Wilderei: Weiterer Rehkadaver in der Eifel gefunden

Kostenpflichtiger Inhalt: Wilderei : Zusammenhang mit Fällen im Bitburger Land? - Weiterer Rehkadaver taucht in der Eifel auf

Ein Unbekannter hat bei Dahnen ein totes Reh in einem Plastiksack hinterlassen. Die Polizei ermittelt wegen Wilderei. Gibt es einen Zusammenhang zu den Funden im Bitburger Land?

Insekten schwärmen um einen Müllsack herum. Als der Jagdaufseher hineinschaut, schlägt ihm süßlicher Verwesungsgeruch entgegen. Denn in den Plastikbeutel, den jemand auf einem Parkplatz nahe dem Dahnener Weiler Wehrbüsch (VG Arzfeld) hinterlassen hat, liegt ein totes Reh. Das Tier ist zusammengedrückt, das Fleisch schwarz verfault. Was noch auffällt: Die Vorderkeulen und der Rücken des Wilds wurden herausgeschnitten.

Sofort ruft der Pächter bei der Polizei Prüm und dem Veterinäramt in der Kreisverwaltung an. Die Beamten vor Ort nehmen Ermittlungen auf. Der Verdacht: Wilderei. Georg Bührmann, Leiter der Inspektion Prüm bestätigt: „Ein Jäger verwertet das ganze Tier. Es ist eher ungewöhnlich, dass jemand nur bestimmte Teile rausschneidet.“

Warum den Polizeichef das alarmiert? Es ist bereits das vierte Mal, dass ein verstümmelter Rehkadaver in der Eifel gefunden wird. Vergangene Woche entdeckte ein Jäger einen toten Bock in Sülm (Bitburger Land). Ein Unbekannter hatte ihm offenbar die Ohren abgeschnitten und einen Pfahl ins Waidloch gerammt. Einige Tage später tauchten zwei weitere tote Rehe, bei Idesheim und Welschbillig auf. Ihnen fehlten die Augäpfel. Könnten die vier Fälle also zusammenhängen?

Bührmann schließt das nicht aus: „Wir ermitteln in alle Richtungen.“ Es sei möglich, dass jemand das Tier nach einem Autounfall ausgeweidet hat. Oder, dass sich ein Wilderer eben schnell die besten Stücke des Wilds sichern wollte. Bührmann hält es aber auch für denkbar, dass hier der selbe Täter am Werk war, wie im Bitburger Land. Die Sachbearbeiter des Dahnener Falls würden daher bald mit den Bitburger Kollegen in Kontakt treten.

Dort sieht man den Fall etwas anders. Dienststellenleiter Christian Hamm hält es nicht für wahrscheinlich, dass die Taten zusammenhängen: „Das ist schon sehr weit weg von den anderen Fällen.“ Und auch die Sachlage sehe anders aus.

Dem schließt sich Kreisjagdmeister Gerd Grebener an. Für den Fließemer Jagdexperten sind „die beiden Fälle ganz unterschiedlich gelagert.“ Er glaubt, dass in Dahnen ein gewöhnlicher Wilderer zugange war: „Die Keulen und der Rücken sind am schnellsten vom Körper zu trennen. Gleichzeitig sind es Edelteile, die man lecker essen kann.“ Seine Spekulation: „Da hat jemand illegal ein Tier geschossen und dann musste es eben schnell gehen.“ Ein richtiger Jäger gehe anders vor, sagt Grebener: Er nimmt das Tier mit in seine Wildkammer, bricht es dort auf, nimmt die Innereien raus, zerschneidet das Fleisch und kühlt es. „Bis auf ein wenig Knochen, Knorpel und die Decke des Rehs verwerten wir alles an einem Tier“, sagt der Kreisjagdmeister.

Was der Unbekannte in Dahnen gemacht habe, sei  hingegen „eine Sauerei“.

Etwa alle zwei Jahre würden ihm solche Fälle im Eifelkreis bekannt. Er vermutet aber, dass die Dunkelziffer wesentlich höher ist: „Das passiert wohl wesentlich häufiger, als wir denken“, sagt Grebener: „Wilderei bleibt oftmals unentdeckt. Zumindest wenn die Wilderer sich nicht ganz so dämlich anstellen wie in Dahnen.“

Im Fall der malträtierten Rehe aus dem Bitburger Land geht die Polizei derweil neuen Hinweisen nach. Einen Durchbruch gab es laut Hamm aber noch nicht. Hilfe aus der Bevölkerung ist weiterhin erwünscht.

Wer Informationen zur mutmaßlichen Wilderei in Dahnen hat, kann sich unter Telefon: 06551/9420 bei der Polizeiinspektion Prüm melden. Hinweise zu den rätselhaften Vorfällen im Bitburger Land nimmt die Inspektion Bitburg unter Telefon: 06561/96850 entgegen.

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