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Wie Schüler auf die Coronazeit zurückblicken

Wie Eifeler Schüler auf die Coronazeit zurückblicken : „Wir mussten uns einfach anlächeln“

Homeschooling, Freizeit ohne Freiraum, Tests und endlich wieder Unterricht ohne Maske: Die Elftklässler Florian Baden, Xhunejdi Islami und Tabitha Pick sowie die Zwölftklässlerin Sahra Kill vom Staatlichen Eifel-Gymnasium Neuerburg blicken auf das letzte halbe Jahr zurück – und schildern ihre Gedanken fürs nächste Schuljahr.

Prolog

Florian: Der Beginn der Pandemie damals in China war für mich noch ein Ereignis in weiter Ferne, und ich dachte: „Das wird wohl nicht so schlimm sein.“ Doch das Virus kam näher, wurde bedrohlich, der erste Lockdown kam. Da wurde mir erst richtig bewusst, wie schlimm die Lage war. Ich fühlte mich – wie sicherlich viele andere auch – machtlos angesichts der neuen Probleme, der Maßnahmen, der Kontaktbeschränkungen ... Mit jedem Tag wurde mir klarer, dass diese Situation wohl länger anhalten wird.

Xhunejdi: Überall sehe ich von Masken halb verdeckte Gesichter von Menschen, die versuchen, sich an das Unnatürlichste, das uns jemals zugestoßen ist, zu gewöhnen. Manchmal fühlt es sich so an, als wäre es mir bei 40 Grad extrem kalt. Als versuchte ich, mich der Sonne zu nähern, bloß um festzustellen, dass sie sich bei jedem Schritt auf sie zu weiter von mir entfernt. Meine Mitmenschen sind da, aber was bringt es mir, wenn ich beim Reden nicht ihre Mimik deuten kann? Was bringt es mir, wenn ich nicht wagen darf, jemanden zu umarmen?

Kapitel 1: Homeschooling

Sahra: Die Homeschooling-Zeit war sehr schwierig und emotional. Durch den fehlenden Präsenzunterricht kamen in mir große Ängste auf. Ich fragte mich: „Werde ich dieses Schuljahr überhaupt bestehen?“ Druck und Stress erhöhten sich.

Florian: Das Homeschooling brachte mehrere Probleme mit sich: die Sorge, dem Schulstoff nicht folgen zu können. Technische Schwierigkeiten bei Schülern und Lehrern. Dass ich die Klassenkameraden nicht mehr sehen konnte. Man geriet in eine Art „Einzelquarantäne“.

Tabitha: Mit der Zeit entwickelte sich eine gewisse Routine, der Fernunterricht wurde selbstverständlicher. Beim Homeschooling war es besonders wichtig, selbstständig zu lernen und sich zu organisieren, um für die Klausuren fit zu sein. Wir mussten uns selbst motivieren – dafür war Ehrgeiz notwendig. Der Sportunterricht mit Home-Workouts und Joggen bot Abwechslung. Beachtlich ist, wie unsere Schule im Bereich Digitalisierung vorangekommen ist. Mittlerweile sind wir so weit, dass wir Unterricht online führen können, was ich bemerkenswert finde. Auch im Präsenzunterricht setzen wir jetzt vermehrt digitale Medien ein.

Xhunejdi: Egal, wie sehr man versucht, Positives aus dem Homeschooling zu ziehen: Tatsache bleibt, dass sich die Noten einer bedenklichen Zahl von Schülern extrem verschlechtert haben und dass ungewöhnlich viele es in Betracht ziehen, das Jahr freiwillig zu wiederholen.

Kapitel 2: Die Freizeit

Florian: Je länger die Maßnahmen anhielten, desto genervter und ängstlicher wurde ich, auch wenn ich Verständnis für sie habe. Dass so viele Freizeitaktivitäten ausfielen – Vereinstreffen, Treffen mit Freunden, Familienfeiern – war enttäuschend und frustrierend.

