Ungebetener Besuch: Wie Eifeler Schäfer sich vorm Wolf schützen

Kostenpflichtiger Inhalt: Ungebetener Besuch : Wie Eifeler Schäfer sich vorm Wolf schützen

Nach Wolfssichtungen in der nordrhein-westfälischen Eifel gelten die Verbandsgemeinden Obere Kyll, Adenau und Prüm seit Anfang September als Präventionsgebiet. Die hiesigen Schäfer nehmen Förderungen zum Herdenschutz in Anspruch.

Pragmatismus statt Panik: Bei der Sitzung des Schafhalter-Vereins Prümer Land, dessen Mitglieder rund 2000 Schafe besitzen, will niemand Blut sehen. „Der Wolf ist nun mal da, und er ist geschützt“, sagt Marco Berweiler von der Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz. „Aber wir Schafzüchter wollen morgens kein Blutbad auf unseren Weiden vorfinden. Jetzt besteht die Möglichkeit sich dagegen zu wappnen.“

Nachdem auch die rheinland-pfälzischen Verbandsgemeinden Prüm und Obere Kyll seit dem 9. September offiziell als „Wolfspräventionsgebiet“ gelten (siehe Extra), herrscht Handlungsbedarf bei den Schäfern,   aber auch bei Haltern von beispielsweise Dammwild oder Alpacas, die in der betroffenen Zone ansässig sind.

„Das Land fördert in dieser Pufferzone Maßnahmen zum Herdenschutz wie Elektrozäune zu 100 Prozent“, erklärt  Landwirtschaftsmeister Berweiler. Es gelte für die finanzielle Unterstützung von Zaunmaterialien zwar keine Frist, doch diejenigen Halter, die bis September 2020 nicht vorsorgten, müssten später mit Abstrichen bei der Entschädigung für gerissene Tiere rechnen.

Alle 15 anwesenden Mitglieder des Schafhalter-Vereins Prümer Land sprechen sich dafür aus, Zuwendungen zu beantragen. Marco Berweiler hat die entsprechenden Unterlagen zur Förderung  an die Stiftung Natur und Umwelt Rheinland-Pfalz zur Sitzung mitgebracht.

Marco Berweiler informierte die Mitglieder des Schaf-Vereins Prümer Land über die Förderungsmöglichkeiten im neuen Wolfspräventionsgebiet. Foto: TV/Vladi Nowakowski

Nicht nur zur Beschaffenheit der Zäune werden viele Fragen gestellt, denn sie müssen einigen Vorschriften seitens der Oberen Naturschutzbehörde entsprechen (siehe Extra).

Für die Verbandsgemeinden Prüm und Obere Kyll ist in dieser Angelegenheit die Struktur- und Genehmigungsbehörde (SGD) Nord zuständig. Die Schäfer rechnen mit stark erhöhtem Arbeitsaufwand, um den Anforderungen zu entsprechen und vor allem mit zusätzlichen und unvorhersehbaren Kosten, die ihnen trotz aller Vorsorge nach einem Wolfsvorfall entstehen.

„Erfahrungen aus anderen Bundesländern zeigen, dass es Wölfe gibt, die Elektrozäune überwinden“, sagt ein Halter. „Die Folgen davon sind nicht nur gerissene, sondern auch verletzte und traumatisierte Tiere – Mutterschafe verlieren frühzeitig ihre Lämmer.“ Es sei zwar zu begrüßen, dass Elektrozäune und weitere Maßnahmen zu 100 Prozent gefördert werden, „doch auf den Kosten für Tierarzt und Mehraufwand bleiben wir sitzen.“

Zu den unterschiedlichen finanziellen Zuwendungen in ausgewiesenen Wolfsgebieten im Gegensatz zu Präventionsgebieten liefen noch Gespräche zwischen der Landwirtschaftskammer und dem Umweltministerium, sagt Berweiler. „Wir bleiben da dran. Aus Brandenburg beispielsweise wissen wir, dass der nötige Mehraufwand mit rund 40 Euro je Schaf entgolten wird.“

Falls es allen Vorsichtsmaßnahmen zum Trotz einem Wolf gelingt, Schafe zu reißen, muss der Halter auf eine Entschädigung lange warten. „Es muss eine DNA-Probe ausgewertet werden, um zu belegen, dass es tatsächlich ein Wolf war“, sagt Marco Berweiler. „Dann folgt ein Gutachten zum Wert des gerissenen Tieres. Der Gutachter muss den Kadaver mit eigenen Augen sehen – ein Anruf reicht da nicht.“

Als Maßstab zur Wertermittlung gelten aktuelle Verkaufspreise bei Auktionen. „Die reichen von etwa 80 Euro bis hin zu 250 Euro bei besonders wertvollen Tieren.“ Die Beweislage sei ein schwieriges Thema, sagt Berweiler, der selbst als sogenannter Tierschaden-Schätzer unterwegs ist. Es sei wichtig, dass die Schäfer nach einem vermutlichen Wolfsvorfall tote und verletzte Tiere, aber auch den Zustand des Zaunes fotografierten.

„Es ist nicht nur positiv, wenn der Wolf hier heimisch wird“, sagt ein Schäfer. „An dem zukünftigen Umgang mit dem Wolf und der Sicherheit unserer Tiere hängen Existenzen.“

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