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Willi liest allen die Leviten

Willi liest allen die Leviten

Bei der Jahreshauptversammlung des Kreis-Bauernverbands mussten sich alle ein paar unbequeme Wahrheiten anhören.

Prüm fpl Die Bauern haben es schwer zurzeit, vor allem das vergangene Jahr hat ihnen mächtig Probleme bereitet: Tiefstpreise für ihre Produkte, schlechtes Wetter, politische Verwerfungen, die ihren Absatz schmälern: "Es war furchtbar", sagt Michael Horper, Landes- und Kreispräsident des Bauern- und Winzerverbands Rheinland-Nassau, bei seiner Begrüßung am Freitagabend in der Karolingerhalle Prüm zu den gut 200 Gästen der Jahreshauptversammlung.
Da kommt dann eine Kampagne wie die von Bundesumweltministerin Barbara Hendricks gar nicht gut an: Die Ministerin hatte geplant, in 70 deutschen Städten Plakate montieren zu lassen - mit allerlei "neuen Bauernregeln" zu Themen wie Massentierhaltung und Überdüngung (der TV berichtete). Ein Beispiel: "Zu viel Dünger, das ist Fakt, ist fürs Grundwasser beknackt." Beknackt? Passt, dachten viele Bauern: Genau die Sorte von witzig gemeinter Kritik, die bei ihnen überhaupt nicht gut ankommt.
Es hagelte Protest, der Bauernverband verlangte, die "unsägliche Kampagne" sofort zu stoppen. Anstatt einen ganzen Berufsstand zu diffamieren, anstatt Konflikte zwischen Land- und Stadtbewohnern anzuheizen, wünsche man sich Respekt für seine Leistungen und einen "sachlichen und konstruktiven Dialog".
Es hat gewirkt: Die Ministerin, sagt Horper, sei zurückgerudert, das sei der Beweis dafür, dass man etwas erreichen kann, wenn man zusammensteht.
Klarer Fall von falsch gelaufener Kommunikation. Wie man das besser hinbekommt, versuchte im Anschluss "Bauer Willi" - Willi Kremer-Schillings, Agraringenieur, Landwirt, Buchautor und Talkshow-bekannter Kämpfer für seinen Berufsstand, den Gästen darzulegen. Nicht ohne ein paar unbequeme Dinge anzusprechen und dabei auch den Kollegen die Leviten zu lesen: "Wir haben den Menschen in den letzten Jahren nicht erklärt, wie Landwirtschaft funktioniert." Die Hof-Idylle, die gebe es nicht mehr, die Wahrnehmung in der Gesellschaft habe sich geändert, nur die Bauern hätten es noch nicht registriert. Sein Rat: Zuhören, Vorwürfe annehmen und versuchen, darüber ins Gespräch zu kommen. Nichts beim Gegenüber voraussetzen. Und vor allem: "Ehrlich sein. Und das kann manchmal verdammt weh tun."