"Wir haben einen Raum, der keinen Cent kostet"

"Wir haben einen Raum, der keinen Cent kostet"

NEUERBURG. Die Jugendlichen in Neuerburg haben wieder ein Domizil: Finanziert aus Spendengeldern hat die Stadt Neuerburg den jungen Leuten einen Container zur Verfügung gestellt.

Der Container steht auf dem Bauhof. Tiefblau mit zwei Fenstern und einer Tür. Vor dem Eingang liegt ein Putzlappen. Schuhe säubern ist Pflicht, denn die Wiese, auf dem der Container steht, ist etwas matschig. Drinnen ist es heimelig warm. Die Elektroheizung wirkt. Die Heizung und ein Tisch gehören zur Ausstattung des Containers. Alles andere haben die Jugendlichen zusammengetragen: Eine Eck-Couch, ein paar Stühle, Fernseher, Mikrowelle, Wasserkocher und eine Musik-Anlage. Verwandte und Freunde haben die Sachen gesponsert. Das Regal haben sich die Jugendlichen selbst gezimmert. Sie sind stolz auf ihr neues Domizil. "Wir haben einen Raum, wo wir hingehen können, ohne dass es Geld kostet", beschreibt Andreas Scholtes die Vorzüge des neuen Treffpunkts. Hier können die Jugendlichen miteinander reden, Musik hören oder Dart spielen. Rauchen ist verboten. Wer rauchen will, muss nach draußen gehen. Zwei Jahre lang haben die Jugendlichen um ein neues Domizil in der Enzstadt gekämpft. Im Oktober letzten Jahres war es dann soweit. Ein gebrauchter Container wurde für 1000 Euro angeschafft und auf dem Bauhof abgestellt. "In der Stadt wollte uns niemand haben", sagt Andreas Schuchart. "Kein Platz", meint Stadtbürgermeister Willi Hermes. Er befürchtete Ärger mit Nachbarn. "Da gibt es schnell Animositäten", sagt er. Die Jugendlichen werben um Vertrauen. "Wir tun alles, damit sich niemand über uns beschwert", sagt Andreas Scholtes. Die Jugendlichen, Schüler oder Azubis, engagieren sich in der Stadt. In der "72 Stunden-Aktion" haben sie in der Realschule Wände gestaltet und Geländer gestrichen. Die Jugend in Neuerburg hat einen guten Ruf. Doch das allein genügt nicht. "Es muss auch von den Kosten her stimmen", bringt Willi Hermes es auf den Punkt. Die Stadt übernimmt die Rechnungen für das Dixi-Klo und für den Strom. Wasser bringen die Jugendlichen im Kanister mit. Das soll sich ändern, wenn die anstehende Baumaßnahme - ein Regenüberlaufwerk - auf dem Bauhof abgeschlossen ist. Dann will die Stadt eine richtige Toilette bauen und einen Wasseranschluss legen. Bis dahin haben die Jugendlichen auch die Außengestaltung ihres Containers zurückgestellt. Außerdem wünschen sie sich noch einen zweiten Container dazu, denn der vorhandene ist jetzt schon zu klein. "Wir haben Platzmangel", meint Kira Hallwachs, "wenn viele kommen, müssen einige vor der Tür stehen." Doch für einen zweiten Container hat die Stadt kein Geld. Daran lässt Willi Hermes keinen Zweifel. "Die Finanzen geben das nicht her", sagt er. Es sei denn, dass sich Sponsoren finden, die ein Herz für Jugendliche haben.