Wie nimmt man Abschied vom Flugplatz?

Anteile verkaufen, Einfluss behalten: Die millionenschweren Ausbaupläne für den Flugplatz Bitburg würden sowohl den Kreis als auch die Stadt Bitburg finanziell völlig überfordern. Es ist also absehbar, dass sie ihre Anteile an der Flugplatz GmbH verkaufen. Nun ist die Frage: Wie können sie sich Einfluss sichern?

In Bitburg kurz vor dem Abflug – der Eifelkreis und die Stadt Bitburg müssen sich nun überlegen, wie sie sich aus der Flugplatz GmbH verabschieden. TV-Foto: Bettina Bartzen

Bitburg. Wie geht es weiter mit dem Flugplatz Bitburg? Diese Frage stellen sich viele Menschen in der Region, nachdem der luxemburgische Projektentwickler Frank Lamparski angekündigt hat, den Flugplatz mit Hilfe von Privatinvestoren, die über insgesamt 1,2 Milliarden Euro verfügen sollen, zu einem Werft-, Fracht- und Industrieflughafen ausbauen zu wollen (der TV berichtete).

Auch die kommunalen Politiker dürften sich derzeit intensiv mit dieser Frage auseinandersetzen, denn sie müssen demnächst entscheiden, ob und unter welchen Voraussetzungen die Stadt Bitburg und der Eifelkreis ihre Anteile an der Flugplatz Bitburg GmbH verkaufen sollen. Lamparski wird Ende Oktober den Kaufvertrag unterzeichnen, der ihm rund 40 Prozent der Anteile sichert. Sein Ziel ist es jedoch, möglichst alle Anteile zu erwerben - oder zumindest eine große Mehrheit.

Und vermutlich wird ihm dies auch gelingen. Denn Stadt und Kreis dürften der finanziellen Herausforderung kaum gewachsen sein. "Wenn ich Anteile habe, dann muss ich ja auch mitfinanzieren", sagt Landrat Roger Graef. In der Tat: So viel Gewicht wie ein Gesellschafter in einer GmbH hat, so viel Stimmrecht erhält er und so viel muss er auch in finanzieller Hinsicht mittragen. Da es sich bei den geplanten Investitionen um Hunderte Millionen handelt, wird der Eifelkreis, so Graef, gar nicht die Genehmigung erhalten, dies zu tun. Was also tun? Wie könnte sich die öffentliche Hand Einfluss sichern?

"Wir müssen uns überlegen, wie wir beim Verkauf sicherstellen, dass bestimmte Entwicklungen nicht stattfinden", sagt Graef: "Wollen wir Passagierflug, wollen wir Nachtflug?" Diese Fragen müssten politisch geklärt werden. Auch von Seite der GmbH heißt es, dass nun Verträge ausgearbeitet werden müssen, durch die das öffentliche Interesse gewahrt werde. Lamparski sei Stadt und Kreis gegenüber sehr aufgeschlossen, sagt GmbH-Geschäftsführer Günter Krahé. Gesellschafter und Investoren würden gemeinsam nach einer Lösung suchen. Wie die aussehen könnte, ist völlig offen. Denkbar wäre, dass Vertreter von Kreis und Stadt Posten in einem Entscheidungsgremium erhalten - auch, ohne Anteile zu besitzen - und so bei den Plänen für den Flugplatz weiterhin ein Wörtchen mitzureden hätten.

Der Flugplatz wird auch heute im Kreistag des Eifelkreises Bitburg-Prüm Thema sein: Das Projekt soll im nichtöffentlichen Teil vorgestellt werden. Es gibt jedoch einen Antrag, öffentlich darüber zu beraten.

Meinung

Verkaufen mit Bedingungen

Es war immer das Ziel von Kreis und Stadt, eines Tages Private zu finden, die bereit sind, in den Flugplatz Bitburg zu investieren. Auch, wenn viele noch nicht so recht daran glauben wollen: Nun scheint es so weit zu sein. Es wäre also nicht nur logisch, dass die Kommunen den Investoren das Feld überlassen - ihnen bleibt wahrscheinlich auch gar nichts anderes übrig. Denn sie haben kein Geld, mit dem sie sich an den geplanten Millionen-Investitionen beteiligen könnten. Prinzipiell ist es gut, den Flugplatz loszuwerden und damit auch das Finanzloch, das er jährlich in den Haushalt reißt. Allerdings kann man sich inzwischen nicht mehr darauf verlassen, dass das Projekt schon von alleine leise sterben wird. Kreistag und Stadtrat sollten sich daher in der Tat genau überlegen, unter welchen Bedingungen sie verkaufen und sich ihren Einfluss sichern - zum Wohl der Menschen, die hier leben. k.hammermann@volksfreund.deExtra Was Luxair zu den Plänen sagt: "Das ist ein gewaltiges Projekt", sagt Yves Hoffmann, Sprecher von Luxair, zu den Plänen des luxemburgischen Projektplaners Frank Lamparski, den Flugplatz Bitburg auszubauen. Lamparski hatte angekündigt, in den kommenden 15 Jahren mit Hilfe von Investoren Hunderte Millionen in den Bit-Airport zu investieren: 40 Frachtflugzeuge pro Woche, 2,5 Millionen Passagiere, 2000 Arbeitsplätze. Luxair werde das "ambitionierte Vorhaben" genau im Auge behalten, kündigt Hoffmann an. Auf der anderen Seite sei so etwas nicht von heute auf morgen umsetzbar. Sollte der Bit-Airport allerdings Realität werden, sähe Luxair ihn durchaus als Konkurrenz zum Flughafen Findel. Nicht beim Passagierflug, aber beim Frachtflug. Luxemburg hat den fünftgrößten Frachtflughafen Europas und ist spezialisiert auf schwierige Frachten. "Wenn das Bitburger Projekt ernst werden sollte, dann könnte durchaus eine Konkurrenz entstehen", betont der Unternehmenssprecher.