Wichtiger Richtschnitt

SCHÖNECKEN. (kth) Das Senckenberg Forschungsinstitut und das Naturmuseum Frankfurt hatten zu einem Tag der offenen Tür in die Dr.-Ludwig-Happel-Hütte eingeladen. Geo-Wissenschaftler informierten Schulklassen und Bürger über die Bedeutung des Wetteldorfer Richtschnitts.

Die Geschichte der so genannten Wetteldorfer Forschungen beginnt nach Aussage des 1994 verstorbenen Professors Rolf Werner vom Senckenberg-Forschungsinstitut Frankfurt Anfang des 19. Jahrhunderts. Etwa seit 1936 weiß man, dass in der Gemarkung Wetteldorf durch fast senkrecht stehende Gebirgsfalten auf engstem Raum eine Abfolge zahlreicher Schichten aus dem Mitteldevon zu Tage tritt. Für Wissenschaftler ist das eine Weltattraktion, die es in dieser Form und Qualität kaum sonst wo gibt: Ob in Amerika, Australien oder China, Geo-Wissenschaftler in aller Welt sind mit dem Begriff Wetteldorfer Richtschnitt vertraut. Gelehrte und Studenten mehrerer Generationen aus aller Welt haben schon "Auf dem Reinskopf" südöstlich der Schönecker Kirche mit Spaten und Hammer geschürft und Kartenmaterial vom Wetteldorfer Richtschnitt angelegt. 1937 wurde der erste "untere Richtschnitt" erarbeitet. Unter der Grabungsleitung des Geo-Wissenschaftlers G. Solle wurde ein 146 Meter langer Schurfgraben Zentimeter für Zentimeter aufgenommen und ausgewertet. Das 390 Millionen Jahre alte Gestein wurde zur Verwertung in größeren Mengen nach Frankfurt geschafft. Entdeckt wurde Sensationelles. Der erste Nachkriegsschnitt zwischen Nims und Hohberg an der Dingdorfer Straße brachte den Senckenbergern weitere Erkenntnisse. 1971 leitete Dr. Werner den zweiten Wetteldorfer Richtschnitt. Dabei entdeckte er Aschenlagen, die sich vor Millionen Jahren im Wasser abgesetzt hatten. Im gleichen Jahr beschloss eine internationale Kommission auf Vorschlag von Werner, den Wetteldorfer Richtschnitt für eine Neudefinition des Unter/Mitteldevon beziehungsweise der so genannten Emsium-/Eifelium-Grenze zu Grunde zu legen. Nach Meinung von Schöneckens Ortsbürgermeister Paul Ludwig muss für den Bekanntheitsgrad der wissenschaftlichen Einrichtung überregional noch mehr geworben werden. Heute erforschen die Senckenberg-Wissenschaftler Karsten Weddige und Eberhard Schindler nach neuesten geochemischen Methoden den weltweiten Vergleich der erdgeschichtlichen Grenze.