierung von Gemeindestraße und Spritzenhaus. Letzteres wurde  im Juni vom Hochwasser beschädigt. Wichtig sei auch die Renaturierung des Bachlaufs inklusive Hochwasserschutz.

Auch Manfred Groben hat als Ortsbürgermeister von Waxweiler eine Amtsperiode hinter sich, und er stellt sich ebenfalls wieder zu Wahl als Ortschef für die 1100-Einwohner-Gemeinde. Es sei nicht ganz leicht gewesen, die CDU-Liste mit 16 Personen für die Gemeinderatswahl zu füllen, da schon einige im Vorfeld abgesprungen seien, sagt der 60-Jährige.

Die Listen seien eigentlich nicht nötig, findet der Beamte, es gehe ja um die Sache, der Ort stehe im Fokus. Der Rat wolle Waxweiler gemeinsam touristisch weiterentwickeln. Unter anderem sollen ein Bolzplatz, ein Mehrgenerationenplatz und ein barrierefreier Wanderweg entlang der Prüm entstehen. Manfred Groben ist der einzige Kandidat.

Auch in Speicher gibt es nur einen Bewerber und zwar den Amtsinhaber: Erhard Hirschberg stellt sich wieder zur Wahl als Stadtbürgermeister für 3429 Speicherer. Der 63-Jährige stand bereits vier Amtsperioden an der Spitze der Töpferstadt.

„Demokratie lebt davon, dass wir uns alle einbringen und an ihr beteiligen“, sagt Matthias Antony, seit zehn Jahren Ortsbürgermeister von Schönecken. Der 51-Jährige möchte nicht mehr für das Amt ins Rennen gehen, sondern hält einen Wechsel für gut. Er sieht das Aufgabenspektrum des Ortsbürgermeisters des 1455-Einwohner-Ortes  als beachtlich an, es sei aber auch für einen Berufstätigen machbar. Vieles müsse eben nach Feierabend getan werden.

Antony wird sich nicht aus der Kommunalpolitik verabschieden, er möchte für den Verbandsgemeinderat und den Kreistag kandidieren. Für das Amt des Ortsbürgermeisters in Schönecken gibt es nun zwei Wahlvorschläge. Rita Thielen tritt für die Freie Wählergemeinschaft Schönecken an, und Johannes Arenth ist der Kandidat der CDU. Es ist gar nicht so leicht, die Ortsbürgermeisterin von Bleialf, Edith Baur, an den Apparat zu bekommen. „Versuchen Sie es weiter, wie im Glücksrad“, sagt sie, da sie gerade in einer Besprechung sei. Als es doch klappt, müssen die Kartoffeln eben kurz warten. Edith Baur, seit 15 Jahren Ortschefin der 1217-Einwohner großen Gemeinde, ist die erste Frau, die Bleialf „regiert“ hat. Nun geht diese Ära zu Ende. Die Krankenschwester und Gemeindeschwester plus tritt aus persönlichen Gründen nicht mehr an, betont aber: „Es hat mit unheimlich Spaß gemacht.“ Die Ortschefin wird auch nicht für den Gemeinderat kandidieren.

Laut Dieter Schumacher von der Verbandsgemeindeverwaltung Prüm können die Bleialfer sich nun zwischen zwei männlichen Bewerbern entscheiden. Für die CDU tritt Hanns-Peter Küster an, und Richard Heinz ist der Wahlvorschlag der Freien Wählergemeinschaft Bleialf.

„Ortsbürgermeister von Arzfeld zu sein, das ist  ein Fulltime-Job“, sagt Peter Antweiler. Der 73-Jährige, Mitglied der Freien Wählergemeinschaft, stellt sich nicht mehr zur Wahl. In Arzfeld mit seinen 1364 Einwohnern stehe viel auf dem Programm. Für eine Mitarbeit im Gemeinderat stehe er auch nicht zur Verfügung. Antweiler bedauert es, dass die Arzfelder nicht zwischen zwei Bewerbern entscheiden können. Einziger Kandidat für die Wahl ist CDU-Mann Walter Heinisch.