| 20:35 Uhr

Willkommen in den schwarzen Zahlen!

Prüm. Die Geschäfte der Prümer Unternehmen laufen offenbar glänzend: Dank einem deutlichen Wachstum bei der Gewerbesteuer entwickelt sich der Haushalt der Stadt Prüm positiv. Unter dem Strich steht ein Überschuss von rund 500 000 Euro, ein erster Schritt auf dem Weg aus den Schulden. Christian Brunker

Prüm. Schwarze statt roter Zahlen: Im Haushalt der Stadt Prüm ist das ein seltener Anblick. Umso mehr freuten sich Stadtbürgermeisterin Mathilde Weinandy und Aloysius Söhngen, Bürgermeister der Verbandsgemeinde (VG) Prüm, als sie dem Stadtrat jüngst das aktuelle Zahlenwerk für 2013 präsentierten. Denn dieser hat sogar eine recht dicke schwarze Zahl unter dem Strich stehen: Rund eine halbe Million Euro Überschuss verzeichnet die Stadt 2013. "Alles in allem ist das eine sehr gute Situation", sagt Weinandy. "Solche Tage haben wir ganz selten." Auch VG-Chef Söhngen ist erfreut: Zum 21. Mal lege die Verwaltung unter seiner Leitung nun einen Prümer Stadthaushalt vor. An eine Situation mit einer freien Finanzspitze, also einem Haushaltsüberschuss, könne er sich dabei nicht erinnern. "Wir haben ein außergewöhnlich gutes Ergebnis zu erwarten", sagt Söhngen. Nach dem tiefen Fall während der weltweiten Finanzkrise, als der Haushalt ein Defizit von 800 000 Euro aufwies, habe man sich mittlerweile erholt. "Wir können jetzt wieder optimistisch in die Zukunft gucken", sagt Söhngen.
Insgesamt sieht der Haushalt bei Einnahmen in Höhe von 8,8 Millionen Euro Ausgaben von 8,3 Millionen Euro vor. Wesentlicher Grund für die guten Zahlen ist die Entwicklung bei der Gewerbesteuer, die deutlich zugelegt hat. Überwiesen die Unternehmen 2011 nur rund 2,2 Millionen Euro an die Stadtkasse, rechnet die Verwaltung 2013 mit 3,8 Millionen Euro. Insgesamt bringen Grundsteuern, Gewerbesteuer, Einkommens- und Umsatzsteuer sowie Ausgleichszahlungen und Schlüsselzuweisungen der Stadt 7,2 Millionen Euro ein. Doch der Großteil davon, fast drei Viertel, fließt sofort weiter an VG und Kreis. 5,2 Millionen Euro werden an Umlagen gezahlt.
Dennoch bleibt die Stadt verschuldet und angesichts der vollzogenen und geplanten Investitionen wird sich daran auch vorläufig nichts ändern. Zum 1. Januar 2013 belief sich der Schuldenstand aus Investitionskrediten auf 5,6 Millionen Euro. Das heißt, jeder der 5426 Prümer Bürger trägt eine Schuldenlast von etwas mehr als 1000 Euro. Hinzu kommen rund zwei Millionen Euro an Kassenkrediten, die in den vergangenen Jahren aufgenommen worden sind, um die Liquidität zu sichern. Dank der guten Haushaltslage und der Teilnahme am kommunalen Entschuldungsfonds ist aber eine Entwicklung zu erkennen. Stand die Stadt 2011 noch mit 4,3 Millionen Euro bei der Prümer VG-Kasse in der Kreide, sind es derzeit nur noch 2,7 Millionen Euro.Meinung

Unkalkulierbare Gewerbesteuer
Es ist noch nicht so lange her, da standen viele Gemeinden wegen der Weltwirtschaftskrise finanziell mit dem Rücken zur Wand. Die Gewerbesteuer-Einnahmen brachen ein. Und mit einem Mal stand den Kommunen deutlich weniger Geld für die gleichen Ausgaben zur Verfügung. Nur zur Verdeutlichung: Die Gewerbesteuer macht in Prüm 2013 mehr als die Hälfte der Gesamteinnahmen aus. Schwankungen schlagen sich daher deutlich in den kommunalen Haushalten nieder. Nicht zuletzt deshalb wird immer wieder gefordert, die Finanzierung der Gemeinden auf solidere Füße zu stellen und nicht von einer Steuer abhängig zu machen, die immer wieder starken Ausschlägen ausgesetzt ist. Davon ist natürlich derzeit keine Rede. Denn die Einnahmen aus den Unternehmen sprudeln wie selten zuvor. Aber an der grundsätzlich schlechten Finanzlage hat sich nur wenig geändert. Sie wird nur von der Steuerflut derzeit überspült. Doch spätestens bei der nächsten Ebbe sitzen die Gemeinden wieder auf dem Trockenen. Und die kommt bestimmt. c.brunker@volksfreund.deExtra

Insgesamt plant die Stadt 2013 Investitionen von fast 800 000 Euro. Die größten Posten sind dabei die Erweiterungen der Kindertagesstätten in Prüm und Niederprüm für zusammen rund 414 000 Euro. 200 000 Euro fließen in die Städtebauförderung. Die Vorarbeiten zur Hahnplatz-Neugestaltung kosten rund 200 000 Euro, von denen aber 160 000 Euro vom Land gefördert werden. ch