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Wer vertritt den Eifelkreis im Landtag?

Bitburg-Prüm : Wer vertritt den Eifelkreis im Landtag?

Am 29. Dezember war Annahmeschluss für die Landeslisten der Kreisverbände. Am 14. März haben Sie die Wahl. Der TV stellt die Kandidaten vor.

In genau 69 Tagen, wenn am Abend die Wahllokale in Rheinland-Pfalz schließen, wird abgerechnet. Sicher: Spannend wird sein, welche Partei die besten Ergebnisse einfahren wird und welche Koalitionen für die bis 2026 laufende Legislaturperiode geschmiedet werden - doch zumindest genauso spannend ist, wer die Menschen sind, die sich im Eifelkreis zur Wahl stellen. Welche politischen Ziele verfolgen sie und mit welchen Ideen und Vorhaben wollen sie den Bürgern des Wahlkreises 21 in Mainz eine Stimme geben? Wir stellen die Kandidaten in alphabetischer Reihenfolge ihrer Parteien vor.

AfD (Alternative für Deutschland): Boris Schnee (49), lebt in Preist, Informatiker, Marketingmanager und Mitglied des Kreistags Bitburg-Prüm.

„Ich möchte mich auf Dinge konzentrieren, die unser tägliches Leben beeinflussen und beeinträchtigen“, sagt Schnee. Auf seiner Agenda stehen die flächendeckende Versorgung mit Glasfaseranschlüssen und eine verlässliche Mobilfunk-Abdeckung in 4G oder 3G. „Und dabei beziehe ich mich explizit nicht auf 5G“, fügt Boris Schnee hinzu. Kinder seien in dieser besonderen Zeit auf virtuellen Unterricht angewiesen, viele Eltern müssten im Homeoffice arbeiten.

Weiterhin solle die Attraktivität des Lebens auf dem Dorf vor allem für junge Leute erhöht werden, um Landflucht zu verhindern. „Wohnungsnot, Kriminalität bis hin zur Gettoisierung in den Ballungsgebieten - die Probleme sind bekannt.“ Auch spiele eine gut ausgebaute Infrastruktur eine große Rolle auf dem Land: „Gut ausgebaute Straßen, um Mobilität zu gewährleisten, ein vernünftiges öffentliches Verkehrsangebot, aber auch dezentrale Strukturen, die unnötige Wege ersparen - dafür möchte ich mich einsetzen“, sagt Schnee. 

Bündnis 90/Die Grünen: Lydia Enders (46), lebt in Bettingen und ist seit 2017 Geschäftsführerin des Kreisverbands und Mitglied des Verbandsgemeinderats Bitburger Land.

„Ich will mich für den ländlichen Raum einsetzen, denn meiner Meinung nach kommt dieses Thema in Mainz zu kurz“, sagt Enders. Besonders wichtig seien ihr dabei die Themen Landwirtschaft, Umwelt, Ernährung und Bildung. „Ich will für meine Kinder eine lebens- und liebenswerte Region“, ergänzt die vierfache Mutter.

CDU (Christlich Demokratische Union): Michael Ludwig (55), Unternehmer, lebt in Bitburg und wurde im Mai 2020 Nachfolger von Michael Billen im rheinland-pfälzischen Landtag.

 „Die Lebensbedingungen im ländlichen Raum dürfen nicht schlechter sein als in den Städten“, sagt Ludwig. Dies drücke sich besonders in den Bereichen Gesundheit, Mobilität und Digitalität aus. „Die Grundversorgung in den Dörfern muss gewährleistet sein.“ Zudem brauche die Landwirtschaft Anerkennung und Unterstützung auf allen politischen Ebenen: „Die Landwirte erhalten und pflegen die eifeltypische Kulturlandschaft und sind die Umweltschützer Nr.1“, sagt der Landtagsabgeordnete der CDU. Die regionale Vermarktung der in der Region produzierten Lebensmittel müsse unbedingt stärker gefördert werden. Weitere Themen auf Ludwigs Agenda sind die Verbesserung der finanziellen Ausstattung der Gemeinden und der Tourismus, der eine große Chance für die Eifel sei.

FDP (Freie Demokratische Partei): Jürgen Krämer (49), selbständiger Finanzberater, lebt in Brandscheid und ist Kreisvorsitzender seiner Partei.

„Nach der Pandemie wird es wichtig sein, dass sich Leute mit wirtschaftlichem Sachverstand einbringen“, sagt Krämer. Er sei seit 30 Jahren in der Finanzbranche tätig und habe in seinem Berufsleben einige weltweite Finanzkrisen erlebt. Die Erfahrungen, wie sie zu meistern sind, wolle er gerne einbringen. Darüber hinaus sind Krämer der Umweltschutz und der Kampf gegen den Klimawandel wichtig: „Ich bin Hobby-Imker, bewirtschafte mehrere Hektar Getreideflächen und auch Jäger - der Erhalt der Natur liegt mir sehr am Herzen“, sagt der FDP-Politiker.

FWG (Freie Wählergemeinschaft): Jakob Streit (21), absolviert ein duales Studium bei der Deutschen Bundesbank, lebt in Bitburg, und ist der Direktkandidat der Freien Wähler im Kreis Bitburg-Prüm.

