Westwall-Bunker als Stein des Anstoßes

Westwall-Bunker als Stein des Anstoßes

PRÜM. Schnell reagiert hat die Bundesvermögensabteilung der Oberfinanzdirektion (OFD) Koblenz: Den Vorwurf, beim Abriss von Westwall-Bunkern auf dem Schwarzen Mann im vergangenen Jahr Steuergelder verschwendet zu haben, weist die Behörde mit Nachdruck zurück.

Für reichlich Unmut hat kürzlich der Abriss von Westwall-Bunkern auf dem Schwarzen Mann gesorgt. Den Stein ins rollen gebracht hat ein im Trierischen Volksfreund veröffentlichter Leserbrief. Darin monierte Arnold Buschmann aus Prüm den hohen Kostenaufwand einer nachträglichen Bunkerbeseitigung, der in keinem Verhältnis zum Nutzen stehe. Die Flächen blieben nämlich nach wie vor unnutzbar. Dort würden trotz knapper Kassen Steuermittel regelrecht verpulvert, schimpfte der pensionierte Prümer Justizbeamte und klagte: "Während in den Krankenhäusern auch unserer Region ganze Abteilungen geschlossen werden und während in unserem Lande Hunderttausende Schwerkranker mit der Stoppuhr in der Hand ,gepflegt‘ werden, weil für mehr angeblich kein Geld da ist, wird hier das Geld mit vollen Händen regelrecht aus dem Fenster geworfen."Ortstermin auf dem Schneifelhöhenweg

Diesen Vorwurf wollte die bei der Oberfinanzdirektion Koblenz angesiedelte Bundesvermögensabteilung nicht auf sich sitzen lassen. Sie vereinbarte mit dem Beschwerdeführer und weiteren interessierten Bürgern einen Ortstermin. Treffpunkt war der Schneifelhöhenweg. Im Herzen des ehemaligen Westwalls befinden sich nach wie vor zahlreiche von den Nationalsozialisten zwischen 1937 und 1939 errichtete mittlere und größere Befestigungsanlagen aus Stahlbeton. Nur wenige davon wurden bei der Ardennen-Offensive 1944/45 vernichtet. Die meisten Kriegskolosse ließ man stattdessen auf Anordnung der Alliierten sprengen, die Trümmer mit Boden überdecken und aus Gründen der Verkehrssicherung einzäunen. Beim Treffen in der Schneifel war Rainer Cloeren, Referatsleiter bei der Koblenzer Bundesvermögensabteilung, um Aufklärung bemüht: "Einen großen Teil der Westwallbunker haben wir bereits im Jahr 2000 an das Land Rheinland-Pfalz übereignet. An den Bunkern, die noch in unserer Obhut sind, werden keine Veränderungen vorgenommen, soweit die Verkehrssicherheit nicht beeinträchtigt ist", versicherte er. Auch die noch bestehenden Höckerlinien (Panzersperren aus Beton) in der Westeifel blieben in ihrem momentanen Zustand erhalten, unterstrich Cloeren. Der OFD-Mann begrüßt unterdessen, dass die Natur inzwischen die eingezäunten Bunkerreste wieder zurückerobert hat. Fast 60 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs haben sich die Überbleibsel einer unsäglichen Zeit zu Biotopen entwickelt. Tierarten wie beispielsweise Wildkatzen und verschiedene Fledermausarten, aber auch Kleinlebewesen und vom Aussterben bedrohte Pflanzen kann der Wanderer und Spaziergänger in unmittelbarer Nähe der Nachkriegsrelikte antreffen. Fakt ist derweil, dass im vergangenen Jahr auf dem Schwarzen Mann drei Bunker platt gemacht wurden. Nach den Worten von Forstrevierleiter Dieter Geider geschah dies allerdings ausschließlich aus Gründen der Verkehrssicherheit. Zudem seien an einigen Bunkern Schächte mit Erdreich gefüllt und Spalten mit Kameras untersucht worden.Abriss pro Bunker kostet bis zu 8000 Euro

Die Aktion habe sich durch das gesamte vergangene Jahr gezogen. Laut Dieter Geider gibt es immer noch rund 100 Bunker auf rund 1000 Hektar Waldfläche am Schwarzen Mann. Der Abriss kostet pro Bunker nach Angaben von Rainer Cloeren im Schnitt zwischen 7000 und 8000 Euro. Die Aufträge für die Anlagen in der Schneifel seien allesamt an Firmen aus der Umgebung vergeben worden. Die verbliebenen Bunker möchte sich nun der Naturpark Nordeifel - soweit möglich - zu Nutzen machen. Laut Prüms Verbandsgemeinde-Bürgermeister Aloysius Söhngen ist zur weiteren touristischen Erschließung der Schneifel ein "Bunker-Weg" geplant. Einige Verschanzungsanlagen sollen sogar zugänglich gemacht werden. Söhngen: "Der Westwall gehört nun einmal zur Geschichte dieses Gebiets."