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„Wir kommen uns vor wie die Abfall-Annahmestelle“

Eifeler Ortsbürgermeister beklagen, dass Müllsünder kaum verfolgt würden : „Wie die Abfall-Annahmestelle“

Die Beschwerden über Müll in der Umwelt reißen rund um Speicher nicht ab. Doch woran liegt es, dass immer mehr Abfall in der Natur zu landen scheint? Ortsbürgermeister beklagen eine angebliche Tatenlosigkeit der Behörden.

Fünf Minuten. Mehr Zeit braucht es nicht, um in einem Speicherer Waldstück einen Mülleimer voll zu bekommen. Bei einem Spaziergang nahe des Sportplatzes finden wir unter anderem Plastiktüten, die in Bäumen hängen, Chipstüten, Dosen, Zigarettenpäckchen in Büschen und einen halb vergrabenen blauen Sack mit Bauschutt.

Dass Menschen ihren Abfall im öffentlichen Raum entsorgen, ist freilich kein neues Phänomen. Und auch sicher keine Besonderheit von Speicher. Dennoch haben einige aus der Gegend das Gefühl, dass sich die Fälle seit einigen Monaten häufen. Und dass es gerade in und um die Töpferstadt besonders schlimm geworden ist.

So berichtet etwa Edgar Haubrich, Ortsbürgermeister von Preist, von einer kaputten Küche, die jemand auf einem Feldweg entsorgt habe. Der Speicherer Sozialdemokrat Oswald Krumeich erzählt von im Wald abgeladenem Bauschutt. Auch die Herforster Ortsbürgermeisterin Sigrid Heinemann sagt, dem wilden Müll sei kaum noch Herr zu werden: „Die Gemeinde kommt sich langsam vor wie eine Abfall-Annahmestelle.“

Verantwortlich für das Chaos macht die Dorfchefin aber auch Behörden, die zu wenig gegen Umweltsünder unternähmen, und Beschwerden über wilden Müll „lapidar“ abtäten. Ist da was dran?

Bei der Polizei Bitburg und dem Abfallzweckverband Region Trier (ART) weist  man die Vorwürfe jedenfalls zurück. Anzeigen gingen die Behörden sehr wohl nach. In vielen Fällen ließen sich auch Täter ermitteln.

Die Polizei Bitburg habe in der ersten Jahreshälfte 23 Meldungen wegen illegaler Müllablagerung entgegengenommen, sagt Dienststellenleiter Christian Hamm. Und immerhin acht mutmaßliche Schuldige ermitteln können. Geholfen hätten dabei vor allem Zeugenhinweise. Manche Täter hätten aber auch Spuren hinterlassen — etwa Adressen auf weggeworfenen Artikeln oder Briefen.

Wenn solche Hinweise nicht vorliegen, sagt Hamm, leite man das Verfahren an den ART als zuständige Ahndungsbehörde für solche Vergehen, weiter. Dort wiederum gehe eigenes Personal den Delikten nach, wie eine Sprecherin sagt. Dies manchmal erfolgreich, oftmals aber eben auch nicht.

Gehäuft hätten sich die Fälle im Eifelkreis laut Zweckverband erstseit April. Im Januar, Februar und März sei alles noch im Rahmen der Vorjahre gewesen. Was erst mal der These einiger Gemeindechefs widersprechen würde, dass die Eifeler erst mehr in die Botanik werfen, seit die Müllgebühren gestiegen sind. Denn das neue System hat der ART ja bereits zum Jahresbeginn eingeführt.

Könnte der Anstieg des wilden Mülls also doch mit der Corona-Pandemie zusammenhängen? Etwa, weil wegen Home-Office und Einschränkungen der Gastronomie häufiger zuhause gegessen wird, verpackte Gerichte auf den Spaziergang mitgenommen und in die Umwelt geschmissen werden?

Darüber lässt sich nur spekulieren. Erkenntnisse darüber gebe es beim Zweckverband keine. Dafür aber über ein anderes Phänomen. Paradoxerweise könnte, so die ART-Sprecherin, nämlich gerade das gewachsene Umweltbewusstsein durch Fridays for Future und Co. zu einem Anstieg der Fälle geführt haben, weil diese nun erst gemeldet würden.

Oder anders ausgedrückt: Wenn irgendwo Müll in der Umwelt rumliegt, fällt das manchem vielleicht jetzt erst auf. Und das ist immerhin eine gute Nachricht.