Natur : Wie gewonnen, so zerronnen

Die Unwetter der vergangenen Tage haben auch Schäden an den Eifeler Gewässern hinterlassen. In zwei Orten betrifft es Bäche, die gerade erst renaturiert wurden.

Lange haben die Biersdorfer auf den 2. Juni gewartet. Und dann fiel alles ins Wasser. Alles war vorbereitet für die Einweihungsfeier am renaturierten Kannenbach. Würdenträger wurden eingeladen, ein DJ, eine Band und der Biersdorfer Musikverein bestellt. Doch dann kamen die Unwetter. Weil es nicht mehr aufhörte zu regnen, wurde das Fest abgesagt und bislang auch nicht nachgeholt. Und über einen neuen Termin für die Einweihung mache man sich derzeit auch keine Gedanken, heißt es aus dem Rathaus der Verbandsgemeinde Bitburger Land. Noch könne der finanzielle Schaden am renaturierten Kannenbach nämlich gar nicht beziffert werden. Nur so viel verrät eine Sprecherin der VG auf Anfrage des TV: Er sei „groß.“ War die jahrelange Arbeit also umsonst, die Million, die in die Freilegung des Gewässers floss, verschwendet? Das scheint noch nicht klar zu sein.

In Spangdahlem verbucht man die Rückführung zur Natur trotzdem als Erfolg. Wenn man den Spanger und den Dahlemer Bach nicht renaturiert hätte, meint Manfred Rodens, wären die Schäden an beiden Gewässern womöglich höher gewesen. „Dann hätte das Wasser noch weniger Platz gehabt, um sich zu verteilen“, sagt der Verbandsgemeindebürgermeister.

Trotzdem: Der Bachverlauf wurde verwaschen, die Pflanzen von den Wassermassen umspült und herausgerissen. Und Rodens kann diese Zerstörung auch mit Zahlen belegen: So seien am Spanger und Dahlemer Bach etwa  35 000 Euro Schaden entstanden, am Kallenbach bei Philippsheim circa 30 000 Euro. So viel wäre also nötig, um sie in den Zustand vor dem Unwetter zurück zu versetzen. Dafür sollen aber nicht nur Bäume, Gräser und Sträucher gepflanzt und das Flussbett begradigt werden. Es müssen laut Rodens auch Firmen bezahlt werden, die sogenannte „Auskolkungen“ beseitigen, die sich an einer Brücke über den Spanger Bach gebildet haben. Das sind mit Wasser gefüllte Vertiefungen, die die Standfestigkeit eines Bauwerks beeinträchtigen können.Es ist nicht das erste Mal, dass ein Gewässer in Spangdahlem durch ein Unwetter verwüstet wurde. Vergangenes Jahr traf es den Heckengraben. Dieses Rinnsal, das durch den Ort nahe der Air Base fließt, wurde vom Tief Wolf verwüstet  – und zwar erheblich (der TV berichtete). Seinerzeit ging die Verwaltung von einer halben Million Euro Schaden aus. Ausgegeben wurden bislang aber nur 29 500 Euro, wie eine Nachfrage bei Rodens ergab. Das seien nur die Kosten für „Notmaßnahmen und Planungsleistungen“. Abgeschlossen ist die Sanierung offenbar noch lange nicht. Die Arbeiten, genauer: das Abstützen des Baches, diente lediglich der Vermeidung von „Folgeschäden“, sagt der Bürgermeister. Die blieben bei den vergangenen Unwettern auch offenbar aus. Es ist dennoch einiges, was nach dem Starkregen auf die Verbandsgemeinden zukommt. Das Land wird die Kosten für die Sanierung jedenfalls nicht tragen. Zwar kamen auch 90 Prozent des Fördergeldes für die Renaturierung aus Mainz. Die sogenannte  „Aktion Blau Plus“ ist inzwischen aber in Biersdorf und Spangdahlem abgeschlossen. Und die Geldquelle somit versiegt.

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