Wermutstropfen im Glühwein

BITBURG. In die positive Bilanz des neuartigen Bitburger Weihnachtsmarkts mischt sich Enttäuschung über die verhinderte Zusammenarbeit mit dem Gewerbeverein.

Die ideale Lösung lag buchstäblich ganz nah. Die Bitburger Gastronomen Björn Kaiser und Alain Moulai hätten für ihren Weihnachtsmarkt in der Fußgängerzone am liebsten die Hütten des Gewerbevereins (GV) Bitburg gemietet. Die Stadtverwaltung hatte angeboten, die 14 Buden kostenlos vom Flugplatz zur Innenstadt zu transportieren und dort aufzubauen. Doch mehrere Gespräche mit dem GV-Vorsitzenden Herbert Scheider blieben ergebnislos (derTV berichtete). "Der Gewerbeverein wollte mit jedem einzelnen Standbetreiber je nach erwartetem Umsatz vertraglich festlegen, wie viel Miete zu zahlen ist", erklärt Björn Kaiser. "Das wäre ungerecht, kompliziert und zu teuer für die Betreiber gewesen. Außerdem war der Verein doch gar nicht Veranstalter des Markts." Scheider versteht die Aufregung nicht: "Wir konnten doch nicht einem allein alle Hütten geben. Wer bezahlt dann den Schaden, wenn Häuschen kaputt gehen?" Schließlich zahle der GV allein 1000 Euro Miete im Jahr für das Hütten-Lager auf dem Flugplatz. Die Spitzenmiete beim Weihnachtsmarkt von 250 Euro sei nur für zwei bestimmte, speziell eingerichtete Hütten im Gespräch gewesen. Diese Hütten mietete jedoch unabhängig vom eigentlichen Weihnachtsmarkt Hajo Römer, um darin auf dem Postvorplatz "Am Spittel" Glühwein und Würstchen zu verkaufen. "Die 14 übrigen Hütten hätten wir für je 50 Euro vermietet", sagt Scheider. "Auf dieses Angebot sind die Veranstalter aber dann gar nicht mehr eingegangen." Diese Behauptung weisen Kaiser und Moulai zurück: "Es war doch von Anfang an klar, dass Hajo Römer wie jedes Jahr die beiden Hütten bekommt. Für die 14 übrigen verlangte Herbert Scheider aber jeweils zwischen 30 und 300 Euro Miete." Die vorgesehene Kaution von rund 100 Euro pro Hütte hätten die Gastronomen akzeptiert, so dass der Verein auf der sicheren Seite gewesen wäre. Nach dem Scheitern der Verhandlungen nahm das Gastronomen-Team Kontakt mit anderen Gewerbevereinen auf. Franz Jung, Geschäftsführer des GV Daun: "Wir waren grundsätzlich bereit, aber ein Dauner SB-Markt kam den Bitburgern zuvor." Also glühten weiter die Drähte. Die Bitburger importierten schließlich sechs Hütten vom GV Arzfeld, drei von den Speicherer Pfadfindern und elf vom GV Bad Bertrich. "Zum An- und Abtransport mussten wir Speditionen beauftragen und einen Privat-Laster einsetzen", ärgert sich Kaiser über den Zusatzaufwand. "Mit dem Gewerbeverein selbst haben wir kein Problem", stellt Moulai klar. GV-Mitglieder und sogar Beisitzer aus dem Vorstand hätten sich vom Vorgehen Scheiders und seines Stellvertreters Sebastian Weber distanziert, berichten die Gastronomen. NachTV -Informationen gab es im weiteren Zusammenhang mehrere Austritte aus dem GV.Scheider: "Wie machen keine Alleingänge"

"Wir machen keine Alleingänge. Sowohl im Vorstand als auch im Stadtmarketing hatten wir über das Thema gesprochen", versichert Scheider. "2005 werden wir unsere Hütten wieder zur Miete oder sogar zum Verkauf anbieten." Angesichts der Probleme im Vorfeld freuten sich Björn Kaiser, Alain Moulai & Co. um so mehr über zufriedene Marktleute, Händler und Bürger(siehe Hintergrund) . Die Gastronomen sehen sich bestätigt und planen eine Neuauflage im Advent 2005. Und wenn das Hotel Eifelstern dann einen eigenen Markt im Röhler Wald ausrichtet? "Das ergänzt sich wunderbar, und alle profitieren gegenseitig davon", betont Mitorganisator Johannes Alff. "Das zieht zusätzliche Touristen nach Bitburg, die auch in der Innenstadt vorbeischauen."