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Werkstattladen in Weinsheim gibt es jetzt auch online

Lebenshilfe : Werkstattladen gibt es jetzt auch online

Die EuWeCo GmbH betreibt in Weinsheim einen Laden, für den geistig und psychisch Beeinträchtigte handgefertigte Produkte herstellen. Da wegen der Corona-Pandemie keine Besuchergruppen mehr kommen konnten, haben die Mitarbeiter im April einen Online-Shop eröffnet.

„Frohe Weihnachten“ steht in silberner Schrift auf der blauen Karte, die Anita Feil noch mit mehreren Sternen verziert. Die Kartenproduktion für die Festtage ist im Werkstattladen der Europäischen Werkstätten Cooperation (EuWeCo) bereits in vollem Gange.

Dort arbeiten vorrangig psychisch und geistig Beeinträchtigte. Sie fertigen Schmuckstücke, Deko-Artikel und Accessoires an, die sie dann im Laden eigenständig den Kunden präsentieren und verkaufen. „Die Idee zum Werkstattladen ist aus einem ganz kleinen Projekt heraus entstanden, das Marie-Therese Niesen angeregt hat“, sagt David Fürsatz, Abteilungsleiter Arbeitsvorbereitung bei der EuWeCo.

Marie-Therese Niesen, die im Werkstattladen zuständig für Design, Marketing und Verkauf ist, hatte nämlich damals vorgeschlagen, selbst Schmuck herzustellen und ihn am Tag der offenen Tür zu verkaufen. Und das entpuppte sich als der Renner. Daraufhin hat man in einer der Produktionshallen ein kleines Atelier eingerichtet. Da die Resonanz auf den Schmuck weiterhin groß war, hat man beschlossen, im neuen Hallen-Anbau einen Laden zu eröffnen.

Nach und nach wurde das Sortiment erweitert. Längst werden nicht mehr nur Ketten, Armbänder und Ohrringe verkauft. Es gibt selbst gemalte Bilder, selbst genähte Produkte, wie Masken und Schürzen, Insektenhotels, Körbe, Taschen und sogar Gürtel, die individuell vor Ort auf den Leibesumfang des Trägers angepasst werden. In der hauseigenen Schreinerei werden Sterne, Vogelnistkästen und Stiefelknechte hergestellt. „Im Fokus sind Eigenprodukte unserer Werkstätten, um uns auch unabhängig von der Industrie zu machen“, sagt Fürsatz.

Um die ganze Vielfalt zu erfassen und sich bei der Produktion vor Ort ein Bild zu machen, können sich Besuchergruppen anmelden, die durch die Werkstatt und den Laden geführt werden. Einkaufen kann man auch jederzeit ohne Anmeldung. Doch in der Lockdown-Phase  der Corona-Pandemie musste der Laden geschlossen werden, sodass sich die Betreuer überlegt haben, einen Online-Shop zu eröffnen.

Der ist nun seit dem 20. April im Netz und hat schon mehr als 100 Artikel gelistet. „Auch bei dieser Arbeit wollen wir zukünftig unsere Mitarbeiter mit einbinden. Sie könnten beispielsweise die Fotos machen und die Artikel einstellen“, sagt Fürsatz. Ihre „Klienten“, wie sie von den Betreuern genannt werden, in die tägliche Arbeit zu integrieren, ist ihnen ein großes Anliegen. „Uns ist wichtig, dass unsere Leute die Kunden im Laden selbstständig beraten, die Verkäufe abwickeln und im eigenen Atelier individuellen Schmuck und andere Dinge herstellen“, sagt  Niesen.

Jessica Werner, einer der Klientinnen, arbeitet mit sichtlich großer Freude im Atelier und bedient die Kundschaft im Laden. „Am liebsten mache ich Karten, Ketten und Rosenkränze“, sagt die junge Frau.

Beim Material wird darauf geachtet, dass möglichst keine Ware aus Asien verarbeitet wird. „Die Perlen und die Ledergürtel kommen aus Italien. Wir beziehen alles über deutsche Firmen“, sagt  Niesen.

Mit dem Sortiment möchte man alle Altersgruppen ansprechen. Und dass die Ketten auch für den Laufsteg taugen, hat Margret Gasper, Modedesignerin aus Waxweiler, eindrucksvoll bewiesen, als sie sich für eine ihrer Modenschauen im Werkstattladen glitzernde Ketten individuell anfertigen ließ.

Marie-Therese Niesen (links) ist zuständig für das Design der Ketten, die Jessica Werner gerne herstellt und im Laden verkauft. Foto: TV/Stefanie Glandien
Ein Blick in die Werkstatt, wo fleißig an den Produkten für den Werkstattladen aber auch für die Industrie gearbeitet wird. Foto: TV/Stefanie Glandien
Anita Feil arbeitet an einer Weihnachtskarte. Foto: TV/Stefanie Glandien
Im Werkstattladen werden auch selbst gefertigte Kunstwerke verkauft. Diese sind unter anderem gemalt von (von vorne links): Brunhilde Kockelmann, Georg Krisor, Anita Feil und Jessica Werner. Foto: TV/Stefanie Glandien
Marco Bermes sortiert zusammen mit den Betreuerinnen Annika Backes und Janina Kemmerling Schrauben für ein auswärtiges Unternehmen. Foto: TV/Stefanie Glandien
Georg Krisor und Gabi Cormann bei der Arbeit für den Werkstattladen. Foto: TV/Stefanie Glandien
Werkstattladen Foto: TV/Stefanie Glandien
Werkstattladen Foto: TV/Stefanie Glandien

Die Produkte aus dem Laden stammen zum Teil auch aus den Werkstätten der Lebenshilfen aus dem Eifelkreis Bitburg-Prüm und dem Vulkaneifelkreis. Auch mit einer Werkstatt für Beeinträchtigte in Belgien gibt es eine Kooperation. „Es gibt da ein Lädchen in St. Vith, die Produkte von uns im Sortiment haben und wir haben welche von denen. Einer hilft dem anderen“, sagt Niesen. Durch den eigenen Laden würden nicht nur das Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl der Mitarbeiter gestärkt, sondern auch die handwerklichen Fähigkeiten gefördert. Ziel sei, die Mitarbeiter soweit zu befähigen, dass sie auf dem ersten Arbeitsmarkt arbeiten können, sagt sie. Anita Feil hat drei Karten fertig und zeigt sie Marie-Therese Niesen. „Superschön“, urteilt diese. Die zwei schönsten werden ausgesucht und dienen nun als Vorlage für viele weitere, die in der Werkstatt hergestellt werden. Denn  — oh Schreck — in knapp drei Monaten ist ja schon wieder Weihnachten.