Werke aus Pappe zeigt die neue Ausstellung im Haus Beda in Bitburg

Ausstellung in der Neuen Galerie in Bitburg : Papier, Pappe, packend, passt

Am Anfang das Thema Papier, herausgekommen ist die Ausstellung „Nicht von Pappe“. Und die kann sich sehen lassen. Eröffnung ist am Sonntag, 22. September, in der Neuen Galerie von Haus Beda in Bitburg.

Ein Leben ohne Papier? Keine Bücher, keine Briefe, keine Zeitung. Papier ist der Stoff, auf dem Ideen, Gedanken, Kenntnisse und Fertigkeiten transportiert wurden und werden – von Kontinent zu Kontinent, durch die Jahrhunderte, vor dem Internet noch mehr als heute. Die Kulturgeschichte der Menschheit ist eng verknüpft mit der Geschichte des Papiers. Früher in aufwendiger Handarbeit gefertigt, war Papier kostbar. Und das, was darauf stand auch.

Aber Papier ist nicht nur die Leinwand für Buchstaben, Farben und Formen. Wie unterschiedlich Papier künstlerisch verarbeitet werden kann, fasziniert Ute Bopp-Schumacher. „Wir wollten unbedingt mal eine Ausstellung zum Thema Papier machen“, sagt die promovierte Kunsthistorikerin, die seit zehn Jahren als Kuratorin zusammen mit Stephanie Kaak vom Stiftungsrat der Dr.-Hanns-Simon-Stiftung die Ausstellungen in der Neuen Galerie im Haus Beda konzipiert.

Angefangen hat alles 2009. Damals wurde die Galerie eröffnet mit einer Schau von Martin Noël. Für den Künstler war die Bitburger Ausstellung seine letzte. Er starb ein Jahr später. Vier großformatige Werke Noëls begrüßen den Besucher nun im Eingang zur aktuellen Ausstellung. Ein Brückenschlag zu den Anfängen. Damals konnte keiner ahnen, wie groß der Zuspruch auch die modernen Ausstellungen sein wird.

„Inzwischen haben wir uns einen Namen gemacht. Die Besucher kommen aus der ganzen Region nach Bitburg“, sagt Bopp-Schumacher, die diesen Erfolg auch darauf zurückführt, dass von jeder der Ausstellungen immer ein Katalog gemacht wird. Kleine Sammlerstücke. „Da bleibt das Gesehene in Erinnerung und man kann den Katalog auch mal Freunden zeigen und sie von einem Besuch überzeugen.“

Für 19 Ausstellungen war Bopp-Schumacher seit dem Auftakt mit Martin Noël verantwortlich. Neben Einzelausstellungen zeitgenössischer Künstler ist die Neue Galerie längst auch für ihre großen Themenausstellungen bekannt. „Fette Beute“ mit Bildern aus mehreren Jahrhunderten zu Jagd, „Mythos Wald“ mit 50 Werken von 30 Künstlern aus 150 Jahren oder die Projekte in Zusammenarbeit mit der Galerie Schwarzer aus Düsseldorf wie „Meister der Klassischen Moderne“, bei der von Chagall bis Kokoschka und Picasso bis Pechstein schon ein gutes Stück Kunstgeschichte in Bitburg zu sehen war.

„Das, was hier seit zehn Jahren geboten wird, ist wirklich nicht von Pappe“, sagt Bopp-Schumacher. Und so war der Titel für die aktuelle Jubiläums-Ausstellung schnell gefunden. Was nicht aus Pappe ist, kann sich sehen lassen. Und das können sich die Ausstellungen in der Neuen Galerie allesamt.

Damit solche zeitgenössischen Arbeiten, ob Fotografien, Skulpturen oder Gemälde, aber überhaupt im Raum wirken, hat es in Bitburg erst mal ein passendes Ambiente gebraucht. Rund 250 000 Euro hat die Dr.-Hanns-Simon-Stiftung in die Neue Galerie gesteckt. Angesichts der wachsenden Resonanz auf die Ausstellungen eine lohnende Investition.

Dieses Mal werden Arbeiten von sechs Künstlern, die Papier oder Pappe in Szene setzen, gezeigt. Zu ihnen gehört Martin Spengler, der in einem aufwendigen Verfahren Wellpappe verklebt und dann daraus dreidimensionale Bilder meißelt, die feingliedrige Strukturen wie beispielsweise die von Hochhäusern oder einer Kathedrale nachbilden. „Das ist absolut beeindruckt, wie er diese Fassaden einfängt. Man meint, wirklich den Dom zu sehen“, sagt Bopp-Schumacher.

Völlig anders geht Simon Schubert mit Papier um: Er faltet sein Ausgangsmaterial immer wieder, bis eine reliefartige Struktur mit Höhen und Tiefen entsteht, die – im Zusammenspiel mit dem passenden Licht – Treppenhäuser, Flure oder Ballsäle zeigt. Leere Räume aus weißem Papier – oder ist da vielleicht doch jemand? Werner Müller wiederum kreiert plastische Objekte aus Pappe wie etwa eine überdimensionierte Weinbergschnecke, deren Oberfläche er wie ein Maler gestaltet und dabei Farbe und Struktur der Pappe nutzt.

Von gegenständlich bis abstrakt: Die Bandbreite der gezeigten Arbeiten ist groß. So spielt Werner Haypeter damit, welche Wirkung entsteht, wenn Papier gefaltet wird, ein darunter liegendes Stück Papier durchschimmert und mehrere Ebene entstehen, die zu Räumen werden. André Schweers wiederum arbeitet mit Papierguss und setzt das Material ansich in Szene. „Seine Arbeiten erinnern an alte Handschriften und frühen Buchdrucke“, sagt Bopp-Schumacher.

Während Schweers an die Anfänge des einst so kostbaren Papiers anknüpft, nutzt der chinesische Künstler Xue Liu die Pappe wie einen Skizzenblock für seine unzähligen mit schneller Hand hingeworfenen Menschen, die er, wie Bopp-Schumacher sagt, „in manischer Art“ fertigt. Auch das macht die Bandbreite der Ausstellung deutlich, die durchdachte in mühevoller Kleinarbeit aufwendig gefertigte Arbeiten neben den spontanen Ausdruck stellt. Kurzum: Nicht von Pappe, diese Schau. Unbedingt ansehen.

Haus Beda Bitburg Ausstellung nicht von Pappe - neue Galerie. Foto: TV/Dagmar Dettmer
Hier gibt es jede Menge zu entdecken: Kuratorin Dr. Ute Bopp-Schumacher zeigt in der aktuellen Ausstellung in der Neuen Galerie eine große Bandbreite zeitgenössischer Arbeiten, die Pappe und Papier in Szene setzen. Foto: TV/Dagmar Dettmer
Haus Beda Bitburg Ausstellung nicht von Pappe - neue Galerie. Foto: TV/Dagmar Dettmer

Die Eröffnung in der Neuen Galerie von Haus Beda ist am Sonntag, 22. September, um 11.30 Uhr. Auch die Künstler sind vor Ort. Weitere Informationen unter www.die-neue-galerie.de

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