Wer Windkraft sät…

Radarstationen, Schutzgebiete und jetzt auch noch der Schwarzstorch: Windkraft-Planer im Bitburger Land haben es nicht leicht. Und die Offenlage fördert noch weitere Probleme zutage.

Pickließem Mit den Überbringern schlechter Nachrichten gingen die alten Griechen bekanntlich nicht zimperlich um. Nicht selten fanden Boten den Tod. Nun kann Reinhord Hierlmeier froh sein, dass diese Zeiten vorbei sind. Denn der Geograf scheint immer nur schlechte Nachrichten zu haben, wenn er vor den Verbandsgemeinderat Bitburger Land tritt.
Hierlmeier arbeitet für das Trierer Planungsbüro BGH Plan und betreut die VG in Sachen Flächennutzungsplan (FNP) und Windanlagen. Diesmal hat der Wissenschaftler die Ergebnisse einer Offenlage im Gepäck. Behörden und Bürger konnten sich zu den Windkraft-Plänen der VG äußern. 75 Stellungnahmen kamen zusammen und eine ganze Menge Probleme. Ein Überblick:

Naturschutz: Die Oberste Umweltbehörde lehnt Windanlagen im Landschaftsschutzgebiet Salmwald ab. Die Begründung: Das Gelände zwischen Ueß und Kyll sei bislang völlig unberührt. "Die Chancen sind nahezu Null, dass die Fläche genehmigt wird", sagt Planer Hierlmeier. Das heißt: Eine Sonderfläche von etwa 500 Hektar fällt weg. Und damit nicht genug. Der Schwarzstorch wurde gesichtet. Und wo der seltene Vogel brütet, dürfen keine Anlagen stehen. Die Fläche, auf der gebaut werden darf, verkleinert sich also weiter.
In einem anderen Schutzgebiet könnte die VG aber vielleicht Rotoren aufstellen. Jedenfalls wenn man der Stellungnahme eines Projektierers folgt. Der sagt: Innerhalb des Biotops "Kortbüsch" bei Meckel gebe es auch Ackerland. Und das steht in der Eifel nicht unter Schutz - gibt es davon hierzulande doch genug. Dort könne man, mit Genehmigung, also neue Gebiete ausweisen.

Wetterradar und Drehfunkfeuer: Um das Regenradar in Neuheilenbach gibt es eine Tabuzone. Im Umkreis von fünf Kilometern darf kein Windrad stehen - so fordert es der Deutsche Wetterdienst. Denn die Rotoren reichen in die Atmosphäre hinein, können Messwerte verfälschen.
Ob die Beeinflussung so gravierend ist? Jedenfalls könnte die VG die Tabuzone anfechten. Dadurch würden potentiell etwa 500 Hektar für Sonderflächen frei.
Um an die zu kommen, müsste die VG sich allerdings mit dem Umweltministerum anlegen. Letzteres spricht sich in der Offenlage gegen eine Aufhebung oder Verkleinerung der Tabuzone aus. Weitere Probleme könnte das Drehfunkfeuer in Nattenheim machen. Die Deutsche Flugsicherung, die die Station betreibt, will verhindern, dass im 15-Kilometer-Radius um den Ort Windanlagen aufgestellt werden.
Hierlmeier glaubt aber nicht, dass es am Ende bei einer so großen Sperrzone bleibt: "Die Projektierer dürfen nicht zu nahe ran. Am Ende werden sie dann vielleicht drei statt fünf Anlagen bauen dürfen."

DieGröße der Flächen: Die Landesregierung hat neue Vorgaben zur Planung von Windanlagen aufgestellt (der TV berichete). Eine davon: Nicht nur der Turm eines Windrades muss innerhalb der Sonderfläche liegen, sondern auch der Rotor. Probleme gibt es, wenn Anlagen direkt am Rand solcher Zonen geplant werden, die Blätter der Turbinen herausragen.
Nur liegen dort manchmal die Stellen mit der höchsten Windgeschwindigkeit, also dem höchstem Ertrag. So ist es auch bei einigen Arealen im FNP Bitburger Land. Ein Gebiet in der Nähe von Oberweis würde komplett wegfallen, wenn nicht mehr am Rand gebaut werden dürfte. Denn dann wäre dort nicht mal mehr Platz für drei Rotorentürme - das Minimum.
Wenn der Rat die Gebiete nicht verlieren will, muss er die Sonderflächen vergrößern. So die Lösung von Hierlmeier. Dadurch könnten die Anlagen aber näher an Wohngebiete rücken, was wiederum für Probleme sorgen könnte.

Wie es weitergeht: Offensichtlich gibt es viel zu besprechen, verhandeln, beschließen. Setzt der Rat sich über die Empfehlungen der Behörden hinweg? Wird er damit Erfolg haben? Das bleibt abzuwarten. Heute treffen die Politiker noch keine Entscheidung. Klar ist aber: Die Flächen schrumpfen weiter.
Das Schlusswort hat VG-Bürgermeister Josef Junk: "Manche sagen, wir würden nicht voran machen. Aber solche Dinge brauchen eben Zeit."

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