Willwerath Rock City: Festival-Feuerwerk im Eifelwald

Prüm · Wetter: warm. Musik: heiß. Beim vierten Festival „Willwerath Rock City“ haben mehr als 600 Besucher einen so feurigen wie abwechslungsreichen Abend erlebt. Und einen kalifornischen Solokünstler, der sich auch von zwei gerissenen Saiten nicht aus der Fassung bringen ließ.

Foto: Fritz-Peter Linden

Wenn etwas einmal richtig gut war, so wie das Festival Willwerath Rock City im vergangenen Jahr, dann fragt man sich: Kriegen die das nochmal so hin? Antwort: Sie kriegen. Sie machen es nur ein bisschen anders.

Die Willwerather Organisatoren haben bei der vierten Ausgabe ihres Festivals im Waldsteinbruch auf stilistische Abwechslung gesetzt. Und die Mischung funktioniert.
Abwechlsung, das passt auch zur ersten Band, die Eifeler von Elastiq. Der Name scheint Programm, sie tänzeln flexibel zwischen melancholischen Harmonien, jaulender Rockgitarre, Rap und Chanson. Kann schlimm in die Hose gehen - nicht bei Elastiq. Der Begriff "Newcomer", hatte Mitorganisator Tobias Elsen bei der Ansage klargestellt, sei bei dieser Gruppe deplatziert, immerhin haben sie gerade den Publi kumspreis beim „Emergenza“-Wettbewerb in Stuttgart gewonnen . Zu Recht: eine Band, von der man noch hören wird. Und will.

Schon länger dabei, aber noch so dynamisch und kompakt rockend wie vor 20 Jahren: Herr Berlin aus Trier. Anhörbare deutsche Texte, treibende Rockmusik, ein Anklang an die Zeiten, als "New Wave" noch wirklich "new" war. Und mit Jimmy Berlin (Uwe Reinhard) ein Frontmann, der mit dem Publikum kann und klarmacht, wie schön es sei, "dass es solche Festivals gibt".

Wie schön es sein kann, wenn ein Mensch allein seine Musik darbietet und dabei mit jeder Nummer etwas mehr zum Mädchenschwarm und Männerkumpel zugleich wird, das zeigt Jameson Burt. "Ein Mann, eine Gitarre und eine wundervolle Stimme", so hat ihn Co-Moderator Marco Sifferath angekündigt: Da steht er dann, der dünne, gutaussehende Hering, bekennt seine Freude darüber, "mit euch hier im Wald zu sein" und verschreckt kurz die besonders männlichen Männer, als er mit Kopfstimme in die erste Nummer einsteigt. Keine Sorge, nach dem ersten dreckig hingebratzen Gitarrenakkord ist allen klar: Hier steht kein Weichei, sondern ein klasse Musiker mit mitreißenden Songs.

Und Burt hat diesen unwiderstehlichen kalifornischen Charme, der sich im Lauf seines Auftritts immer weiter entfaltet. Erst recht, als ihm hintereinander zwei Saiten reißen. Da bittet er peinlich berührt um Vergebung, lässt sich von Herr-Berlin-Gitarrist Jo Hansson helfen, dankt artig und macht weiter bis zum umjubelten Finale.

Wer nach einem solchen Auftritt raus muss, der hat es schwer. Den reiferen, schwedischen Herren von Dollhouse scheint das nichts auszumachen. Sie hämmern einfach selbstbewusst los. Gitarrenrock der schärferen Sorte, der Klassikkenner würde es unterkomplex nennen, der Rockfan sagt: genau richtig.
Tief in der Nacht machen dann die Eifeler Renegades of Funk den Sack zu - mit wütendem Protestrock der amerikanischen Band Rage Against The Machine. Da tanzt der ganze Platz bis weit nach drei Uhr.

Zitat von Herr Berlin: "Haben wir nicht das Beste von allem gehabt?" Doch, an diesem Abend in Willwerath schon.Das Festival

Zum vierten Mal richtete der Willwerather Festival-Verein das Konzert im Steinbruch aus. Die Band Affinity Kit empfing die Besucher schon am Waldrand, alles lief "dank großem Einsatz vieler freiwilliger Helfer wie geschmiert", sagt Marco Sifferath. Mehr als 600 Besucher hatten großen Spaß. Oder, wie es Tobias Elsen zu Beginn gesagt hatte: "Jetzt ist auch das DRK da. Da können die Leute auch umfallen … vor Begeisterung." Es gab keine größeren Probleme, die Künstler zeigten sich angetan. In einer Versteigerung erhielt Gewinner Marco Hontheim - von Jupiter Jones - bei 160 Euro den Zuschlag für die 1,70 Meter lange "Goldene Eintrittskarte" - und damit lebenslang freien Eintritt bei "Willwerath Rock City". Schließlich, sagt Sifferath, wolle man das Festival noch locker 100 Jahre lang ausrichten. fpl