„Es soll uns in der Eifel an nichts fehlen“, erklärt Jakob Streit. Er will sich unter anderem dafür einsetzen, Schulen und Kitas zu stärken, ärztliche Versorgung sicherzustellen und die Krankenhäuser in der Region zu erhalten. „Wir müssen uns den Herausforderungen der Zukunft stellen und diese Themen anpacken“, sagt Streit. Um die Lebensqualität in der Eifel zu halten und zu verbessern, sei es wichtig, über die Zukunft der Dörfer nachzudenken. „Der Ausbau der Mobilität ist wichtig - ebenso Bildung, denn sie ist unser wichtigster Rohstoff. Deshalb darf bei Kitas und Schulen nicht gespart werden.“ Eine Verbesserung der digitalen Infrastruktur sei unabdingbar: „Die Arbeitsplätze der Zukunft gibt es nicht nur in den Städten, sondern auch zu Hause auf dem Land“.

Auch Joachim Streit, Jakobs Vater und amtierender Landrat des Eifelkreises, tritt für die Freien Wähler an - allerdings als Spitzenkandidat des Landesverbands. Daher beziehen sich seine
Wahlkampfthemen auf ganz Rheinland-Pfalz, sind aber auch auf die Eifel übertragbar: „Egal, was die Zukunft bringt, bei Kitas und Schulen wird nicht gespart“ heißt es beispielsweise in Streits Wahlprogramm. Weitere Vorhaben sind unter anderen die finanzielle Entlastung der Kommunen durch das Land, die Sicherung der ärztlichen Versorgung, flächendeckender Mobilfunk, die Stärkung des Ehrenamts und ein Entschädigungsgesetz für die von der Coronabekämpfungsverordnung betroffenen Unternehmen. Interessantes am Rande: Joachim Streit liegt bei der Anzahl seiner Follower in den sozialen Medien knapp hinter Ministerpräsidentin Malu Dreyer und vor Christian Baldauf (CDU) und Anne Spiegel (Bündnis 90/Die Grünen). Beide sind Spitzenkandidaten ihrer Parteien in RLP.

Die Linke Marco Thielen (41), Altenpfleger, lebt in Prüm-Weinsfeld.

„Wir müssen die Abwanderung aus den Dörfern stoppen, indem wir sie attraktiver gestalten“, sagt Thielen. Dazu gehörten der Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs und der Breitbandverbindungen ebenso wie die Gewährleistung der ärztlichen Versorgung im ländlichen Raum. „Meiner Meinung nach müssen wir die Privatisierung von Krankenhäusern verhindern beziehungsweise sie in kommunale Hände zurückführen“, sagt Thielen.

ÖDP (Ökologisch-Demokratische Partei): Günter Newen (54), Bauleiter, lebt in Sülm und ist seit 2016 Mitglied der ÖDP.

„Als Direktkandidat für den Wahlkreis Bitburg-Prüm möchte ich mich vor allen Dingen für einen konsequenten Gewässer- und Bodenschutz einsetzen“, sagt Newen. Das beinhalte insbesondere den Schutz des Grundwassers vor schädlichen Einträgen wie beispielsweise Nitrat und PFC (Per- und polyfluorierte Chemikalien), aber auch anderer Gifte aus der Umwelt, der Wirtschaft, dem Verkehr oder der Landwirtschaft. „Wir müssen leider feststellen, dass die Grundwasserspiegel in den vergangenen Jahren zunehmend gefallen sind. Um so wichtiger ist ein nachhaltiger Umgang mit unserem Lebenselixier.“

Bildung und die Mobilität in einem Flächenkreis wie Bitburg-Prüm seien weitere Faktoren von zentraler Bedeutung. „Wenn wir den Klimawandel stoppen wollen, müssen wir Mobilität anders denken“, sagt Günter Newen. „Dazu gehört aus meiner Sicht auch die Installation von öffentlichen Ladestationen für Elektro-PkW in jedem Dorf.“

SPD (Sozialdemokratische Partei Deutschlands): Nico Steinbach (36), Bankkaufmann, Fachwirt, lebt in Oberweiler und ist seit 2015 Milglied des Landtags.

„Die Gesundheitsversorgung in unserer Region hat für mich allerhöchste Priorität“, sagt der Landtagsabgeordnete. Neben Initiativen wie der Landarztquote oder den mobilen Praxisassistenten wolle er sich für örtliche Gemeindesanitäter einsetzen, die bei akuten Behandlungen und der hausärztlichen Versorgung unterstützend mitwirkten. Außerdem auf Steinbachs Agenda: „Wir sind auf den Zusammenhalt der Menschen vor Ort angewiesen, viele Projekte und Maßnahmen fußen auf ehrenamtlichem Engagement. Dies müssen wir finanziell und organisatorisch stärken, beispielsweise mit einem Dorfbudget für Projekte im Ehrenamt.“

Damit ließen sich kleinere Eigeninitiativen in den Orten einfach und schnell umsetzen.

Der Tourismus habe an großer Bedeutung in der Region gewonnen, vor allem der ganzjährige und umweltschonende Tourismus. „Hier schlummern noch viele ungenutzte Potenziale im Eifelkreis, um Gemeinden weiterzuentwickeln und Arbeitsplätze zu schaffen“, sagt Steinbach. Dazu gehöre der Umweltschutz und damit der Ausbau regenerativer Energien, gewässerschonende Landwirtschaft und die Stärkung der regionalen und nachhaltigen Lebensmittelproduktion: „Es gilt, die den natürlichen Lebensraum unzähliger Pflanzen- und Tierarten in der Eifel zu erhalten - und damit die Grundlage unseres Lebens.“