Wiesen voller Farbenvielfalt
Bitburg/Prüm · Es gibt nur noch wenige Flecken in der Landschaft des Eifelkreises, wo man Orchideen und andere seltene Pflanzenarten finden kann. Solche Vertragsnaturschutzflächen sind aufwendig zu bewirtschaften und bringen weniger Ertrag als herkömmliche Landnutzung.
Bitburg/Prüm. Dem aufmerksamen Wanderer werden sie schon aufgefallen sein: die schönsten Wiesen im Eifelkreis. Vertragsnaturschutzflächen heißen diese Wiesen genau genommen. Sie sind der letzte Lebensraum vieler Pflanzenarten, doch ihre Bewirtschaftung ist aufwendig und teuer. Vertragsnaturschutzflächen sind Wiesen, die von Bauern extensiv genutzt werden, was bedeutet, dass sie auf jegliche Form von Düngemitteln und Pestiziden verzichten. Das Ergebnis sind bunte Wiesen voller Artenvielfalt, so wie sie nur noch äußerst selten vorkommen. "Wie aus einer anderen Zeit und doch von heute", beschreibt Beate Jacob die Wiesen daher gerne. Die Biotopbetreuerin kümmert sich mit ihrer Kollegin Elke Rosleff-Sörensen um die Bewahrung der Lebensräume seltener wild lebender Tiere und Pflanzen im Eifelkreis. Zu ihren Aufgaben gehört daher auch die fachkundige Unterstützung der Bauern, die Vertragsnaturschutzflächen bewirtschaften, doch viele dieser Wiesen gibt es nicht.
Wiesen werden heute meist intensiv genutzt, also gedüngt. Das bringt dem Landwirt mehr Ertrag und damit mehr Einkommen. Ein Punkt, der nicht zu unterschätzen ist, denn von der Landwirtschaft zu leben, ist schwerer denn je. So müssen heute schon viele Landwirte einer zweiten Beschäftigung nachgehen, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen, erklärt Beate Jacob.
Landwirt Wolfgang Schöben aus Orenhofen verdeutlicht dieses Problem: "Wenn ich morgen anfange, meine Wiesen intensiv zu nutzen, habe ich übermorgen mehr Geld." Warum der Landwirt dennoch ohne Dünger arbeitet? "Ein Stück weit ist das wohl Idealismus; als Bauer fühle ich mich der Natur eben verpflichtet."
Wie groß sein und der Verdienst anderer Landwirte ist, verdeutlicht Jacobs Kollegin Elke Rosleff-Sörensen: "Wiesen, die einmal intensiv genutzt werden, regenerieren sich nie wieder ganz. Zwar können manche Arten irgendwann zurückkehren, die meisten werden aber auch nach nur einem einzigen Düngevorgang zerstört."
Um die Mindereinnahmen der Bauern ein Stück weit abzufangen, wird die extensive Nutzung seit 1987 finanziell gefördert. Damals ausschließlich vom Land Rheinland-Pfalz. Seit 1995 beteiligt sich die Europäische Union (EU) an den Kosten. Auch das aktuelle Programm "Paula", das für Programm-Agrar-Umwelt-Landschaft steht, wird von der EU kofinanziert.
Die Höhe der Förderung richtet sich nach der Güte der Naturschutzflächen, also nach der Anzahl und Seltenheit der dort lebenden Arten. Für die besten Flächen erhalten die Landwirte 225 Euro pro Hektar und Jahr. Der durchschnittliche Zuschuss beträgt 175 Euro. Doch diese Zuschüsse decken die Mindereinnahmen nicht ab. Zudem ist der Verwaltungsaufwand für die Landwirte enorm. Auch deshalb haben viele große moderne Betriebe kein Interesse an der Bewirtschaftung solcher Flächen. Seit Beginn der Förderprogramme ist die Summe an Vertragsnaturschutzflächen konstant geblieben, nur in den letzten Jahren sei ein Rückgang zu verzeichnen, sagt Elke Rosleff Sörensen. Heute gibt es im Eifelkreis rund 1000 Hektar geförderte Naturschutzflächen, auf denen sowohl seltene Orchideen, wie das Gefleckte und das Breitblättrige Knabenkraut, aber auch die Arnika oder das Rosengewächs Spierstaude wachsen. Zu sehen gibt es sie in Orenhofen, bei St. Thomas an der Kyll oder am Froschbach bei Lichtenborn. Interaktive Karten zu Naturschutzflächen in Rheinland-Pfalz gibt es unter http://map.naturschutz.rlp.de/