Wie es schon die Mütter und Großmütter taten

Wie es schon die Mütter und Großmütter taten

IDENHEIM. (lyv) Längst zur Tradition geworden ist die "Herbergssuche" in Idenheim. Seit Generationen ziehen junge Mädchen in den Tagen vor Weihnachten von Haus zu Haus, um den Menschen die Geschichte von Maria und Josef näher zu bringen.

Konsumzwang und lichtüberflutete Städte und Dörfer beherrschen heute vielerorts die Adventszeit. Umso erstaunlicher, dass alte Bräuche in einigen kleinen Orten überlebt haben - so wie die "Herbergssuche" in Idenheim, die vom ganzen Dorf unterstützt wird und schon lange Tradition ist. "Meine Mutter war früher schon mit dabei - und die ist inzwischen 75 Jahre alt", sagt Adelheid Leisen, die die Mädchen für die "Herbergssuche" motiviert hat. Rund 15 Schülerinnen treffen sich an fünf Tagen an der Idenheimer Kirche und ziehen anschließend von Haus zu Haus, um auch dieses Jahr möglichst viel Geld für einen guten Zweck zu sammeln. Jungen sind bei der Aktion nicht erwünscht, denn "es geht um Maria", sagen die Mädchen einstimmig. "Im vergangenen Jahr kamen ungefähr 400 Euro zusammen", sagt Sabine Maas, neben Julia Görgen eine der beiden "Kopphären" (Kopfherren), die als ältesten Mädchen der Gruppe für die Sammelaktion verantwortlich sind. Wer diesmal die Spende erhalten wird, müssen die Mädchen noch beratschlagen. Im vergangenen Jahr freute sich die Villa Kunterbunt in Trier über die Unterstützung aus Idenheim. Bei Anbruch der Dunkelheit marschieren die Mädchen mit zehn kunstvoll geschnitzten Holzlaternen von Haus zu Haus. Die Laternen sind alle selbst gefertigt und innen mit buntem Papier beklebt. Teelichter leuchten von innen auch die kleinsten Details der Schnitzereien aus.Erste Herbergssuche Anfang der 40er Jahre

Die meisten der Laternen sind relativ neu, nur die große Laterne mit dem religiösen Motiv der Herbergssuchenden stamme noch aus der Zeit der ersten Sammelaktion, erklären die Mädchen. Wann dieser Brauch in Idenheim eingeführt wurde, ist nicht eindeutig geklärt. Fest steht, dass der ehemalige Pastor Riehm, der 1936 nach Idenheim kam, der Initiator der "Herbergssuche" war. "Das muss Ende der dreißiger, Anfang vierziger Jahre gewesen sein", vermutet Bürgermeister Josef Junk, der sich darüber freut, dass der Brauch bis heute "ununterbrochen fortgeführt worden ist". Dieses Jahr fehle zur richtigen "Herbergssuche-Stimmung" nur noch der Schnee, meint der Bürgermeister, der die Mädchen ein Stück in die Meilbrückerstraße begleitet hat. Anders als bei den biblischen Herbergssuchenden, Maria und Josef, wird den Schülerinnen gerne die Tür geöffnet. Wie in der Bibel bitten sie die Bewohner der Häuser um Unterkunft. "Durchs Land zog einst das heilige Paar, oh, hört nur wie es damals war" - perfekt beherrschen die Mädchen den Text, der ebenfalls noch aus den Anfängen der Idenheimer Sammel-Aktion stammt. Gerne lauschen die Menschen im Ort der Geschichte der Herbergssuche, die die Mädchen noch mal lebendig werden lassen. Zum Abschluss singen die fleißigen Sammlerinnen das Lied "Wer klopfet an?", bevor sie um eine Spende bitten. Gerne würden ihnen die Leute im Ort die Sammelbüchse füllen, berichten die Schülerinnen. "Früher haben wir Süßigkeiten bekommen", erinnert sich Maria Junk. "Wenn jemand auch Geld gab, wurde es dem Pastor übergeben, der es dann einem guten Zweck zuführte." Und so ist es auch heute noch. Noch einmal werden sich die Mädchen an der Kirche treffen, um auf ihrer Route die letzte Straße zu durchwandern. Dann hat die biblische "Herbergssuche" wieder die Herzen aller Idesheimer erreicht.

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