Windkraftpläne in Neuerburg durch alte Laubbäume in Gefahr

Waldstück als Tabuzone : Windkraftpläne in Neuerburg durch alte Laubbäume in Gefahr

Für die im Wald der Stadt Neuerburg geplanten Windräder wird es  eng. Der Baumbestand kratzt an der Altersgrenze.

Um die geplante Ausweisung einer Vorrangfläche für Windkraft südlich der Ortslage Neuerburg zu verhindern, haben sich Windkraftgegner vor Ort in den vergangenen Jahren so einiges einfallen lassen. Nun aber sieht es so aus, als könnte sich das Thema Windkraft zumindest für das Areal Auf Lindscheid weitgehend erledigt haben. Dem potenziellen Investor, der dort zwei Anlagen errichten möchte, und auch der Stadt Neuerburg, die als Grundstückseigentümer dafür Pacht bekäme und damit ihre Haushaltskasse aufbessern könnte, läuft beziehungsweise fliegt nämlich die Zeit davon.

Der Grund sind die dort vorhandenen Bäume. Die standen zwar auch schon zum Beginn der Planungen dort, doch haben die ersten inzwischen ein Alter erreicht, das den Plänen zum Verhängnis werden könnte. So genießen Laubbäume ab einem Alter von 120 Jahren einen besonderen Schutz. Und einige Bäume auf Lindscheid haben diese Altersgrenze bereits überschritten.

Aus Investorensicht wäre das zunächst nicht weiter tragisch. Denn gemäß Landesentwicklungsprogramm, an dessen Vorgaben sich die VG Südeifel bei der derzeit laufenden Fortschreibung des Flächennutzungsplans für die Windkraft halten muss, gelten Baumbestände dieses Alters nur dann als K.O.-Kriterium, wenn es sich dabei um eine zusammenhängende Fläche mit einer Größe von mindestens zehn Hektar handelt. Was das Areal Auf Lindscheid betrifft, so gibt es dort zwar zwei Flächen. Diese haben aber selbst zusammen lediglich eine Größe von fünf bis sechs Hektar. Der Knackpunkt ist allerdings: Genau dazwischen liegt eine Fläche, deren Laubwaldbestand nach Angaben des Forsteinrichtungswerks im kommenden Herbst ebenfalls 120 Jahre alt wird. Und rechnet man diese Fläche noch hinzu, so kommt man laut Forstamt Neuerburg insgesamt auf eine zusammenhängende Fläche, die mehr als zehn Hektar groß ist. Damit wäre dieses Waldstück für die Windkraft eine Tabuzone.

Auf den Flächennutzungsplan hat das zunächst noch keine Auswirkung. Denn der Planentwurf, den der Rat der VG Südeifel vergangene Woche einstimmig gebilligt und damit für die abschließende Genehmigung durch die Kreisverwaltung freigegeben hat, kann nur das berücksichtigen, was aktuell Stand der Dinge ist. Und da ein Teil des Laubwalds derzeit erst 119 und eben noch keine 120 Jahre alt ist, wurde in der Sitzung zwar auf diese Situation hingewiesen, der bevorstehende Geburtstag der Bäume aber nicht weiter berücksichtigt. Zumal selbst ohne diesen Waldbestand die im Plan festgehaltene Vorrangfläche für Windkraft zwischen Neuerburg und Fischbach-Oberraden immer noch groß genug wäre, um dort Windräder zu errichten.

Die Stadt Neuerburg hat allerdings das Problem, dass der schützenswerte Laubwaldbestand nicht irgendwo in dieser Vorrangfläche liegt, sondern genau dort, wo Grund und Boden städtisches Eigentum sind. Weshalb die erhofften Pachteinnahmen durch die Windkraft nun auf der Kippe stehen. „Wenn der Bereich wirklich zur Tabuzone wird, dann könnte das in der Tat dazu führen, dass die beiden dort vorgesehenen Anlagen nicht gebaut werden können“, sagt Neuerburgs Stadtbürgermeister Lothar Fallis. Die Stadt stehe dazu derzeit im Austausch mit dem Forstamt, um das zu klären, fügt er hinzu.

Noch aber hat der Baumbestand das entscheidende Alter nicht erreicht. Und theoretisch könnte der Flächennutzungsplan genehmigt sein, bevor die Bäume ihren 120. Geburtstag haben. Um aber letztendlich auf den ausgewiesenen Flächen tatsächlich auch Windräder bauen zu dürfen, ist für jede Anlage ein sogenanntes Genehmigungsverfahren nach dem Bundes-Immissionsschutzgesetz notwendig. Und spätestens dann wird das Waldstück aufgrund seines Alters für Investoren zum unüberwindbaren Hindernis.

Daran  kann auch die Stadt Neuerburg nichts ändern. Sie ist zwar Eigentümerin des Walds, darf dort aber nicht nach Belieben roden. Sie darf also beispielsweise nicht den alten Baumbestand auf eine Größe von unter zehn Hektar reduzieren, um den Schutzstatus aufzuheben. „Laut Landeswaldgesetz sind Kahlschläge ab einer Größe von 0,5 Hektar generell verboten“, erklärt Olaf Böhmer, Leiter des Forstamts Neuerburg. Im Rahmen der normalen Forst- und Pflegemaßnahmen würden natürlich auch einzelne Bäume gefällt, die älter als 120 Jahre seien, sagt Böhmer. Ein großflächiges Abholzen sei aber nicht erlaubt.

Unabhängig davon stellt sich für den Förster aber noch eine ganz andere Frage. Und die bezieht sich nicht nur auf den städtischen Wald, sondern auf die gesamte Vorrangfläche zwischen Neuerburg und Fischbach-Oberraden. Die möglichen Standorte von Windrädern sind das eine, der Weg dorthin das andere. „Ich weiß gar nicht, wie die Betreiber ihre gewaltigen Anlagen überhaupt bis dort hoch in den Wald bekommen wollen“, so Böhmer. Über das, was derzeit an Wegen vorhanden sei, funktioniere das jedenfalls nicht.

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