Sahra: Die Homeschooling- und Lockdown-Phase war meiner Ansicht nach eine große Belastung für die mentale Gesundheit vieler Menschen – auch bei mir. Ich liebe es, mich mit Freunden zu treffen und zum Tanzen zu gehen, um mich auszupowern und den Stress und die Probleme einfach zu vergessen. Durch die vielen Maßnahmen war man quasi gezwungen, sich nur in den eigenen vier Wänden aufzuhalten, und hatte kaum noch Freiraum für sich selbst. Auch die Stufenfahrt fiel aus. Ich hätte sie sehr gern gemacht, um noch einmal etwas mit den Mitschülern und Lehrern, die uns bis hierhergebracht haben, zu unternehmen.

Tabitha: Mit meinen Freunden habe ich oft Videotelefonate geführt, da wir uns nicht treffen konnten. Und ich beschäftigte mich mehr mit Sport und eignete mir neue Übungen an. Das war ein guter Ausgleich zur Schule. So spielte sich der neue Alltag ein – in dem Corona aber immer an erster Stelle stand.

Kapitel 3: Präsenzunterricht

Tabitha: Im Präsenzunterricht mussten wir erst noch Maske tragen und natürlich Abstand halten. Das ist uns anfangs schwergefallen, weil wir uns so lange nicht gesehen hatten und Aufregung und Freude groß waren. Schade finde ich, dass Gruppen- und Partnerarbeit wegen des Abstands nicht möglich sind. Beides stärkt die Teamfähigkeit und es macht Spaß, Aufgaben zusammen zu lösen. Gut finde ich, dass seit Mitte April Selbsttests angeboten werden. Zu wissen, ob man infiziert ist oder nicht, gibt etwas Sicherheit. Und die Gefahr, dass sich Schüler und Lehrer anstecken, wird wesentlich minimiert.

Kapitel 4: Unterricht ohne Maske

Xhunejdi: Am ersten Tag ohne Maske beim Sitzen im Unterricht sowie auf dem Schulhof zeigte sich, wie viel sonniger die Menschen zueinander sind: Wir mussten uns einfach anlächeln. Es herrschte eine nostalgische Harmonie, die mich an die alten Zeiten erinnerte, von denen ich fürchtete, sie kämen nie wieder. Wir können wieder ein wenig unbekümmerter miteinander umgehen.

Tabitha: „Ihr könnt eure Masken abnehmen.“ Diesen Satz im Unterricht zu hören, war total ungewohnt. Es ist merkwürdig, alle ohne Maske zu sehen. Irgendwie fühlt es sich nicht richtig an, weil wir sie so lange tragen mussten – und weil die Pandemie noch nicht vorbei ist. Doch durch die entschärfte Lage und wegen der vielen Impfungen scheint es logisch, die Maskenpflicht für manche Situationen aufzuheben. Der Schulalltag ist jetzt viel angenehmer.

Sahra: Es fühlt sich an, als käme nach und nach wieder etwas Normalität ins Leben. Ein sehr schönes Gefühl.

Florian: Meine Meinung ist zweigeteilt. Unterricht ohne Maske ist eine enorme Erleichterung. Es stärkt die Hoffnung auf ein baldiges Ende der Pandemie. Aber da ist auch Angst, denn noch ist sie nicht besiegt – siehe Delta-Variante. Man sollte das Virus nicht unterschätzen.

Epilog: Das nächste Schuljahr

Xhunejdi: Falls noch ein Lockdown kommen sollte, hoffe ich, dass Schulen davon unbetroffen bleiben, denn Bildung funktioniert am besten über den direkten Kontakt und nicht, wenn Lehrer sich damit schwertun müssen, einem stummen Bildschirm etwas beizubringen. Den Beruf des Lehrers gibt es schließlich nicht ohne Grund!

 Sahra Kill im Homescooling. Foto: Sahra Kill
Sahra Kill im Homescooling. Foto: Sahra Kill Foto: TV/Sahra Kill
 Schülerseite Florian Baden
Schülerseite Florian Baden Foto: TV/Ariane Arndt-Jakobs
 Schülerseite Tabitha Pick
Schülerseite Tabitha Pick Foto: TV/Ariane Arndt

Sahra: Nächstes Jahr werde ich, wenn alles gut läuft, mein Abi machen. Ich hoffe, dass es nicht wieder mehr Einschränkungen geben wird. Und dass die nicht stattgefundenen Feiern wieder stattfinden – damit wir im letzten Schuljahr nochmal das Gefühl bekommen, Schüler zu sein, die nicht nur lernen, sondern auch Spaß haben können mit ihren Freunden und Lehrern.