Windenergie elektrisiert die Arzfelder

Arzfeld · Eine neue Energiegenossenschaft, offen für alle Bürger und Gemeinden, die vom Ausbau der Windenergie in der Verbandsgemeinde Arzfeld profitieren wollen: Das ist das Ziel von VG-Bürgermeister Andreas Kruppert. Wer von den Windrädern beeinträchtigt sei, müsse auch daran verdienen können.

Arzfeld. Alle Bürger der Verbandsgemeinde (VG) Arzfeld sollen die Möglichkeit haben, vom anstehenden Ausbau der Windenergie finanziell zu profitieren. "Die Wertschöpfung soll in der Region bleiben", sagt Bürgermeister Andreas Kruppert. Bislang verdienen vor allem Grundstücksbesitzer, wenn sie ihre Flächen an die Windenergiebetreiber verpachten. Die Einnahmen aus dem Betrieb der Anlagen fließen in die Kassen der Firmen, die in den meisten Fällen nicht aus der Region kommen.
Um das zu ändern, soll eine neue Energiegenossenschaft gegründet werden, möglicherweise als Teil der bereits existierenden "Islek-Energie AöR", die selbst in neue Windräder investiert und die Gewinne verteilt. Die Bürger, aber auch die Ortsgemeinden, könnten dann Anteile an dieser Genossenschaft erwerben und somit von den Einnahmen profitieren. Es sei wichtig, dass diejenigen, die täglich mit den Beeinträchtigungen leben müssten, auch profitieren könnten, sagt Kruppert. Bundesweit seien in den vergangenen fünf Jahren 300 solcher Genossenschaften gegründet worden. Auch in Prüm stehen die Umsetzung der Energiewende und ein "Solidarpakt Windkraft" auf der Tagesordnung für die nächste Sitzung des Verbandsgemeinderats am Dienstag, 14. Februar.
Land plant Windkraft-Ausbau


Das Thema ist vor allem deshalb akut, weil vonseiten der Landesregierung ein deutlicher Ausbau der regenerativen Energien angestrebt wird. Bis 2030 soll der rheinland-pfälzische Energiebedarf zu 100 Prozent aus Wind und Sonne gewonnen werden (der TV berichtete). Weil der Wind in der Eifel und im Hunsrück am beständigsten weht, wird sich dort auch die Zahl der Windräder erhöhen. Aktuell stehen in der Verbandsgemeinde Arzfeld 28 solcher Anlagen, die rund 40 Megawatt Strom erzeugen. Freie Flächen gibt es derzeit keine mehr.
Wie viele es in Zukunft sind? Daran arbeitet die Verbandsgemeinde. Eine Studie soll Aufschluss darüber geben, wo sich Windkraftanlagen lohnen. Die ersten Ergebnisse werden im Frühjahr erwartet und sollen dann in den neuen Flächennutzungsplan einfließen. Darin wird geklärt, wo künftig Windräder gebaut werden dürfen und wo nicht. Neben den rechtlichen Ausschließungsflächen wie Naturschutzgebieten haben die Kommunen dabei auch die Möglichkeit, eigene Vorgaben festzulegen. "Dabei spielen auch Sachen wie das Landschaftsbild eine Rolle", sagt Kruppert.
Am Ende sollen klare Kriterien stehen, die auch vor Gerichten Bestand haben werden. Auch deshalb werde es keine Unterschiede zwischen öffentlichen und privaten Flächen geben. "Das wäre gar nicht haltbar", sagt Kruppert. Die VG warnt davor, bereits jetzt Vorverträge abzuschließen, da noch nicht klar sei, auf welchen Flächen künftig Windkraftanlagen möglich sind.
Bis es so weit ist, wird es allerdings noch etwas dauern. Denn wenn der Flächennutzungsplan fertig ist, müssen rund 50 Träger öffentlicher Belange vom Landesamt für Geologie bis zur Bundeswehr ihre Einschätzung abgeben. Dann muss er vom VG-Rat und allen Ortsgemeinden beschlossen werden. Deshalb, so schätzt Kruppert, wird er voraussichtlich erst 2013 in Kraft treten.Meinung

Alle werden Energiewirte
Die ehemals karge Eifel entdeckt den Rohstoff des 21. Jahrhunderts: Energie aus erneuerbaren Quellen. Der Saft, von dem das Überleben der modernen Gesellschaft umso stärker abhängt, je mehr das Öl zur Neige geht. Bereits jetzt wird auf den Höhenzügen zwischen Lichtenborn und Auw mehr Strom erzeugt, als von den Menschen verbraucht wird, die Eifel ist zum Stromexporteur geworden. Diese Entwicklung hat das Landschaftsbild nachhaltig verändert. Die Diskussion um die Verspargelung wird zwar nicht mehr in der Heftigkeit geführt wie noch vor zehn Jahren, das heißt aber nicht, dass sich alle wirklich damit abgefunden haben. Umso wichtiger ist es, dass die Einnahmen aus der Stromerzeugung bei den Menschen vor Ort bleiben. Deshalb ist der Schritt der Verbandsgemeinde Arzfeld hin zu einer Energiegenossenschaft, die für alle Bürger offen ist, eine wichtige Entscheidung, die zudem die Akzeptanz der Windkraftanlagen erhöht. Denn klar ist auch: Irgendwo muss der Strom, den wir alle verbrauchen, herkommen, wenn die Atomkraftwerke abgeschaltet werden. c.brunker@volksfreund.deExtra

Die Islek Energie Anstalt öffentlichen Rechts (AöR) wurde 2011 gegründet, um Solaranlagen auf öffentlichen Dächern umzusetzen. Die ins Auge gefassten Projekte sind mittlerweile realisiert, berichtet Klaus Theis von der VG Arzfeld. Das größte Einzelprojekt ist die Freiflächenanlage in Arzfeld, die 1,5 Megawatt Strom erzeugt. Zusammen mit den Dachanlagen beläuft sich die jährliche Strommenge auf 1,9 Megawatt. Das entspricht dem Jahresbedarf von 75 Haushalten. Insgesamt ist die VG schon zum Energie-Exporteur geworden: Aus Wind, Sonne und Biogas wird dreimal mehr Strom produziert als verbraucht wird. ch