Wie der Name, so der Ort?

Es ranken sich nicht nur alte Geschichten um sie, sondern sie verlocken auch heute noch zu spaßhaften Deutungen: kuriose Ortsnamen. Auch im Prümer Raum finden sich Dörfer mit Namen, die regelmäßig Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Doch wie sind sie wirklich entstanden - Namen wie Irrhausen oder Jucken?

Prüm. Nomen est omen, lautet eine alte lateinische Spruchweisheit, die nichts anderes bedeutet als "der Name ist ein Zeichen". Sie wird meist scherzhaft gebraucht, um auszudrücken, dass der Name eine Person oder Sache kennzeichnet oder sich von ihm auf das Ganze schließen lässt. Das mag auch in dem einen oder anderen Fall zutreffen. Aber es gilt noch seltener bei Ortsnamen, mögen sie sich auch noch so humorvoll anhören oder zu waghalsigen Deutungen verlocken. Dazu einige wenige Beispiele aus dem Prümer Raum.Dorf geschichte(n)

Der Ortsname Irrhausen veranlasste wohl Geschichtenerzähler oder Schulmeister zu der erfundenen Erzählung, Karl der Große habe sich dereinst dort in den dichten Waldungen verirrt. Nach langer Suche soll er dann tief unten im Irsental das schwache Licht einer Köhlerhütte entdeckt haben. Voller Freude über seine Rettung habe der Kaiser dann später dort das erste Haus, das "Urhaus", erbauen lassen. Ein Märchen! Der Ortsname leitet sich ab von dem uralten keltischen Bachnamen der heutigen Irsen. Der wurde nämlich zur karolingischen Zeit "Uruersem" genannt und bedeutet so viel wie "kleine Our". Im Laufe der Jahrhunderte wandelte er sich über "Urhuissen", "Urhoussenn", "Yrrhausen" zum heutigen "Irrhausen"."Jucken" steht nicht für die Aufforderung, sich zu kratzen oder gar von Juckreiz heimgesucht zu werden. Das Bestehen jenes Straßendorfes ist ab 1640 nachgewiesen. Aber gesiedelt wurde dort schon seit der Vorzeit. Das belegen Funde und Wehranlagen, die bei Olmscheid ("Hicastel") gemacht wurden. Der Name des Ortes stammt wohl ab von dem althochdeutschen Wort "jukan". Das soll so viel wie "sprossen, wachsen" bedeuten. Man mag in Kinzenburg, nahe bei Lünebach, so aufmerksam suchen wie nur möglich, eine Burg oder Reste einer Wehranlage wird man nicht finden. Eher wohl Scherben und Siedlungsreste von Römern, die schon vor rund 2000 Jahren die Schönheit des Prümtales zu schätzen wussten. Kinzenburg als Ort jedoch wird erst 1570 erwähnt. Damals schrieb man ihn Kuntzenbergh. Und das wiederum traf geografisch zu. Man gehe einfach mal aus dem Tal ins Dorf hinauf, dann merkt man, dass die Endsilbe "Berg" richtig gewählt ist. Gedeutet werden dürfte der Ortsname mit "Siedlung des Konrads am Berge". Konrad, dessen Kurzform Kunz lautet, war zur damaligen Zeit ein so oft gebrauchter Vorname, dass er sogar in eine bis heute bekannte Redewendung Einzug fand: "Bekannt wie Hinz und Kunz!"Und der Ort Mauel mit seiner alten Bausubstanz hat absolut nichts mit "maulen" oder "Maul" zu tun. Vielmehr weist er darauf hin, dass dereinst die ersten Bauern in diesem romantischen Tal recht nahe an dem Flüsschen Prüm und nahe an Waxweiler siedelten. Eine feuchte Niederung war es wohl, eine Auen-Landschaft, die heute jeder Naturfreund in ihrer ursprünglichen Art liebt. Mag sie auch noch so reizvoll sein, feuchte Untergründe, sumpfige Wiesen, nasse Auen sind auf Dauer für Mensch und Vieh nicht gesund und empfehlenswert. Wen wundert\'s also, wenn in kommenden Generationen diese aus dem ursprünglichen Ort "zum Auwel", dem "Urmauel", an höher gelegener, trockenerer Hanglage neu siedelten, aber den Ortsnamen Mauel mitnahmen (1345 hieß der Ort Mauwel, 1772 Maul). Der Name "Auw" ist übrigens im Prümer Raum als Orts- oder Flurname häufiger zu finden.Der Name des kleinen Ortes Huf, Teil von Üttfeld, ist nicht in Verbindung zu bringen mit dem Huf eines Pferdes. Das Gebiet um die wenigen Häuser zählt mit zu den ältesten Siedlungsplätzen dieser Hochfläche, die so traumhafte Weitblicke in die Westeifel zulässt. Schon unsere Vorfahren, die Kelten, und dann auch die Römer, verstanden es, landschaftlich reizvolle Gegenden zu besiedeln. Hügelgräber, Gebäudefundamente, römische Münzen und Scherben beweisen dies. Der Ortsname leitet sich wohl ab von "Hufe" oder "Hube". Dies war ein altes Flächenmaß, in dem noch das Grundwort "Hof" zu finden ist. Im Mittelalter bedeutete es bäuerlicher Grundbesitz, eben einen gewissen Anteil an den Ländereien eines Dorfes. Gemeint war damit meist ein Hofgut, das mit einem Pfluge bestellt werden konnte, also der Arbeitskraft einer Familie entsprach. Die Franken wiesen bei Ortsgründungen den Siedlern meist gleiche Standardflächen zu, wobei es allerdings für eine solche Hufe keine amtlich festgelegten einheitlichen Größen gab. Sie schwankten wohl von einem Herrschaftsgebiet zum anderen, meist zwischen etwa 15 und 20 Hektar.