1. Region
  2. Bitburg & Prüm

„Wir können das nicht stemmen“

Familie : „Wir können das nicht stemmen“

Um den Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz gerecht zu werden, mussten viele Gemeinden in den vergangenen Jahren in ihre Kitas ordentlich investieren. In Wißmannsdorf reicht das aber nicht aus.

Wenn man für ein Problem keine Lösung findet, erreicht man irgendwann den Punkt, an dem man es darauf ankommen lassen muss. So sieht es für den Wißmannsdorfer Ortsbürgermeister Rudolf Winter aus –jedenfalls fast. „Wir haben demnächst noch mal ein Gespräch“, sagt Winter. „Wenn wir da keine Lösung finden, weiß ich auch nicht weiter.“ Für ihn steht fest: „Wir jedenfalls können das nicht stemmen.“

Es geht um eine Summe von rund einer Million Euro. So viel soll die Erweiterung der Kindertagesstätte in Wißmannsdorf kosten. Zwar würden sich an den Kosten das Land und in geringem Maße auch der Kreis beteiligen, doch sind diese Zuschüsse gedeckelt. Mehr als 300 000 Euro an Zuwendungen sind kaum zu erwarten. Die restlichen 700 000 Euro müssten also Wißmannsdorf und die übrigen Einzugsgemeinden Biersdorf, Wiersdorf, Echtershausen und Hamm tragen. Der Anteil der jeweiligen Gemeinden richtet sich dabei nach der Einwohnerzahl. Wie Winter erklärt, müsste seine Gemeinde mehr als 330 000 Euro beisteuern. „Wie soll das funktionieren?“, fragt er.

Eine Antwort darauf hat Christina Hamm, zuständige Gesamtleiterin der katholischen Kita gGmbH Trier, auch nicht. Sie weiß nur, dass die Wißmannsdorfer Kita zu klein ist. Derzeit gibt es dort drei Gruppen mit insgesamt 75 Plätzen. Um den Bedarf an Plätzen gerecht zu werden, wäre laut Hamm mindestens eine weitere Gruppe erforderlich. „Noch besser wären zwei“, sagt sie. Dann würde es noch teurer werden.

Dass für die Erweiterung von nur einer Gruppe gleich Kosten in Millionenhöhe anfallen, liegt nach Aussage der Gesamtleiterin daran, dass durch einen Umbau der Bestandsschutz aufgehoben wird und deshalb auch weitere Veränderungen wie beispielsweise ein größerer Personalraum oder aber mehr Toiletten erforderlich seien. Einfach nur einen Raum für eine vierte Gruppe anzubauen – damit sei es nicht getan.

Theoretisch könnte die Wißmannsdorfer Kita auch Einjährige aufnehmen. Denn der Kindergarten wurde erst vor sechs Jahren für mehr als 300 000 Euro umgebaut, um den bundesweit geltenden Vorgaben gerecht zu werden. Der Haken ist nur, dass durch eine Aufnahme von Einjährigen die Gruppengröße reduziert werden müsste. Statt 25 dürften dann in einer altersgemischten Gruppe nur noch 15 Kinder sein. Würde die Kita also eine ihrer drei Gruppen für Einjährige öffnen, so müsste diese Gruppe verkleinert werden, wodurch sich die Gesamtzahl der Plätze von 75 auf 65 reduzieren würde.

Da auf der Warteliste der Kita nicht nur Einjährige, sondern auch Zwei- und Dreijährige stehen, müssten noch mehr Eltern nach Alternativen suchen. Aus diesem Grund werden in Wißmannsdorf derzeit überhaupt keine Einjährigen aufgenommen. Stattdessen müssen die Kleinen auf umliegende Kindertagesstätten ausweichen.

„Dass es in Wißmannsdorf eng wird, war schon absehbar, als die Kita umgebaut wurde“, sagt Hamm. Und darauf habe man die Gemeinden und die Verbandsgemeinde auch hingewiesen, fügt sie hinzu.

Das bestätigt auch die Kreisverwaltung. Das Jugendamt habe den Träger bereits im August 2011 „auf den unter Berücksichtigung der Rechtsansprüche für U3-Kinder bestehenden Platzfehlbedarf hingewiesen“, teilt die Kreisverwaltung auf Anfrage mit. Zu diesem Zeitpunkt jedoch war der Umbau der Kita von den Gemeinden längst beschlossen und die Baugenehmigung beantragt.

„Wir haben damals nicht erweitert, weil wir überhaupt nicht wussten, wie viele Einjährige überhaupt kommen“, sagt Ralph Schmitz, zuständiger Mitarbeiter der VG-Verwaltung. So gilt der Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz für Einjährige erst seit August 2013. Und davor, so Schmitz, sei die Entwicklung nicht absehbar gewesen. Was auch der Grund ist, warum nicht nur die Wißmannsdorfer Kita inzwischen zu klein ist, sondern auch die ebenfalls erst vor wenigen Jahren umgebaute Kita in Bickendorf. Auch dort fehlt mindestens eine Gruppe.

Für Rainer Wirtz, Erster Beigeordneter der VG, ist das trotz allem ein „positives Problem“, weil es letztlich der Beleg für eine positive demografische Entwicklung sei. „Viele Ortsgemeinden wären froh, wenn sie ein solches Problem hätten“, sagt Wirtz.

Bei all dieser Freude beschäftigt die Wißmannsdorfer aber dennoch die Frage, wie eine Erweiterung finanziert werden soll. Zumal es damit allein ja auch nicht getan sei, wie Ortsbürgermeister Winter erklärt. „Allein wir zahlen pro Jahr 38 000 Euro für Personal- und Sachkosten“, sagt er. „Wenn die Kita jetzt, wie im Planentwurf vorgesehen, um 300 Quadratmeter erweitert wird, steigen für uns ja zwangsläufig auch die Unterhaltungskosten“, erklärt Winter. „Und es ist ja auch nicht so, dass die Kita in unseren drei Ortsteilen die einzige Baustelle ist, um die wir uns kümmern müssen.“