Windräder statt Radartürme und Kasernen

Windräder statt Radartürme und Kasernen

Windräder, wo einst Kasernen und Radartürme standen: Geht es nach dem Willen der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, wird aus der ehemaligen Prüm Air Station auf dem Schwarzen Mann ein Standort für drei neue Rotoren. Doch noch ist die rechtliche Grundlage - der Flächennutzungsplan - erst in Vorbereitung.

Prüm. Auf welchen Hügeln des Prümer Landes werden in Zukunft neue Windräder Strom erzeugen? Diese heikle Frage beschäftigt den Prümer Verbandsgemeinderat seit langem. Besonders im Blickpunkt steht dabei der Höhenrücken um den Schwarzen Mann zwischen Brandscheid und dem Forsthaus Schneifel - für Windenergie theoretisch eine der besten Lagen im ganzen Land. Aber dort ist nicht nur der Wind häufig, sondern leben auch viele seltene Tier- und Pflanzenarten. Außerdem ist der knapp 700 Meter hohe Bergrücken weithin sichtbar und prägt die Landschaft. Deshalb erfordert der neue Flächennutzungsplan gerade dort eine intensive Vorbereitung, mit der die Verbandsgemeinde (VG) Prüm und das beauftragte Planungsbüro BGHplan seit vielen Monaten beschäftigt sind (der TV berichtete).
Unterdessen setzt die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) eindeutig auf die Karte Windkraft. Sie hat seit dem vergangenen Jahr die Verantwortung für die ehemalige Radarstation der US-amerikanischen Streitkräfte auf dem Schwarzen Mann. Geht es nach der Bima, sollen dort künftig drei Windräder Strom erzeugen. Man habe sich schon vor längerer Zeit der windenergetischen Nutzung der Flächen angenommen, sagt Erhard Schaefer von der Bima, "dazu wurde die Fläche für Windenergienutzung öffentlich ausgeschrieben und entsprechend des Ergebnisses ein Anbieter ausgewählt." Daher gebe es einen gültigen Vertrag für die energetische Nutzung der Fläche. Details zum Inhalt, etwa mit welchen Pachteinnahmen man rechnet, will die Bima nicht nennen.
Gebaut werden darf aber erst, wenn der neue Flächennutzungsplan in Kraft getreten ist. Davon ist man in der VG Prüm aber noch weit entfernt. Es gebe zwar einen ersten Entwurf, aber der werde noch nicht öffentlich beraten, sagt VG-Bürgermeister Aloysius Söhngen. Erst im Juni sei die öffentliche Vorstellung im Rat und die Abstimmung geplant. Angesichts dessen zeigt er sich - auf das Vorgehen der Bima angesprochen - sehr reserviert.
Bei der Bima gibt man sich indessen zuversichtlich: "Bei positivem Ausgang der Prüfungen und entsprechender Genehmigung gehen wir dort davon aus, dass drei Windkraftanlagen errichtet werden können." Andere Nutzungen seien derzeit nicht geplant.
Ein Aspekt ist jedoch noch zu klären, sollten Windräder gebaut werden dürfen: Die VG hat mit allen 44 Gemeinden und dem Land als großen Waldbesitzer einen Solidarpakt geschlossen, der besagt, dass ein Drittel der Pachteinnahmen aus den neuen Windrädern an die Verbandsgemeinde Prüm gehen soll (der TV berichtete). Mit den Zusatzeinnahmen könne dann die VG-Umlage gesenkt werden, so dass am Ende alle Gemeinden von der Windenergie profitieren und nicht nur die, auf deren Flächen die Windräder zu stehen kommen. Der Bund ist allerdings noch nicht dabei. Man sei aber in Gesprächen mit der VG Prüm über eine eventuelle finanzielle Beteiligung. chMeinung

Eine Frage der Solidarität
Kaum war die Energiewende verkündet und klar, dass auch in Rheinland-Pfalz mehr Rotoren entstehen sollen, schickten die großen Windenergie-Unternehmen ihre Agenten los, um sich frühzeitig die besten Flächen vertraglich zu sichern, fast wie zu besten Goldrausch-Zeiten. Dabei war damals noch überhaupt nicht klar, welche Flächen die Verbandsgemeinden dafür ausweisen. In der VG Prüm ist das bis heute noch nicht festgelegt. Eindringlich warnte die Verwaltung alle Gemeinden davor, sich frühzeitig vertraglich zu binden. Denn wenn feststeht, dass ein Grundstück auch wirklich für die Windenergie genutzt werden kann, lässt sich bei der Pacht deutlich besser verhandeln als bei einem Vorvertrag mit vielen Fragezeichen. Der Bund hatte offenbar keine Geduld und hat sich bereits festgelegt. Ob das wirklich klug war, sei dahingestellt. Deutlich wichtiger wäre aber auf jeden Fall, dass sich auch der Bund am Prümer Solidarpakt beteiligt. c.brunker@volksfreund.de

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