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Wie die Stadt Bitburg ihre Forstwirtschaft dem geänderten Markt anpasst

Sorgen um den Bitburger Forst : Der Wald – mehr als ein Holzacker

Das Corona-Jahr 2020 hat das Freizeitverhalten spürbar beeinflusst – wie sich auch am Zuständigkeitsbereich des Bitburger Revierförsters zeigt.

(uhe) „Nie war der Wald so wichtig für die Daseinsvorsorge wie jetzt“, sagt Otmar Koch. Der Revierförster des Forstamts Bitburg, zu dessen Zuständigkeitsbereich die Wälder der Gemeinden Bitburg, Steinborn und Fließem sowie des Zweckverbands Flugplatz Bitburg gehören, hat im vergangenen Jahr zwischen den Bäumen deutlich mehr Wanderer und Spaziergänger gesehen als in den Jahren zuvor.

Die Einschränkungen durch die Pandemie treiben mehr Menschen in die Natur. Das ist grundsätzlich gut, erfordert aber in der Bewirtschaftung des Waldes unter Umständen ein Umdenken. „Der Erholungswert, obwohl monetär nicht messbar, übersteigt in der Wahrnehmung der Waldbesucher den Ertragswert der Forstwirtschaft“, so Koch, der deshalb in der Sitzung des Bitburger Hauptausschusses für „eine grundsätzliche Diskussion zur Neuordnung des Forstbetriebs in Erholungswald und Wirtschaftswald“ wirbt.

Vor allem im Bedhard, aber auch im Mötscher Wald seien 2020 deutlich mehr Menschen unterwegs gewesen als sonst. Was laut Koch ebenfalls zugenommen hat, ist das Müllaufkommen. Wobei es sich dabei vor allem um Müll handle, der an den Waldeingängen einfach so entsorgt werde. Mit der wachsenden Zahl an Erholungssuchenden habe das also weniger zu tun.

Was den Wald als Forstbetrieb betrifft, so war das Wirtschaftsjahr 2020 wie bereits die beiden Jahre zuvor durch Wetterextreme gekennzeichnet: Stürme im Frühjahr und extrem trockene Sommer. Und dazu noch der Borkenkäfer, der im Bitburger Wald im vergangenen Jahr aber etwas weniger Schaden verursacht hat als im Jahr zuvor. Mussten 2019 noch 2500 Festmeter Schadholz aufgearbeitet werden, waren es im vergangenen Jahr „nur“ 1600.

„Die Fichtenbestände im Bedhard sind durch Sturmschäden und Borkenkäferbefall vorgeschädigt und werden sich in den nächsten Jahren durch Folgeschäden bis auf Ausnahmen auflösen“, prognostiziert Koch. Mit dem einstigen Brotbaum sei derzeit kein Geld mehr zu verdienen, wobei man im Bitburger Wald ohnehin schon in den 1980er Jahren einen Umbruch eingeleitet habe. „Im Bedhard sind wir komplett weg von der Fichte hin zur Eiche“, sagt Koch. So seien beispielsweise auch als Ausgleichsmaßnahme für das Neubaugebiet in Erdorf zwei Hektar Fichtenwald umgewandelt worden.

Während das vergangene Forstwirtschaftsjahr trotz der Schwierigkeiten noch mit einem Überschuss von knapp 42 000 Euro abschließt, wird für 2021 mit einem Verlust von 80 000 Euro gerechnet. „Diese 80 000 Euro sind aber sehr konservativ geplant und spiegeln auch die pessimistische Lage in 2020 wider“, erklärt Koch. Momentan seien die Aussichten wieder etwas besser. Letztendlich aber hänge alles vom Käferbefall und von der Wetterlage ab.

Was in diesem Jahr auch umgesetzt werden soll, ist der Kauf der ehemals von amerikanischen Streitkräften genutzten Liegenschaft im Bedhard. Im vergangenen Haushalt waren dafür 65 000 Euro eingeplant, doch es ist noch nicht zum Verkauf gekommen. Wie Koch erklärt, hänge das damit zusammen, dass an den Flächen die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) und die Bundeswehr beteiligt seien, der Verkauf aber komplett über die Bima abgewickelt werden müsse.