Wie pünktlich ist die Eifeler Polizei?

Späte Streife : Wie pünktlich ist die Eifeler Polizei?

Während einer Gerichtsverhandlung haben Zeugen jüngst kritisiert, dass die Beamten der Bitburger Inspektion lange gebraucht hätten, bis sie am Einsatzort waren. Kommen Eifeler Streifenwagen denn immer rechtzeitig?

Manchmal vergeht die Zeit wie im Flug. Und manchmal scheint der Uhrzeiger übers Ziffernblatt zu kriechen. Zeitempfinden ist subjektiv: Je nachdem, was geschieht, kann eine Minute sich wie eine Stunde anfühlen, eine Stunde wie ein Wimpernschlag. So auch in diesem Fall:

Im September 2018 hat ein 23-Jähriger im Drogenrausch eine Frau mit einem Hammer angegriffen. Dem Ehemann des Opfers ist es gelungen, den Täter von ihr wegzuzerren und bis zur Ankunft der Polizei festzuhalten (der TV berichtete). Wie viel Zeit verging, bis das Martinshorn zu hören war – darüber gibt es nun unterschiedliche Aussagen.

Der Ehemann sagt während des Prozesses, es sei ihm „wie eine Ewigkeit“ vorgekommen. Ein Nachbar, der den Angriff beobachtet hat, schätzt, dass die Beamten 15 bis 20 Minuten gebraucht haben. In einer Viertelstunde kann ein Tobsüchtiger mit einem Hammer viel anrichten. War die Polizei zu spät – und wie sieht es überhaupt mit den Einsatzzeiten aus?

Rechtlich gesehen ist diese Frage nicht leicht zu beantworten. Denn im Gegensatz zu den Rettungsdiensten gibt es bei der Polizei keine Vorgaben hinsichtlich der Zeiten,  innerhalb derer ein Streifenwagen am Einsatzort eingetroffen sein muss. Zum konkreten Fall in Neuerburg sagt der Bitburger Dienststellenleiter Christian Hamm: „Ich habe sehr großes Verständnis, dass man in solch einer herausragenden Gefahrensituation schnellstmöglich die Polizei vor Ort haben möchte. Der Fall taugt aber schlichtweg nicht zur Kritik, im Gegenteil, beweist er doch gerade, dass wir extrem handlungsfähig und schnell sind.“

Nicht 15 oder 20, sondern nachweislich unter zehn Minuten hätten seine Leute nach Bearbeitung des Notrufes gebraucht. „Wir haben professionell und extrem schnell agiert und zudem günstig gestanden“, sagt Hamm. Zwei Streifen seien zur Zeit des Angriffs in der Südeifel, also in relativer Nähe zum Einsatzort, gewesen: „Die wurden sofort nach Neuerburg geschickt und haben den Mann vor Ort überwältigt und unter erheblichem Widerstand festgenommen.“

Hamm räumt aber durchaus ein: „Hätten unsere Streifen, anders gestanden, zum Beispiel in Speicher oder am Helenenberg, hätte die Anfahrt logischerweise auch länger dauern können.“ Dieses Problem lasse sich aber in einem Flächenland wie Rheinland-Pfalz nicht allumfassend lösen. Hamm sagt: „Es wäre ein Leichtes, jetzt in den allgemeinen Ruf nach mehr Personal einzustimmen, das wäre aber unredlich und nicht differenziert in der Betrachtung. Zwar hilft uns jede Frau oder Mann natürlich weiter und ich bin dankbar für jede personelle Verstärkung. Das Grundproblem der immensen Entfernungen in unserer ländlichen Region aber bleibt.“

Die Polizei Bitburg wacht derzeit über 895 Quadratkilometer Fläche. „Das ist der größte Polizeibezirk in Rheinland-Pfalz“, sagt Hamm. Insgesamt seien die Beamten für 70 000 Einwohner plus die auf der US-Air Base Spangdahlem mehreren Tausend stationierten US-Amerikaner sowie deren Familien zuständig. „Wir sind uns dieser besonderen Verantwortung absolut bewusst und die uns anvertrauten Menschen können sich sicher sein, dass wir rund um die Uhr, an 365 Tagen im Jahr, unser Bestes geben“, sagt Hamm.

Der zweitgrößte Dienstbezirk liegt bei den Nachbarn in Prüm. Die Inspektion ist zuständig für 870 Quadratkilometer und 45 000 Bürger. Von einem zum anderen Ort können die Entfernungen hier schon mal 75 Kilometer betragen. „Insofern ist es nicht immer leicht, in Fällen einer ungünstigen Konstellation hinsichtlich der Lage der Einsatzorte, zeitnah am Einsatzort zu sein“, sagt Leiter Georg Bührmann.

Dem Polizeichef ist aber „kein Fall bekannt, bei dem die Eintreffzeit der Beamten dazu geführt hätte, dass der Sachverhalt nicht mehr ordnungsgemäß aufgenommen, die angeforderte Hilfeleistung nicht rechtzeitig geleistet werden konnte.“ Bisher sei es den Mitarbeitern der Inspektion Prüm immer gelungen rechtzeitig am Ort des Geschehens zu sein, „insbesondere dann, wenn es um Leib oder Leben ging“, sagt Bührmann.

Als Beispiel nennt Bührmann einen tödlichen Unfall am 15. Oktober auf der B 51 bei Rommersheim. Dort seien die Beamten innerhalb von fünf Minuten gewesen. Eine schnelle Anfahrt könne für die Streifen aber auch mal gefährlich werden, da sich die Einsatzkräfte mitunter mit Blaulicht durch den Verkehr kämpfen müssen.

Aber Schnelligkeit hat auch etwas mit Personalstärke zu tun. Umso mehr Streifen im Einsatz sind, desto wahrscheinlicher ist es, dass eine nahegelegene Einheit frei ist. Dazu sagt Bührmann: „Die Inspektion Prüm ist aktuell in der Lage ihren gesetzlichen Auftrag zu erfüllen.“ Dies gelinge allerdings nur aufgrund des hohen Maßes an Flexibilität, dem hohen Maß an Motivation und Einsatzwillen der Mitarbeiter. Überstunden seien an der Tagesordnung, viele Polizisten stellten ihr Privatleben hintenan.

Der Polizeichef rechnet aber damit, dass sich die Lage bald bessern wird. Das Land Rheinland-Pfalz habe ja auf die „zweifelsohne angespannte Personalsituation“ reagiert und die Einstellungszahlen erhöht. „Ich gehe davon aus, dass das dazu führen wird, dass auch die Polizeiinspektion Prüm personell wachsen wird“, sagt Bührmann.

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