Westernreiten: Präziser als Dressur, waghalsiger als Springen

Dackscheid · Durch einen Vorhang oder Gatter öffnen, ohne abzusteigen: Trailreiter meistern Hindernisse, vor denen manchem Springreiter bange ist. Dabei arbeiten sie so präzise, dass jeder Dressurreiter neidisch würde. Beim ersten Trailturnier in Dackscheid haben Western- und Freizeitreiter gezeigt, wie gelassen und gut ausgebildet ihre Pferde sind.

Dackscheid. Gelassen schreitet Cheyenne durch den Vorhang aus rot-weißen Ketten; durch drei weitere mit Plastikbändern und Rohren geht es. Dann lehnt sich Magali Bordang im Sattel nach vorne, öffnet ein Gatter. Vorsichtig gehen die beiden hindurch. So eine Übung sei typisch für ein Trailreitturnier, sagt Diana Zahren. Die 33-Jährige aus Krautscheid ist Westerntrainerin mit B-Lizenz. Sie hat den neuen Hindernisparcours auf dem ehemaligen Sportplatz in Dackscheid entworfen. Tore, Gatter, Slalomstangen, eine Holzbrücke und ein Wassergraben sind fest installiert, andere Hindernisse wie Stangen und der Holzsteg mobil.
Es ist das erste Turnier, organisiert vom Prümer Reitverein und der luxemburgischen Westernreitervereinigung LCHA, auf dem Trailplatz, der kürzlich fertig geworden sei, sagt Luc Schmitz. Der 36-Jährige aus Bissen in Luxemburg gestaltet seit Mai das Gelände um und will Training für Freizeit-Westernreiter anbieten. Viele der 30 Reiter tragen Hut und sind Westernreiter. Aber auch einige Freizeitreiter machen mit, denn: "Trail bedeutet zu Deutsch Wanderritt", sagt Zahren. "Wir stellen in unserem Parcours Hindernisse nach, die uns auf einem Wanderritt begegnen können." So würden etwa Stangen auf dem Boden Unterholz simulieren.
Über die Brücke zu reiten sieht simpel aus. Doch Pferde haben Angst, wenn es unter ihren Hufen hohl klingt. "Das Pferd muss dem Reiter willig vertrauen", sagt Zahren, "sonst wird es den Parcours nicht schaffen." Reiterliches Können ist gefragt. Auf dem schmalen Holzsteg muss der Reiter geradeaus reiten. Bereits die Kleinen zeigen ihren Vierbeinern, wo es langgeht. Als Joker vor dem Wassergraben stehen bleibt und rückwärts geht, treibt ihn Joana Hennes (7) energisch an. "Pferde reagieren auf ungewohnte Situationen mit Anhalten, Gucken und panikartigem Rennen", kommentiert ihre Mutter Diana Zahren. So weit kommt es nicht. Joker wehrt sich zwar, doch dann stapft er durchs Nass. Joana meistert den Parcours und ist bei der Siegerehrung mächtig stolz auf ihre Schleife.
Die mehr als 300 Gäste spenden reichlich Beifall, wenn die Reiter in der Kinder-, Anfänger- und offenen Klasse ihren Parcours beendet haben. Während der Ritte ist es still, Reiter und Pferd sind konzentriert. Zeit spielt keine Rolle beim Trailreiten; Genauigkeit ist gefragt. Etwa beim Gatter. Um es zu öffnen, durchzureiten und zu schließen, muss der Reiter sein Tier auf den Punkt anhalten, rückwärts und seitwärts richten. "Bewertet wird, wie das Pferd auf reiterliche Hilfen reagiert und in welcher Manier das Pferd die Hindernisse nimmt. Ist es hektisch, ängstlich oder ruhig", erklärt Zahren.
Hektik zeigen die wenigsten Teilnehmer. Und nur wenige haben wirkliche Schwierigkeiten. Doch es geht noch besser. Am Ende hat Sabrina Blatzheim aus Krautscheid mit ihrem Haflinger Pico die Nase vorn. mehi