Wie Bruder und Schwester

Die Freien Wähler (FW) Rheinland-Pfalz haben am Mittwochabend in Bitburg eine von vier Bezirksvereinigungen gegründet, um auch auf Landes-, Bundes- und Europaebene Kandidaten stellen zu können. Laut dem neuen Vorsitzenden Joachim Streit ein wichtiger Schritt, um von den Wählern ernst genommen zu werden.

Bitburg. "Die Bezirksvereinigung Freie Wähler (FW) macht die Freie Wählergemeinschaft (FWG) nicht kaputt. Wir sind wie Bruder und Schwester. Die einen arbeiten auf der kommunalen, die anderen auf der Landesebene." Mit dieser Erklärung nimmt Joachim Streit, Spitzenkandidat der FWG und Landrat des Eifelkreises Bitburg-Prüm, so manchem Mitglied nicht nur die Ängste vor dieser neuen Vereinigung, auch der Zweck wird klar umrissen. Da die FWG klar festgelegt hat, sich nur in der kommunalen Politik zu engagieren, musste eine Schwestervereinigung her, die sich eben nur ausschließlich um die anderen Ebenen kümmert.
Laut Streit sollten ursprünglich keine Bezirksvereinigungen gegründet werden. Doch das Gebiet sei laut FW Rheinland-Pfalz so groß, dass diese nun doch notwendig seien.
In vier Bezirke wird aufgegliedert, die den vier amtlichen Landtagswahlbezirken entsprechen. Diese umfassen laut Streit Gebiete "von Prüm bis Kreuznach, von Saarburg bis an den Rhein". Für alle wird jeweils ein Vorstand, bestehend aus Vorsitzendem, zwei Stellvertretern, Schriftführer und Schatzmeister, gewählt.
Landrat nimmt Vorsitz ein


Streit: "Ich mache keinen Hehl daraus, dass ich heute um den Vorsitz kandidiere." Er ist denn auch der einzige Kandidat für den Posten und wird mit 14 Ja- Stimmen gewählt. Die 16 Anwesenden wählen Karin Pinn aus Wiesbaum (Landkreis Vulkaneifel) und Michael Grandmaire aus dem Kreis Birkenfeld als stellvertretende Vorsitzende. Karin Pinn ist Ortsbürgermeisterin von Wiesbaum und Kreisbeigeordnete. Grandmaire wuchs in Bitburg auf, war lange nicht politisch aktiv und ist jetzt Mitglied der FWG. Schatzmeister wird Johannes Reuschen, Jurastudent und Fraktionsvorsitzender der Prümer Bürgerbewegung. Zum Schriftführer wählten die Anwesenden Reinhold Niederprüm aus Bitburg. Streit: "Ziel ist, es nicht bei diesem Vorstand zu belassen, sondern die einzubeziehen, die mitmachen wollen."
Der wichtigste Schritt sei laut Streit den Freien Wählern ein Gesicht zu geben, sprich, Direktkandidaten aufzustellen (siehe Extra). Er selbst will nicht antreten aber die Kandidaten tatkräftig unterstützen. "Wir haben kein Glaubwürdigkeitsproblem. Wir sind die Alternative mit der größten politischen Erfahrung. Ich halte unsere Chancen bei der Landtags- und Bundestagswahl für gut." Ähnlich äußert sich Karin Pinn: "Bei der Landtagswahl sehe ich gute Chancen für uns. Wir sind keine Luftblase, wir entwickeln uns."
Die nächste Sitzung der Bezirksvereinigung ist am Donnerstag, 13. Dezember, um 18 Uhr im Hotel Eifelbräu in Bitburg.
Meinung

Gesichter sind wichtig
Die kommunale Ebene ist wichtig. Doch viele Entscheidungen werden auf der Landes- und Bundesebene getroffen. Die Freien Wähler Rheinland-Pfalz zu gründen war gut. Das Ganze auf die Bezirksebene herunterzubrechen ist besser. Die Wahlergebnisse der vergangenen Landtagswahl zeigen, dass dort, wo der Partei mit einem Direktkandidaten ein Gesicht gegeben wurde, die Wahlergebnisse durchaus positiv waren. Vor allem der Landkreis Bitburg-Prüm sticht mit seinen 13,2 Prozent heraus. Den Fokus auf Direktkandidaten zu legen, wie Joachim Streit betont, könnte also bei der nächsten Landtagswahl zu spannenden Ergebnissen führen. Bleibt abzuwarten, wie sich die FW bei der Bundestagswahl machen. M.Radics@volksfreund.deExtra

Die Freien Wähler (FW) sehen sich selbst als Partei der Mitte. Bei der Landtagswahl 2011 gewannen die FW im Eifelkreis Bitburg-Prüm 12,3 Prozent über die Zweitstimme und 13,2 über die Erststimme. In der Vulkaneifel waren es 5,3 und 7,6 Prozent. Im Kreis Bernkastel-Wittlich 3,6 und 5,6 Prozent. Im Kreis Trier-Saarburg gab es keinen Direktkandidaten. Die Zweitstimme gewann nur 1,7 Prozent. Genauso sah es in Trier selbst aus. MRA