WG der besonderen Art

DAUN. (red) Mit Behinderten leben wie in einer Familie: Alexander Weber, der 2003 am Geschwister-Scholl-Gymnasium Daun sein Abi gemacht hat, macht ein freiwilliges soziales Jahr in Frankreich.

Trosly-Breuil, ein kleines Dorf nördlich von Paris in der Nähe von Compiègne: In kleinen Dorfhäusern leben Wohngemeinschaften aus geistig behinderten Menschen und ihren Betreuern - junge Menschen aus aller Welt. Nebenan sind Arbeitszentren und Ateliers zur Beschäftigung angesiedelt. Dies ist seit Herbst vergangenen Jahres Heimat für Alexander Weber, der im Sommer 2003 sein Abitur am Geschwister Scholl Gymnasium Daun bestand. Für ihn stand von Anfang an fest: "Bevor ich in die Berufswelt einsteige, möchte ich mich im sozialen Dienst für andere Menschen engagieren." Über die Organisation "Initiative Christen für Europa e.V." (ICE) mit Sitz in Aachen und Dresden wurde er nach Frankreich an die Institution "L'Arche de Trosly" vermittelt. Die Arche ist eine religiöse Gemeinschaft, die es inzwischen in 29 Ländern auf allen Kontinenten gibt und die geistig behinderte Menschen aufnimmt und mit ihnen lebt. Das Zusammenleben steht im Vordergrund in diesen Wohngemeinschaften. Man lebt als Familie in einem Haus ("le foyer"). "Wir leben, essen, arbeiten und feiern gemeinsam." Jede Wohngemeinschaft organisiert ihren Tagesablauf mit Freizeit, Arbeit und Betreuung selbst. Dass dazu auch eine medizinisch-psychologische Rundum-Betreung gehört, ist selbstverständlich. "In meinem Haus leben 13 Behinderte und sieben Betreuer, von denen drei für die Hausarbeit zuständig sind und die anderen vier in Ateliers arbeiten oder Verantwortungsposten in der Gemeinde ausführen", erzählt Alex, "mein Tag beginnt kurz nach sieben. Wecken, Waschen und Anziehen der Behinderten steht am Anfang." Einmal in der Woche macht Alex mit den Behinderten das Frühstück. Nach dem gemeinsamen Frühstück beginnt die Arbeit in den Ateliers: Malen, Basteln, Musik, Sport. Der Dauner betreut dort eine Gruppe von acht Behinderten. "Danach treffen wir Verantwortlichen uns zur Planung, Besprechung oder Fortbildung. Mittags ist gemeinsames Essen, danach geht es wieder in die Ateliers", sagt Alex. Gegen 17 Uhr gibt es ein bisschen Freizeit für die Betreuer. Nach dem gemeinsamen Abendessen ist noch Zeit zum Singen. Mit einem gemeinsamen Gebet endet der Tag für die jungen Helfer gegen 21 Uhr. Daneben gibt es noch viele gemeinsame Aktivitäten im Dorf oder mit den anderen Gemeinschaften. "Wir bekommen eine sehr gute psychologische Betreuung, damit wir unsere Arbeit bewältigen können, denn es ist nicht leicht an das Gute und Richtige der eigenen Tätigkeit zu glauben, wenn eindeutige Rückmeldungen von Seiten der Behinderten fehlen." Trotzdem lautet Alex' Fazit nach mehreren Monaten: "Ich bin sehr glücklich hier. Das Zusammenleben mit den Behinderten gibt mir sehr viel. Darüber hinaus lernt man Jugendliche aus aller Welt kennen und das Französisch lernen ergibt sich fast von selbst. Ich war nicht besonders gut in Französisch an der Schule, aber inzwischen unterhalte ich mich fließend." Informationen: ICE, Wachwitzer Höhenweg 10, 01328 Dresden, Homepage www.trosly.archoise.org. Interessierte können auch am Geschwister-Scholl-Gymnasium Daun bei Dieter Mager nachfragen.