Willwerather Rock’n’ Roll-Hauptquartier zieht 600 Fans an

Festival in der Eifel : Willwerather Rock’n’ Roll-Hauptquartier

Fünf außergewöhnliche Bands, ein gut gelauntes Publikum:  Der Abend im Steinbruch hat sich wieder gelohnt.

„Früher hast du 15 Euro bezahlt, und hast dafür drei Bands gesehen. Heute zahlst du 100 Euro, um zuzusehen, wie jemand auf der Bühne mit seinem Laptop spielt“, lautet ein böser Spruch, der in den sozialen Medien die Runde macht. Für Willwerath Rock City, dem Festival im ehemaligen Steinbruch der kleinen Eifelgemeinde, legt der geneigte Liebhaber handgemachter Rockmusik exakt zwölf  Euro im Vorverkauf oder 15 Euro an der Abendkasse hin und sieht dafür gleich sechs Bands. Und zwar richtig gute Bands.

Das Angebot lassen sich am Samstagabend mehr als 600 angepilgerte Besucher nicht entgehen – trotz eines kleinen Regeneinbruchs am frühen Abend füllt sich der fantasievoll beleuchtete Steinbruch zusehends, was Marco Sifferath, einen der Organisatoren sichtlich freut. „Wir haben uns im vergangenen Jahr finanziell etwas übernommen. Da wir ein Verein und auf die Einnahmen aus dem Kartenverkauf angewiesen sind, macht uns die große Resonanz heute Abend sehr glücklich.“

In diesem Jahr fielen die Gagen für die Bands nicht ganz so üppig aus, erzählt Sifferath und kündigt halb im Scherz, halb im Ernst die Truppe „The Laconics“ als eine der Sparmaßnahmen an: „Wir haben uns gefragt, was wir im Eifler Rock`n‘ Roll-Hauptquartier Willwerath noch an Bands in den Kellern finden – und haben diese geile Band ausgegraben.“ Ist selbstverständlich Quatsch: Die Laconics sind alles andere als Musiker von der Resterampe. Sie fetzen ohne große Schnörkel los, als hätte man sie von der Leine gelassen. „Für euch haben wir heute alle langsamen Songs weggelassen“, ruft Gitarrist und Sänger Tobias Elsen ins Publikum, dem die geradlinigen Rocksongs der Band ohne Umwege in die Beine fahren.

Ausgelassen getanzt wird vor allem vor der kleineren Bühne, die immer in den Umbaupausen von „Freakaz“ aus Köln in Betrieb genommen wird. Die drei, jawohl, Ausnahmemusiker krallen sich zur großen Freude der Zuschauer Hymnen der Rockmusikgeschichte und stülpen ihnen in der eigentümlichen Besetzung aus Gitarre, Perkussion und Trompete oder Tuba völlig eigenständige Klanggerüste über. „Purple Haze“ von Gitarrengott Jimi Hendrix auf der Tuba gespielt? Warum nicht? Geht doch! Während die Stimmung steigt und die Dämmerung langsam in Dunkelheit übergeht, wird auf der großen Bühne die Technik für den diesjährigen Top-Act installiert. Van Holzen, ein Trio aus Ulm, das mit reichlich Vorschusslorbeeren bedacht nach Willwerath angereist ist. Um es kurz zu machen: die Band wird allen Lobeshymnen im Vorfeld gerecht und bietet moderne, eigenständige deutsche Rockmusik jenseits aller Schubladen. Angesagt werden Van Holzen von Tobias Elsen, der gerade noch als Gitarrist der Laconics selbst auf der Bühne stand.

Willwerath Rock City handelt frei nach dem Motto „Unser Dorf soll lauter werden“. Foto: Vladi Nowakowski
600 Zuschauer feiern am Samstagabend im Steinbruch ein großartiges Rockfestival. Foto: Vladi Nowakowski

„Bei Willwerath Rock City geht es zu, wie in einem kleinen Wanderzirkus“, sagt Elsen und spielt schmunzelnd auf die „Sparmaßnahmen“ an: „Dort kommt der Kassierer im Laufe der Vorstellung als Clown in die Manege und meistert später noch die Hochseil-Nummer.“

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