Willkommen in der Karolingerstadt!

Prüm · Die Abtei- und Waldstadt Prüm erhält einen neuen Beinamen: Seit Dienstag darf sie - vor allem in der Tourismuswerbung - auch als Karolingerstadt bezeichnet werden. Für die Neugestaltung des Hahnplatzes hoben die Fraktionen außerdem den Bebauungsplan am angrenzenden Klosterhof auf.

Ziel erreicht: Monika „Bertrada“ Rolef bringt zuerst ihren Antrag für den Namen „Karolingerstadt“ durch und dann Leckereien für die Ratsmitglieder. Hier sieht man sie bei der Einweihung der Reginostatue für den Karolingerweg. TV-Foto: Fritz-Peter Linden

Prüm. Na also: Gerade einmal 1200 Jahre und knapp zwei Wochen nach dem Tod Karls des Großen ist es geschafft - Prüm ist jetzt offiziell Karolingerstadt. Per Ratsbeschluss darf der Beiname von nun an geführt und soll vor allem in der Tourismuswerbung benutzt werden.
Da freut sich vor allem Monika Rolef von der Liste Kleis: Denn es war ihr Antrag, der am Dienstagabend einstimmig von den Fraktionen abgesegnet wird. Also huscht sie kurz zur Garderobe, setzt sich die altbekannte Bertrada-Krone auf - und verteilt zum Dank an alle Ratsmitglieder Schokolädchen.Goldmedaille für Prüm


Das sei eine richtige "Goldmedaille für die Stadt Prüm" freut sich die unermüdliche Kämpferin für die Erhaltung des karolingischen Stadterbes und der Basilika. Da traut sich dann auch niemand im sonst so diskutierfreudigen Rat zu widersprechen.
Nächster Schritt, sagt Stadtbürgermeisterin Mathilde Weinandy, sei nun eine Broschüre, in der die karolingischen Wurzeln der Stadt aufbereitet werden.
Etwas nüchterner geht es bei den anderen Tagesordnungspunkten zu. Einer davon: der Klosterhof neben dem Hahnplatz und vor dem Regino-Gymnasium. Der seit 1977 geltende Bebauungsplan für das Umfeld der Straße ist per Beschluss seit Dienstag Vergangenheit. Die Flächen sind nahezu alle dicht - und für den Rest sowie für die Verkehrsführung sollen die bisherigen Vorgaben nicht mehr gelten. Hauptgrund: die Neugestaltung des Hahnplatzes, die durch die bisherigen Regeln zu sehr eingeschränkt werde.
Endgültig aufgestellt ist nun auch das Konzept zur Innenstadtentwicklung (der TV berichtete), das bis ins Jahr 2023 umgesetzt sein soll. Wer in diesem Abschnitt eine Immobilie in Schuss bringen will, kann dafür Fördergeld beantragen. Das gilt auch für eine Reihe von Stadtratsmitgliedern: Aufgrund ihrer Eigeninteressen dürfen sie nicht abstimmen. Ansprechpartner für die Förderung ist Robert Ennen bei der VG-Verwaltung (Telefon: 06551/943312).
Schöner werden sollen aber nicht nur Hahnplatz und direktes Umfeld: Auch die Hillstraße wird erneuert, nach dem Vorbild der bereits umgestalteten Bach- und Pfannstraße und des Johannismarkts, der direkt gegenüber liegt. Im Landesprogramm "Aktive Stadtzentren", aus dem auch Geld für den Hahnplatz fließt, sind weitere Fördermittel in Höhe von 700 000 Euro bereitgestellt. Ein Teil davon wird für die Hillstraße verwendet: "Es ist nötig", sagt Mathilde Weinandy, "die Autos sind breiter geworden, die Bordsteinkanten reichen nicht mehr aus". Zudem sei die Straße lädiert.
Markus Fischbach (SPD) freut sich: Es tue der Straße gut, wenn sie einen Charakter wie der Johanismarkt erhalte. Für Dirk Kleis (Liste Kleis) wird es "hochspannend, wie der Planer das machen wird", da die Straße so eng sei.
Auf Antrag der Prümer Bürgerbewegung soll die Lücke im Rad- und Gehweg zwischen Prümtalstraße und Gerberweg geschlossen werden - indem man dafür die alte Bahntrasse und die Brücke im Prümtalweg nutzt.
Wie gut, dass dieser Abschnitt der Trasse bereits entwidmet ist und nicht mehr für den Schienenverkehr genutzt werden darf. Damit man, sagt Bernd Weinbrenner von der SPD, "da nicht so einen Reinfall erleben" müsse wie Verbandsgemeinde-Bürgermeister Aloysius Söhngen mit dem Kauf der Strecke nach Gerolstein. Nach einem Urteil des Oberverwaltungsgerichts soll die Strecke, anstatt des von den Kommunen beabsichtigten Radwegs, wieder für den Schienenverkehr reaktiviert werden dürfen (der TV berichtete).
Das sei aber nicht Stadtrat-, sondern VG-Thema, bügelt Mathilde Weinandy die aufkeimende Diskussion ab. "Ich hab mich auch erkundigt", sagt sie, "ob wir einen Bahnhof bauen müssen." Aber das sei nicht notwendig, falls es wieder einen Schienenverkehr zwischen Prüm und Gerolstein geben sollte - zur Endstation am Prellbock in der Prümtalstraße: "Wir müssen nur Bänkelchen bauen lassen, damit die Leute da aussteigen können."Meinung

Wir Karolinger
Hoffen wir, dass es mit dem Umbau des Hahnplatzes nicht ganz so lange dauern wird wie mit dem Beschluss, Prüm zur Karolingerstadt zu machen. Unter Karl dem Großen ging so was schneller. Gut, er besaß die absolute Macht und argumentierte eher mit dem großen Knüppel. Heutzutage wird diskutiert. Zum Glück. Und zum Glück gibt es Menschen wie Monika Rolef, die sich so unermüdlich und beseelt um das Erbe ihrer Heimat kümmern. fp.linden@volksfreund.deExtra

Neues Mitglied: Für den verstorbenen Jürgen Zengerling rückt Peter Stein in die CDU-Fraktion nach, die Stadtbürgermeisterin verpflichtete ihn per Handschlag. Der Tettenbach soll renaturiert werden, die Stadt wird dazu Fördergeld aus der Landes-"Aktion Blau" beantragen. Die Planungskosten liegen bei 25 000 Euro. fpl